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Female Entrepreneurs
08.08.2014

Frauen und Männer sind als Selbstständige nicht gleich erfolgreich. Das liegt allerdings nicht primär an geschlechtsspezifischen Faktoren. Welche Gründe hinter dem Erfolg von Unternehmerinnen und Unternehmern stecken, haben Wissenschaftlerinnen des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) herausgefunden.

(Foto: Dr. Elisabeth Bublitz)

Die Gründe für den ungleichen Erfolg der von Frauen oder von Männern geführten Unternehmen sind in der Industriezugehörigkeit, der Firmengröße und der regionalen Standortwahl zu finden. Das erklären die Wissenschaftler des HWWI, Dr. Christina Boll, Dr. Elisabeth Bublitz, David Heller und Dörte Nitt-Drießelmann. Für die Studie „Female Entrepreneurship“ haben sie Daten von Unternehmerinnen in ganz Deutschland gesammelt und erklären damit die unterschiedlichen Motive und Barrieren von Unternehmerinnen.

Frau Dr. Bublitz, warum sind Unternehmerinnen gemeinhin weniger erfolgreich als Unternehmer?
Dr. Elisabeth Bublitz: Nur auf den ersten Blick schneiden Unternehmerinnen bei den Kriterien zu Unternehmenserfolg schlechter ab als Unternehmer. Ein genauerer Blick auf die Daten verrät, dass die Unterschiede zwischen Frauen und Männer größtenteils durch die Gründung in unterschiedlichen Industrien oder Regionen erklärt werden. Noch verbleibende Unterschiede im Unternehmenserfolg resultieren aus psychologischen und wahrnehmungsgeprägten Faktoren. Wenn Unternehmerinnen verstärkt in Industrien gründen, in der die durchschnittliche Firma eher klein ist, werden sie im Gegensatz zu Unternehmern, die in Industrien mit eher größeren Betrieben tätig sind, bei dem Kriterium Mitarbeiterwachstum schlechter abschneiden.

Welche unternehmerischen Talente haben Frauen, über die Männer nicht verfügen?
Bublitz: Die Forschung zeigt, dass sich Frauen und Männer gut ergänzen. Ein Beispiel: Im Durchschnitt sind Männer risikobereiter als Frauen. Das zeigt sich im Unternehmensalltag daran, dass Männer früher als Frauen Beschäftigte einstellen. In Krisenzeiten entlassen allerdings Frauen weniger Beschäftigte als Männer. Das legt nahe, dass gemeinsame Entscheidungen einen guten Mittelweg bieten können.

Können Frauen Berufs- und Privatleben besser trennen als Männer?

Bublitz: Wenn die Motivation zur Firmengründung eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, streben Frauen keine Trennung von Berufs- und Privatleben an. Die Motivation zur Unternehmensgründung ist bei Frauen jedoch eher von der privaten Lebenslage beeinflusst als bei Männern. Dabei wäre ein Ziel, eine Beschäftigungsalternative zu finden, die es gestattet, Kindererziehung beziehungsweise Angehörigenpflege und Berufskarriere unter einen Hut zu bringen. Ob Frauen eine bessere Trennung vollziehen als Männer hängt am Ende nicht vom Geschlecht ab, sondern davon, vor welchen privaten und beruflichen Herausforderungen Personen stehen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit eine Frau ein Unternehmen gründet?
Bublitz: Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind erfolgreiche Gründungen gewünscht, die zum Beispiel Arbeitsplätze schaffen. Somit sollte man Personen ermutigen, die mit innovativen Ideen ein entsprechendes Potenzial aufweisen. Es wäre hilfreich, wenn diese zukünftigen Unternehmerinnen neben familiärer Unterstützung auch durch angebotene Kinderbetreuung die Möglichkeit bekommen, genügend Zeit in die Gründung zu investieren. Weiterhin hat sich gezeigt, dass Entrepreneurship Politik (zum Beispiel  Förderangebote) teilweise Branchen vernachlässigt, in denen vorrangig Frauen aktiv sind, so dass es hier Nachbesserungsbedarf gibt. Es muss ein Zugang zu finanziellem Startkapital ermöglicht werden.
   
Brauchen wir eine festgelegte Quote in Deutschland, damit künftig mehr Frauen in Führungspositionen kommen?
Bublitz: Es ist absolut wünschenswert, die Anzahl der Unternehmerinnen in Deutschland zu erhöhen. Frauen können zum Beispiel Marktlücken bedienen, die von Männern nicht erkannt würden. Ob es jedoch eine optimale Gründungsrate gibt und ob diese mit Hilfe von Quoten erreicht werden könnte, wurde noch nicht abschließend erforscht.