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Nobelpreisträgertreffen
27.08.2014

Was Nobelpreisträger über wirtschaftliche Ungleichheit, Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, Inflationsursachen und den Handel mit Organen zu sagen haben, berichtet Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Das 64. Nobelpreisträger-Treffen in Lindau am Bodensee ist für rund 600 Nachwuchswissenschaftler aus 80 Ländern die Chance mit den geladenen 37 Laureaten ins Gespräch zu kommen. (Foto: picture alliance / dpa)

Alle drei Jahre findet in Lindau am Bodensee das Nobelpreisträgertreffen der Wirtschaftswissenschaften statt. Wo bitte? Richtig, in Lindau. Und wer ist eingeladen? Sie würden möglicherweise auf Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tippen. Nein, es sind fast ausschließlich junge Nachwuchswissenschaftler aus aller Herren Länder. Genauer: aus 80 Ländern. Historisch gehen diese Treffen auf das Jahr 1950 zurück, wo zwei Physiker aus Lindau die Idee hatten, Deutschland als Wissenschaftsstandort wieder attraktiv zu machen und zu diesem Zweck eine Konferenz unter Beteiligung von Nobelpreisträgern zu organisieren.


Beim diesjährigen Treffen stellten 17 Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften ihre Arbeiten vor und diskutierten über spannende Themen wie Ungleichheit, Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, Inflationsursachen und – nicht erschrecken – den Handel mit Organen.

Alvin Roth: Der Handel mit Nieren: ein vollkommenes Tabu? (Foto: picture alliance / dpa)

Letzteres war das Thema von Alvin Roth (Nobelpreis im Jahr 2012). Er begann seinen Vortrag mit einem harmlosen Witz: kommt ein Ehepaar auf eine Feier, der Mann drückt dem Gastgeber 20 Euro in die Hand und sagt: „Der Weinhändler hatte leider schon geschlossen, aber das ist ungefähr den Betrag, den wir ausgegeben hätten.“ Was hat das mit Organhandel zu tun? Nun, es geht auch hier um eine Transaktion, die gesellschaftlich abgelehnt wird. Konkret beschäftigt sich Roth mit der Frage, wie man den Handel mit Nieren so gestalten kann, dass er gesellschaftlich akzeptiert wird. Ausgangspunkt ist seine Feststellung, dass beispielsweise in den USA rund 100.000 Menschen auf eine Niere warten, es aber auf der anderen Seite in jedem Land (Ausnahme: Iran) verboten ist, mit Nieren Geschäfte zu machen. Allerdings dürfen Menschen in den USA eine ihrer Nieren verschenken. Das Problem dabei ist, dass derjenige, der beispielsweise seinem nierenkrankem Freund mit einer seiner Nieren helfen möchte, sehr wahrscheinlich als Spender nicht geeignet ist, weil seine Blutgruppe eine andere ist. Roth zeigt einen Ausweg aus diesem Dilemma: Schließen sich potentielle Geber und Nehmer in einem Netzwerk zusammen, können Tauschringe konstruiert werden, die die indirekte Spende an den Freund ermöglichen.

Edmund Phelps: Unternehmen spielen beim Innovationsprozess eine größere Rolle als die Wissenschaft (Foto: picture alliance)

In eine gänzlich andere Richtung ging der Vortrag von Edmund Phelps (Nobelpreis im Jahr 2006). Eine seiner Behauptungen ist, dass die traditionellen Wachstumsmodelle Innovation mehr oder weniger vom Himmel fallen lassen. Die Modelle lieferten keine Erklärung für den technologischen Fortschritt, sondern er sei einfach da. Nach Ansicht von Phelps sind aber die Unternehmer der entscheidende Treiber für den technischen Fortschritt. Zwar spiele die Wissenschaft auch eine Rolle, aber die wird, so Phelps, vollkommen überbewertet. Ideen aus der Wissenschaft und Forschungseinrichtungen könne man zwar nicht ignorieren, aber die Dynamik im Innovationsprozess sei business-getrieben. Phelps nennt Henry Ford als Beispiel. Der habe ja nicht das Auto erfunden, aber durch das Fließband die globale Verbreitung dieses Fortbewegungsmittels ermöglicht.

