SUCHE

Mobilitätsstudie
13.10.2014

Die Bevölkerung im ländlichen Raum Norddeutschlands mit Bildung, Gesundheit und öffentlichen Verkehrsmitteln zu versorgen wird bis 2030 immer schwieriger. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) über Mobilität im ländlichen Raum.

Das Auto wird immer wichtiger, speziell für die alternde Bevölkerung in den ländlichen Regionen Norddeutschlands – wie hier auf der Insel Rügen. (Foto: picture alliance / ZB)

Die wirtschaftlichen Aktivitäten in Deutschland konzentrieren sich schon heute immer stärker auf Ballungsräume. Zugleich ziehen immer mehr Menschen aus den ländlichen Gebieten in die Städte. Weil vor allem die jüngere Bevölkerung abwandert, steigt der Altersdurchschnitt der Menschen, die auf dem Land leben. Das HWWI hat die Entwicklung speziell in den norddeutschen Bundesländern untersucht und kommt zu dem Ergebnis: Diese Entwicklung wird bis 2030 anhalten.

Gründe für die Abwanderung der Jüngeren in die Städte sind nach der Studie des HWWI bessere Chancen auf eine Ausbildung, ein Studium oder einen Arbeitsplatz. Zudem böten Städte aufgrund der in den Ballungszentren vorhandenen Kultur- und Freizeitangebote eine höhere Lebensqualität. Angebote und Dienstleistungen wie etwa Kaufhäuser, Fachkliniken, Theater und Museen, Hochschulen, Behörden oder spezialisierte Arbeitsplätze sind vornehmlich in größeren Städten verfügbar. Die Wege von den Randlagen in diese Oberzentren sind weit.

Mangel an Fachkräften und Auszubildenden

Für Unternehmer mit Betrieben im ländlichen Raum hat dies weitreichende Folgen: Die Suche nach Auszubildenden, Fach- oder Führungskräften wird für sie immer schwieriger. So sind nach einer aktuellen Meldung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags 2013 rund 80.000 Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt geblieben. Vor allem kleinere und von Ballungszentren abgelegene Betriebe hätten Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. Diese Entwicklung werde wegen des demografischen Wandels – auch die Zahl der Schulabgänger in Deutschland geht von Jahr zu Jahr zurück – und dem Trend zur Akademisierung weiter anhalten.

Die Entwicklung der Bevölkerungszahlen in Norddeutschland in den Jahren 2010 bis 2030. (Quelle: HWWI, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung)

Ländliche Gebiete leiden unter Bevölkerungsschwund

Die ohnehin dünn besiedelten Gebiete Mecklenburg-Vorpommerns, aber auch des südlichen Niedersachsens werden besonders von dem Rückgang der Bevölkerung betroffen sein. Steigende Einwohnerzahlen bis 2030 werden hingegen für die Region rund um die Kernstadt Hamburg, das Gebiet südlich von Oldenburg sowie das Emsland erwartet. Auch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung kommt zu dem Schluss: Der Anteil der älteren Bevölkerung in den ländlichen Räumen wird bis 2030 steigen, von derzeit etwa 20 auf dann 40 Prozent.