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09.10.2014

Weltweit wird der Lagerraum für Agrarrohstoffe knapp. Grund sind die hohen Ernteerträge – speziell bei Mais und Sojabohnen. Die Folgen an den Rohstoffmärkten haben selbst Profis überrascht.

Das US-amerikanische Agrarministerium rechnet mit einer Rekordernte unter anderem bei Sojabohnen. (Foto: picture alliance / dpa)

Im September sank der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Vormonat um 4,2 % auf US-Dollar-Basis und in Euro um 1,1 %. Getrieben wurde der Rückgang vor allem durch sinkende Rohölpreise. So gab der Index für Energierohstoffe um 4,2 % (in Euro: -1,2 %) nach. Der Index für Nahrungs- und Genussmittel setzte seinen Abwärtstrend weiter fort und ging um 6,2 % (in Euro: -3,2 %) zurück, wobei sich besonders die Ölsaaten sowie Öle mit 11,2 % (in Euro: -8,4 %) und Getreide um 5 % (in Euro: -2 %) verbilligten. Der Index für Industrierohstoffe sank mit dem Trend allgemein niedrigerer Rohstoffpreise um 3,2 % (in Euro: -0,1 %). Zu diesem Rückgang trugen vor allem ein niedrigerer Eisenerzpreis, der um 11,2 % (in Euro: -8,3 %) sank, und niedrigere Preise für NE-Metalle bei. Der Index für NE-Metalle gab dabei um 2,1 % (in Euro: +1 %) nach.

Den Ölpreis drückte vor allem die gute weltweite Ölversorgung gegen Ende des Monats nach unten. So gelang es Libyen, seine Ölproduktion weiter zu steigern, während im Irak die Ölförderung, die zum überwiegenden Teil im südlichen Teil des Landes lokalisiert ist, von den Kämpfen mit der Terrormiliz IS weitestgehend unberührt blieb. Zugleich werden in den USA zurzeit so große Mengen an Rohöl gefördert, dass in dem Land, das weltweit am meisten Rohöl konsumiert, über Rohölexporte diskutiert wird. Dabei ist die US-amerikanische Mineralölwirtschaft zwiegespalten: Während sich die Rohölförderer neue Einnahmequellen versprechen, sorgen sich die Raffineriebetreiber um eine ausreichende Ölversorgung und das vor allem vor dem Hintergrund bereits getätigter Investitionen zur Verarbeitung des leichten Rohöls aus heimischer Pro-uktion. Zuvor waren die Anlagen stärker auf importiertes schweres Rohöl ausgelegt.

Neben der weltweit guten Rohölversorgung trug auch das schwächere Wachstum der Weltwirtschaft zu den Preisnachlässen beim Rohöl bei. So sah sich auch die Internationale Energieagentur dazu veranlasst, ihre Prognose für den globalen Rohölkonsum des Jahres 2014 nach unten zu korrigieren. Ende September fiel der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent auf weniger als 95 US-Dollar und lag damit unter der psychologischen Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, während sich das WTI-Öl auf rund 91 US-Dollar verbilligte. „In den nächsten Wochen könnten die Preisrückgänge beim Rohöl durch das Handeln der erdölexportierenden Länder begrenzt werden“, sagt Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI. „Im November findet die nächste OPEC-Sitzung statt, bei der über die neuen Förderquoten abgestimmt wird. Auf einen aus Sicht der OPEC-Länder zu starken Preisrückgang beim Öl könnten sie mit einer Einengung der Produktion reagieren. Zudem gilt es auch zu bedenken, dass im laufenden und für das kommende Jahr weiterhin mit einer gestiegenen weltweiten Rohölnachfrage gerechnet wird, was die Ölpreise unterstützen dürfte.“

Die Metalle verbilligten sich im letzten Monat ebenfalls. So sank der Index für NE-Metalle um 2,1 % (in Euro: +1 %), während der Index für Eisenerz und Stahlschrott um 7 % (in Euro: -4 %) nachgab. Aufgrund der schlechteren weltweiten Konjunkturaussichten verbilligten sich in US-Dollar bewertet alle im Rohstoffpreisindex enthaltenen Metalle. Besonders gaben Zinn mit 5,3 % (in Euro: -2,2 %) und Blei mit 5,2 % (in Euro: -2,1 %) nach. Beim Zinn wurden die Preisrückgänge dadurch ausgelöst, dass das Angebot trotz der indonesischen Exportrestriktionen höher als zunächst erwartet ausfiel, während die Nachfrage aus der Elektronikindustrie schwach blieb. Blei, das zu einem großen Anteil für die Herstellung von Autobatterien verwendet wird, und Eisenerz litten unter der gestiegenen Befürchtung, dass das chinesische Wirtschaftswachstum zunehmend an Schwung verlieren könnte. Eisenerz notiert als Folge so niedrig wie seit mehreren Jahren nicht mehr und Ende September lag der Eisenerzpreis um gut 41 % (in Euro: 37 %) unter seinem Stand von vor einem Jahr. Neben der abgeschwächten chinesischen Nachfrage drückte auch ein stark ausgedehntes Eisenerzangebot aus Australien und Brasilien den Eisenerzpreis nach unten.

