SUCHE

HWWI-Rohstoffpreisindex
08.08.2014

Der Ölpreis sinkt – trotz der geopolitischen Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten. Die Drohung Russlands, auf die Sanktionen der Europäischen Union mit erhöhten Energiepreisen zu reagieren, sollte nach Einschätzung der Marktteilnehmer nicht wahr werden.

Russlands Drohung, die Energiepreise zu erhöhen, hat bislang keinen Einfluss auf den Ölpreis. Der autofreie Sonntag sollte in Deutschland also ein historisches Ereignis bleiben. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Juli ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Monatsdurchschnitt Juni auf US-Dollar-Basis um 2,6 % und in Euro um 2,3 % gesunken. Vor allem der niedrigere Nahrungs- und Genussmittelindex trug zu den Rückgängen beim Gesamtindex bei. Er sank um 8,1 % (in Euro: -7,7%). Dabei gaben im letzten Monat vor allem die Preise für Getreide um 10,1 % (in Euro: -9,8 %) und für Ölsaaten um 13,6 % (in Euro: -13,2 %) nach. Während erstere nun um 20,3 % (in Euro: -23,1 %) niedriger notieren als vor einem Jahr, liegen letztere um 11,5 % (in Euro: -14,5 %) unter ihrem Vorjahresstand. Die Energierohstoffe sanken im Juli um 3 % (in Euro: -2,6 %), wohingegen sich die Metalle verteuerten. So stieg der Index für NE-Metalle um 5 % (in Euro: +5,4 %).

Trotz der Spannungen im Irak, dem zweitgrößten Ölproduzenten innerhalb der OPEC, ist der Öl-preis im letzten Monat gesunken. Im Irak herrscht zurzeit ein Bürgerkrieg, der das Land, so die Befürchtungen der Markteilnehmer, zunehmend destabilisieren und die Ölförderung negativ beeinflussen könnte. Denn im Laufe des Julis haben sich Anleger vom Ölmarkt zurückgezogen, die beim Ausbruch des Bürgerkrieges im Irak noch auf eine schnelle Eskalation der Lage und extrem steigende Preise beim Öl gesetzt hatten. Durch das Glattstellen solcher spekulativer Positionen entfernte sich der Brentpreis wieder von seinem Hochstand Mitte Juni von mehr als 115 US-Dollar pro Barrel. Zudem war die Ölproduktion von den Kämpfen bisher nicht betroffen, da der überwiegende Teil der Ölfelder im Süden des Iraks und in dem kurdischen Autonomiegebiet im Norden liegt.  

In Libyen hatte sich die Ölproduktion auf 500.000 Barrel pro Tag (Mitte Juli) erholt, als Rebellen lybische Ölverladehäfen wieder freigaben. Dabei wirkte sich preisdämpfend auf Öl aus, dass Libyen über den kompletten Juli hinweg mehr Öl förderte als noch im Monat zuvor. Gegen Ende Juli intensivierten sich jedoch die Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen, was zunehmend die Ölproduktion und den -export im Land gefährdete. Mehrfach wurden große Treibstofftanks in Tripolis in Brand geschossen. Für ausländische Energiekonzerne ist die Sicherheitslage in Libyen zurzeit zu schlecht, um Arbeiter in das Land zu schicken. Vor der Revolution in Libyen 2011 hatte das Land noch 1,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert. „Sollte die libysche Ölförderung wieder stark zurückgehen, dürfte dies preissteigernd auf den Ölpreis wirken“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI.

Die Drohungen aus Russland, auf die europäischen Sanktionen mit gestiegenen Energiepreisen zu reagieren, lösten keinen Preisanstieg beim Öl aus. Die Akteure auf dem Ölmarkt nahmen die verbale Reaktion Russlands nur als leere Drohung wahr, da Russland von den Einnahmen aus den Energieverkäufen abhängig ist und es sich nicht leisten kann, seine europäischen Kunden zu verprellen. Zusammenfassend gaben die Ölpreise im Juli also vor allem deswegen nach, weil sich Spekulanten vom Ölmarkt zurückzogen, die auf eine schnelle Eskalation im irakischen Bürgerkrieg gesetzt hatten und Libyen –  über den gesamten Monat Juli –  gesehen mehr Öl förderte. So sank der Preis für die europäische Ölsorte Brent um 4,4 % auf knapp 112 US-Dollar pro Barrel und WTI um 2,6 % auf knapp 106 US-Dollar. Gegen Ende des Monats durchbrach der Preis für das US-amerikanische WTI-Öl wieder die 100 US-Dollarmarke nach unten. Dass WTI-Öl weniger als 100 US-Dollar pro Barrel kostete, war zuletzt Anfang Mai der Fall. Auf den WTI-Preis drückt zusätzlich vor allem die gute Ölversorgung in den USA, die auf die gestiegene Schieferölproduktion im Land zurückzuführen ist.

