SUCHE

HWWI Rohstoffpreisindex
11.11.2014

Aufgrund des weltweit geringen Wirtschaftswachstums sinken die Rohstoffpreise – speziell Nicht-Eisen-Metalle sind aktuell weniger gefragt.

Industrieunternehmen fragen zurzeit weniger Rohstoffe für ihre Produktion nach – wie zum Beispiel Kupfer-Gießwalzdraht. (Foto: picture alliance / dpa)

Der HWWI-Rohstoffpreisindex sank im Oktober im Vergleich zum September in US-Dollar bewertet um 8,7 % und in Euro bewertet um 7 %. Vor allem die niedrigeren Rohölpreise trugen zu dem Rückgang beim Gesamtindex bei, da Rohöl mit über 70 % im Index ein sehr großes Gewicht hat. So reduzierte sich der Index für Energierohstoffe um 10,1 % (in Euro: -8,5 %). Der Abwärtstrend beim Index für Nahrungs- und Genussmittel wurde dagegen vorerst gestoppt und er stieg um 2,3 % (in Euro: +4,1 %) an. Dabei verteuerten sich vor allem die Genussmittel, die um 4,7 % (in Euro: +6,6 %) zulegten, während der Index für Getreide um 1,1 % höher notierte. Besonders fallende Metallpreise während des Oktobers führten dazu, dass der Index für Industrierohstoffe um 2,8 % (in Euro: -1,1 %) sank. Der Index für NE-Metalle gab dabei um 3,5 % (in Euro: 1,7 %) und der für Eisenerz/Stahlschrott um 3,4 % (in Euro: 1,6 %) nach.

Innerhalb des Oktobers hat sich der Brentölpreis von gut 91 US-Dollar pro Barrel auf nahezu 84 US-Dollar reduziert; dies entspricht einem Rückgang von 9,6 %. Damit setzt sich der Preisrückgang beim Öl fort, der Mitte Juni einsetzte und sich seitdem auf 27 % (in Euro: 20,7 %) aufsummiert. Im Juni war der Ölpreis auf über 115 US-Dollar angestiegen. Zurückzuführen war dieser Anstieg auf Spekulationen, dass der Irak als wichtiges Ölförderland durch den Krieg mit der Terrormiliz Islamischer Staat in ein Chaos stürzen könnte. Der höhere Ölpreis war jedoch nicht von Dauer, da der überwiegende Anteil der irakischen Ölproduktion im Süden des Landes vom Konflikt unberührt blieb. Zurzeit kann der Ölmarkt als gut versorgt angesehen werden. Das hängt zum einen damit zusammen, dass sehr viel Öl gefördert wird und sich gleichzeitig die Welt-konjunktur schwächer als erwartet entwickelt. Dies veranlasste die Internationale Energieagentur (IEA), im Oktober ein weiteres Mal die zu erwartende weltweite Ölnachfrage für das laufende Jahr nach unten zu revidieren.

Ob sich diese Preisrückgänge weiter fortsetzen werden, hängt davon ab, wie die Ölanbieter auf die niedri-geren Ölpreise reagieren werden. Dabei wird mit Spannung die nächste OPEC-Sitzung erwartet, die Ende November in Wien stattfinden wird. Die Mitglieder der OPEC scheinen uneins darüber zu sein, wie es mit den Fördermengen weitergehen soll. Iran und Venezuela könnten eine Förderkürzung anstreben, um so über ein knapper werdendes Ölangebot den Ölpreis wieder ansteigen zu lassen. Es gibt Schätzungen, dass beide Länder einen Ölpreis von über 120 US-Dollar pro Barrel benötigen, um ihren Staatshaushalt zu finanzieren. Dagegen könnte Saudi Arabien sich gegen eine Kürzung der Ölproduktion stellen, da es sich auf diese Weise versprechen könnte, über die niedrigen Ölpreise die Rentabilität der US-amerikanischen Ölproduktion zu gefährden. Bleibt der Ölpreis für längere Zeit unter 80 US-Dollar pro Barrel, könnte es zu einigen Marktaustritten von Ölförderern in den USA kommen, die dort aufgrund des Fracking-Verfahrens wesentlich teurer produzieren müssen als es in Saudi Arabien der Fall ist.

Im Oktober verbilligten sich alle im Rohstoffpreisindex enthaltenen Nichteisen-Metalle in US-Dollar. In einem Umfeld schwächerer globaler Konjunkturzahlen verbilligte sich neben Zinn und Blei, deren Preise um 5,8 % (in Euro: -4,2 %) beziehungsweise um 4,1 % (in Euro: -2,3 %) nachgaben, vor allem Nickel um 12,9 % (in Euro: -11,3 %). Ein abgeschwächtes Wirtschaftswachstum insbesondere in China wirkt sich negativ auf die konjunktursensible Nachfrage nach Metallen aus. Bei Nickel kam noch zusätzlich als preissenkender Faktor hinzu, dass sich die Angebotssituation besser als zuvor erwartet herausstellte. Ab Januar bis zum Hochstand im Mai dieses Jahres war der Nickelpreis um gut 52 % (in Euro: +51,8%) angestiegen. Die Marktteilnehmer befürchteten eine extreme Angebotsverknappung, da die indonesische Regierung einen Exportstopp auf Nickelerze verhängte. Bis dahin war Indonesien der weltweit größte Exporteur von Nickelerzen.