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel sank im Vergleich zum Monat August um 6,2 % (in Euro: -3,2 %). In diesem Teilindex gaben die Preise der einzelnen Rohstoffe unterschiedlich stark nach. Während Sojabohnen kräftig um 11,7 % (in Euro: -8,8 %) niedriger notierten, verbilligte sich Weizen um 5,5 % (in Euro: -2,5 %) und Mais um 5,4 % (in Euro: -2,4 %). Ausschlaggebend für die Preisrückgänge bei den Nahrungsmittelrohstoffen waren die weltweit sehr guten Ernten. So rechnet das US-amerikanische Agrarministerium in seinem Report im September mit einer globalen Weizenrekordernte von beinah 720 Millionen Tonnen und bei Mais mit einer Ernte von fast 990 Millionen Tonnen in der Saison 2014/15. Gegenüber der Erntesaison 2012/13 würde dies einem Anstieg von 9,4 % beziehungsweise 13,7 % entsprechen. Auch bei den Sojabohnen geht das Ministerium von außerordentlich guten Ernten in den größten Anbauländern Argentinien, Brasilien und den USA aus und prognostiziert eine Rekordernte von weltweit 311,1 Millionen Tonnen.

In früheren Jahren wurden die Agrarmärkte durchaus mit Besorgnis betrachtet, wenn ungünstige Wetterbedingungen zu großen Ernteausfällen geführt haben. Zu diesen Jahren gehörten 2010, als in Russland eine extreme Hitzewelle die Weizenernte zerstörte, und 2012, als besonders der Mittlere Westen der USA, der sogenannte US-amerikanische Korngürtel, von extrem trockenen Wetterbedingungen betroffen war. Die Folge waren jeweils kräftig ansteigende Getreidepreise und 2012 legten die Sojabohnenpreise ebenfalls stark zu. In den letzten Monaten haben wir auf den Agrarmärkten erneut eine Extremsituation, jedoch genau in die entgegengesetzte Richtung:  Die Ernten fallen weltweit so gut aus, dass es den Bauern teilweise an genügend Lagerräumen für die Erntemengen fehlt. Das US-amerikanische Agrarministerium (USDA) rechnet mit einer Rekordernte bei Mais aber auch bei Sojabohnen in den USA. Das gleiche gilt auch für die Weizen- und Maisernte in Europa. Selbst die Krise zwischen Russland und der Ukraine – beides wichtige Weizenexporteure weltweit – hat die Aussichten für den internationalen Getreidemarkt nicht getrübt.

Obwohl es die Einfuhr von Nahrungsmitteln beschränkt hat, exportiert Russland weiterhin große Mengen an Weizen und die Ukraine bietet ebenfalls in großer Quantität Mais und Weizen an. In Südamerika war das Wetter sehr vorteilhaft für das Gedeihen der Sojabohnen. So konnte Brasilien und Argentinien – die weltweit größten Produzenten von Sojabohnen hinter den USA – in diesem Jahr sehr gute Ernten einbringen. Das gute Getreide- und Sojabohnenangebot führte dazu, dass die Preise auf diesen Märkten zum Teil sehr kräftig nachgaben. So ist der Maispreis in US-Dollar seit Anfang Mai bis Ende September 2014 um 38 % gesunken, der Weizenpreis um 34 % und der Sojabohnenpreis um 37 %. Je mehr sich bei den Marktteilnehmern herauskristallisierte, dass die Ernten gut ausfallen würden, was die USDA durch angehobene Ernteprognosen untermauerte, desto stärker waren die Preisrückgänge. Gegenüber dem Stand aus dem Jahr 2012 notierten die Preise für Mais am letzten Handelstag im September sogar um 58 %, für Weizen um 40 % und für Sojabohnen um 43 % niedriger.