Der Index für NE-Metalle stieg im Juli um 5 % (in Euro: +5,4 %). Am stärksten verteuerte sich Zink mit 8,4 % (in Euro: +9,1), gefolgt von Aluminium mit 6,2 % (in Euro: +6,6 %) und Kupfer mit 4,3 % (in Euro: +4,7 %). Alle Metalle profitierten von guten US-amerikanischen und chinesischen Wachstumszahlen. Zusätzlich wirkten beim Zink die Nachrichten über einen möglichen Angebotsengpasspreissteigernd. Dieser drohe, da sich in den nächsten Jahren die Zinkförderung in wichtigen Minen weitestgehend erschöpft – darunter auch die Century Mine in Australien mit einer Produktion 2014 von etwa 480.000 Tonnen Zinkkonzentrat. Der weltweite Zinkkonsum liegt zurzeit bei etwa 13 Millionen Tonnen. Auch die gesunkenen Zinklagerbestände trugen dazu bei, dass der Zinkpreis auf ein Dreijahreshoch anstieg. Es ist davon auszugehen, dass es China gelingen wird, die erwarteten Produktionsrückgänge beim Zink mithilfe eigener Minen auszugleichen.

Auch der Preis für Aluminium stieg in einem Umfeld von wachsender Nachfrage und sinkender Lagerbeständen an. Auf dem Aluminiummarkt zeigen nun Minenschließungen Wirkung, zu denen sich große Minenkonzerne in der jüngsten Vergangenheit aufgrund zu geringer Margen entschlossen hatten. Zudem fragen internationale Automobilkonzerne mehr Aluminium anstatt Stahl nach, um das Gewicht ihrer Fahrzeuge zu reduzieren. Der Kupferpreis, aber auch der Eisenerzpreis, der um 3,5 % (in Euro: +3,9 %) anstieg, dürften im letzten Monat vor allem von den positiven chinesischen Wirtschaftszahlen profitiert haben. Mit einem Marktanteil von etwa 40 % beim weltweit nachgefragten Kupfer und nahezu Zweidritteln am global übers Meer verschifften Eisenerz ist China der weltweit größte Konsument beider Metalle.

Der Index für Getreide ist im letzten Monat um 10,1 % (in Euro: -9,8 %) und der für Ölsaaten um 13,6 % (in Euro: - 13,2 %) gesunken. Vor allem Mais verbilligte sich um 14,8 % (in Euro: -14,5 %), Sojabohnen um 14,5 % (in Euro: -14,2 %) und Weizen um 10 % (in Euro:-9,7 %). Der Grund für die Preisrückgänge ist in den überaus guten Ernteaussichten in den USA zu finden. Beim Mais rechnet das US-amerikanische Agrarministerium mit dem zweithöchsten Ertrag aller Zeiten, da sich die Pflanzen in einem sehr guten Zustand befänden. Mitte Juli unterstützten Regenfälle im sogenannten Korngürtel der USA das Gedeihen der Pflanzen. Die Aussicht auf die gute Versor-gung des internationalen Maismarktes führte dazu, dass der Maispreis Ende Juli auf 3,57 US-Dollar pro Scheffel fiel und damit so niedrig liegt wie zuletzt vor vier Jahren. Im Jahr 2012 notierten die Maispreise in der Spitze bei über 8 US-Dollar pro Scheffel, als eine extreme Trockenheit in den USA große Teile der Ernte zerstörte.