Der indonesische Exportstopp zielte darauf ab, die Wertschöpfungsstufen bei der Nickelerzeugung auszudehnen und so stärker an der Weiterverarbeitung der Nickelerze zu verdienen. Jedoch trat die befürchtete Angebotsverknappung nicht ein. Die Philippinen konnten ihre Nickelproduktion stärker als vorhergesehen ausdehnen und so dazu beitragen, die drohende Angebotslücke zu schließen. Damit gelang es den Philippinen, Indonesien als größten Exporteur von Nickelerzen nach China abzulösen. In der Folge entspannte sich der Nickelmarkt, was sich in sinkenden Preisen widerspiegelte. Im Vergleich zum Hochstand Mitte Mai notierte Nickel Ende Oktober um 25,3 % (in Euro: -18,3 %) niedriger.

Bei den Genussmitteln entwickelten sich im Oktober die Preise sehr unterschiedlich. So verteuerte sich Kaffee um 6,8 % (in Euro: 8,7 %), da Brasilien, das Hauptanbauland für Arabica-Kaffee, seine Ernteaussichten nach unten revidierte. Auch der Zuckerpreis stieg aufgrund einer wetterbedingten Reduzierung der Ernten in Brasilien um 12,6 % (in Euro: +14,6 %); zugleich nahm die Nachfrage nach Zuckerrohr für die Ethanolproduktion zu. Dagegen scheint die aktuelle Kakaoernte in der Elfenbeinküste und in Ghana, woher in etwa 60 % der weltweiten Ernte stammen, besser auszufallen als zuvor antizipiert. Als Reaktion darauf sanken die Preise im Oktober um 3,7 % (in Euro: -2 %). Bei den Ölsaaten und Getreide stiegen in den letz-ten drei Oktoberwochen die Preise für Mais um 12,8 % (in Euro: +13,8 %) und für Sojabohnen um 13,4 % (in Euro: +14,5 %), nachdem sie die Monate zuvor aufgrund ausgezeichneter Ernten weltweit stark gesunken waren. Die jüngsten Preissteigerungen lassen sich dadurch erklären, dass aufgrund der gefallenen Preise die Nachfrage für Mais und Sojabohnen anstieg. Darüber hinaus gibt es Sorgen, dass die Sojaboh-nenernte in Brasilien durch das extrem trockene Wetter gefährdet werden könnte.

Das geringere Wachstum der Weltwirtschaft, insbesondere in China, wirkt sich negativ auf die Kupfernachfrage aus. Chinas Wirtschaft wuchs im dritten Quartal so langsam wie in den letzten fünf Jahren nicht mehr. Die Kupferpreise reagieren sehr sensibel auf Nachrichten zur chinesischen Konjunktur, weil China in etwa 40 Prozent des weltweiten Kupfers konsumiert. So verschlechterten Sorgen um den chinesischen Immobilienmarkt – gerade im Hausbau finden viele Metalle Anwendung –die Stimmung auf dem Kupfermarkt. Doch Hoffnungen der Marktteilnehmer, dass das chinesische Programm zur Stimulierung der heimischen Wirtschaft Früchte tragen könnte, bremsten die Preisrückgänge beim Kupfer. So entschied sich die chinesische Notenbank dazu, verstärkt günstige Kredite an Geschäftsbanken zu vergeben, um die private Kreditaufnahme zu erhöhen und damit das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Ob die monetäre Spritze über die Aufnahme neuer Kredite auch die Realwirtschaft anregt, bleibt bei dem eingetrübten Konjunkturausblick für China jedoch fraglich. Diese Skepsis und die zurzeit gute Angebotslage auf dem Kupfermarkt spiegelte sich in der jüngeren Preisentwicklung beim Kupfer wider: Im Oktober notierte Kupfer in US-Dollar um 1,9 % niedriger als im Vormonat.

Auch auf dem Aluminiumpreis lastet die schwächere Entwicklung der globalen Wirtschaft, im Speziellen nicht nur in China, sondern auch in Europa und Japan. Aluminium wird vor allem in der Automobilindustrie und bei der Herstellung von Getränkedosen verwendet. Eine schlechtere weltweite Konjunkturentwicklung dürfte sich auch auf die Automobilindustrie auswirken. Zwar wird zur Produktion leichter Fahrzeuge verstärkt auf das Leichtmetall zurückgegriffen. Jedoch dürfte dieser Trend, pro Auto mehr Aluminium einzusetzen, durch einen Mindereinsatz an Aluminium aufgrund einer gedrosselten Gesamtautomobilproduktion überkompensiert werden. Neben den schwächeren Nachfrageaussichten beim Aluminium hat auch das über den Erwartungen liegende Angebot zu den Preisrückgängen geführt. Der indonesische Exportstopp von Bauxit, das zur Herstellung von Aluminium benötigt wird, hatte nicht die befürchtete Auswirkung auf das Aluminiumangebot, da Malaysia seine Bauxitexporte kräftig ausdehnte. Diese Faktoren trugen dazu bei, dass sich Aluminium im Oktober im Vergleich zum Monatsdurchschnitt September um 2,6 % in US-Dollar-Preisen verbilligt hat.

Nach oben