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28.10.2014

Deutschland muss bei Investitionen in Infrastruktur kräftig nachlegen – sagt André Wolf vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut. Sonst könnten vor allem die exportorientierten Unternehmen Probleme bekommen.

Reparaturarbeiten an der maroden Rheinbrücke der Autobahn A1 in Leverkusen (Foto: picture alliance / dpa)

Die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur wird ein immer wichtigerer Standortfaktor für deutsche Unternehmen. Grund ist das seit Jahren steigende Handelsaufkommen, so André Wolf, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).

Noch könne sich die Bundesrepublik mit einem besonders hohen Standard brüsten: Gemessen am Logistics Performance Index 2014 ist Deutschland bislang weltweit führend bei der Qualität von Straßen, Schienen und Häfen. Doch um diesen Vorsprung zu halten, müsse jetzt investiert werden. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik sei in der Vergangenheit viel zu wenig in Infrastruktur investiert worden.

Anteil der Infrastrukturinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt

Quellen: OECD, HWWI, Infografik B&E

Deutschlands Vorsprung bröckelt

Wirtschaftsvertreter beklagen sich bereits über den Investitionsstau – besonders im Straßennetz. „Hier lebt Deutschland seit geraumer Zeit von der Substanz“, so Wolf. „Dabei geht es um mehr als nur um die Vermeidung von Reifenschäden durch Schlaglöcher.“

Die strukturelle Unterfinanzierung betrifft laut HWWI sowohl die Instandsetzung bestehender Verbindungen als auch die Umrüstung für die Zukunft. Ein großes Problem: die unzureichende Vernetzung der verschiedenen Verkehrsarten. So soll die Anbindung der großen deutschen Häfen ans Hinterland mittlerweile „unzureichend“ sein. Zwischen 2008 und 2013 sei die Hafeninfrastruktur in Deutschland im globalen Vergleich deutlich zurückgefallen. Dringend saniert werden müssten auch viele Eisenbahnbrücken im Land.

Neben dem Modernisierungsbedarf des Schienengüterverkehrs steht die Branche vor weiteren großen Herausforderungen, wie die Marktexpertise Infrastructure & Rail der HSH Nordbank feststellt. Weitere einschränkende Faktoren sind danach der harte Preiskampf mit den Unternehmen des Straßengüterverkehrs, steigende Energiekosten, ein unzureichendes Infrastrukturangebot sowie technische und organisatorische Hemmnisse beim grenzüberschreitenden Verkehr. Die Studie zeigt, welche aktuellen und künftigen Entwicklungen dem Schienengüterverkehr bevorstehen.

Mit Elektromobilität punkten

Die wohl größte Herausforderung für eine zukunftsfähige Infrastruktur sei aber die Adaption der Elektromobilität. Hier fehle Deutschland bislang eine entschiedene Antwort auf drängende Fragen. So verfolge die Bundesregierung im Rahmen ihres Entwicklungsplans Elektromobilität zwar das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen, wozu unter anderem 150.000 Ladesäulen errichtet werden sollen. „Von einer möglichen Zielerreichung ist man zurzeit aber noch weit entfernt“, so Wolf. Eine sachgerechte Planung werde durch die Vielzahl an Interessenträgern – Länder, Kommunen, Bürgerinitiativen – erschwert. „Um das Maß an politischem Widerstand zu minimieren, werden räumliche Ausgeglichenheit und Prestigeerhalt oft zu wichtigeren Kriterien für die Mittelverwendung als der tatsächliche Bedarf“, erklärt Wolf. Er empfiehlt, die Verkehrsplanung von den Mechanismen regionaler Interessen und der allgemeinen Haushaltslogik zu lösen. „Zur Verbesserung der Finanzierungsgrundlage könnte eine stärkere Einbindung privater Finanzierungsträger im Rahmen von Public-Private-Partnerships sinnvoll sein“, so Wolf.