Quelle: HWWI

Aufgrund der starken Preisrückgänge im Juli sind Sojabohnen nun so billig wie etwa vor zweiein-halb Jahren und Weizen wie seit Ende Januar dieses Jahres nicht mehr. Das US-amerikanische Agrarministerium gab bekannt, dass rund drei Viertel der Sojabohnenpflanzen sich in einem guten oder sogar exzellenten Zustand befinden. Zudem fügte es hinzu, dass es seine Prognose für die Weizenernte in der Saison 2014/2015 nach oben korrigiert.  Die guten Ernteaussichten beim Weizen dürften, so die Prognose, die Weizenlagerbestände in den USA auf rund 18 Millionen Tonnen ansteigen lassen – im Vergleich dazu waren es in der Vorsaison 2013/2014 16 Millionen Tonnen. Die Entwicklungen auf dem US-Agrarmarkt spielen eine wichtige Rolle für den internationalen Markt, da die USA der weltweit größte Exporteur von Mais, Sojabohnen und Weizen sind.

Anfang Juli erreichte der Kupferpreis ein Viereinhalbmonatshoch mit über 7170 US-Dollar pro Tonne und lag am letzten Handelstag des Monats bei 7135 US-Dollar. Der Kupferpreis reagiert sehr stark auf die Entwicklung der Weltwirtschaft. Denn das Metall wird für die Herstellung von Kabeln und Rohren verwendet, die Eingang im Produktionsprozess elektronischer Geräte und Autos genauso wie im Bausektor finden. Der im Vergleich zum Juni angestiegene Kupferpreis ist zum großen Teil auf erfreuliche Wirtschaftszahlen aus China zurückzuführen. In China, dem größten Kupferkonsumenten weltweit, hat die Industrieproduktion zugenommen. Im ersten Quartal war die Kupfernachfrage aus China schwach verlaufen, hat aber seitdem wieder an Fahrt gewonnen, was sich dann auch in den Preisen widerspiegelte. Zu den Preisanstiegen beim Kupfer in den letzten Monaten hat auch beigetragen, dass im Zuge der sehr stark gesunkenen Preise – im März lag der Preis zeitweilig unter 6440 US-Dollar pro Tonne – einige chinesische Kupferschmelzhütten ihre Produktion zurückgefahren hatten und somit ihr Angebot reduzierten. Zugleich hat Indonesien seine Exportsteuern auf Kupferkonzentrat erhöht, um die Wertschöpfung bei der Herstellung des raffinierten Kupfers ins eigene Land zu holen. Zwar fördert Indonesien weltweit nicht am meisten Kupfer aus seinen Minen – da ist Chile mit Abstand das führende Land  – aber  das indonesische Kupferkonzentrat ist sehr hochwertig und wird besonders gerne in China nachgefragt.

Lang anhaltende niedrige Aluminiumpreise – im Februar dieses Jahres erreichten sie einen Tief-stand von unter 1650 US-Dollar pro Tonne – haben eine Vielzahl von Produzenten dazu veran-lasst, ihre Schmelzhütten zu schließen. Zunehmende Aluminiummengen aus dem Mittleren Osten hatten den Preisrückgang verstärkt. In Folge dessen  wurden in Australien, Europa und Nordamerika Hütten geschlossen. Diese Produktionseinschnitte  trugen dazu bei, dass der Preis zum Monatsende Juli bei über 2000 US-Dollar je Tonne lag. Das entspricht einem Anstieg von rund 23 Prozent. Die geringere Produktion aber auch die gleichzeitig weltweit gestiegene Aluminiumnachfrage wirkte preissteigernd beim Aluminium. Das Leichtmetall wird vor allem im Flugzeugbau, in der Automobilindustrie und auch bei der Herstellung von Getränkedosen verwendet. Im  Automobilsektor steigt die Nachfrage nach leichten Fahrzeugen und es erscheint zunehmend attraktiv – vor allem bei der Kabelherstellung – aufgrund des relativ günstigeren Preises, Kupfer durch Aluminium zu ersetzen. Einige Marktteilnehmer gehen davon aus, dass vor dem Hintergrund der guten Nachfrageaussichten und bei aktuellem Preisniveau keine Schmelzhütten zur Produktion von Aluminium mehr geschlossen werden. Bei starken Preiserhöhungen wäre sogar damit zu rechnen, dass stillgelegte Produktionsanlagen wieder eröffnet werden.

Quelle: HWWI