Christopher Sims: Zentralbank kann die Inflation kaum noch beeinflussen (Foto: picture alliance / dpa)

Christopher Sims (Nobelpreis im Jahr 2011) widmete sich eher der monetären Sphäre und insbesondere der Frage, wie Inflation erklärt werden kann. Gerade in den heutigen Zeiten, wo viele Beobachter das japanische Gespenst der Deflation bzw. der sinkenden Preise an die Wand malen, trifft die Fragestellung den Nerv der Zeit. Überraschenderweise hält Sims nicht viel von der alten monetaristischen Idee, dass das Drucken von Geld Inflation erzeugt. Seiner Meinung nach spielt die Verschuldungspolitik des Staates eine viel wichtigere Rolle. Und hier kommt er zu dem Ergebnis, dass steigende Zinsen zu Inflation führen können, womit er dem geläufigen geldpolitischen Konsens widerspricht. Seine Schlussfolgerung war unter anderem, dass Geldpolitik alleine nicht viel gegen Deflation ausrichten kann, sondern verstärkt mit der Fiskalpolitik koordiniert werden muss.

Vernon Smith: Assetpreisblasen können auch ohne fremdes Zutun entstehen (Foto: picture-alliance / dpa)

Während Sims der Gefahr von Vermögenspreisblasen (die nach Ansicht des Autors durchaus geldpolitisch ausgelöst werden können) keine Beachtung schenkte, forscht Vernon Smith (Nobelpreis im Jahr 2002) genau über dieses Thema. Interessant war beispielsweise das folgende Experiment: Einer großen Gruppe von Studenten wird mitgeteilt, dass sie eine Aktie kaufen können, die 15 Jahre lang eine feste und bekannte Dividende auszahlen wird. Nach den 15 Jahren wird keine Dividende mehr bezahlt. In dieser Welt ohne Unsicherheit, in der man die Aktie eindeutig bewerten könnte, sollten die Studenten die Aktien 15 "Perioden" untereinander handeln. In dieser Zeit stieg der Preis der Aktie zunächst, um dann gegen Ende des Zeitraums wieder abzufallen. D.h., es entstand eine Blase, ohne weiteres Zutun, einfach aus sich heraus. In ähnlicher Weise hat sich nach Ansicht von Smith in den USA möglicherweise auch die bis zum Jahr 2006 aufgebaute Immobilienpreisblase gebildet, wenngleich hierbei die Clinton-Administration mit Steuervorteilen noch nachgeholfen habe. In diesem Zusammenhang präsentierte Smith noch einen weiteren Aspekt: Seiner Ansicht mach lassen sich 11 der vergangenen 14 Rezessionen in den USA mit dem Abschwung am Markt für Wohnimmobilien in einen Zusammenhang bringen. Anfang der 1950er und Ende der 1960er Jahre seien hierbei Ausnahmen gewesen, was mit dem Korea- und am Vietnam-Krieg zu erklären wäre. Diese empirische Erkenntnis könnte helfen, künftige Wendepunkte im Konjunkturverlauf frühzeitig zu entdecken.

Joseph Stiglitz: Die Politik hat die Ungleichheit zu verantworten, nicht der Kapitalismus (Foto: picture alliance / dpa)

Mit Spannung erwarteten viele den Beitrag von Joseph Stiglitz (Nobelpreisträger im Jahr 2001), der die Kritik des Bestsellerwissenschaftlers Thomas Piketty aufgriff und sich dem Thema Ungleichheit widmete. Während Stiglitz der empirischen Beobachtung Pikettys zustimmt, dass die Einkommens- und Vermögensungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen hat, interpretiert er die Ergebnisse anders: Es sei keineswegs der Kapitalismus, der in geradezu fatalistischer Weise auf mehr Ungleichheit zusteuere. Vielmehr habe die Politik es erlaubt und teilweise gefördert, dass Vermögende die Märkte manipulierten, um ihre Gewinne zu erhöhen. Als Beispiel für das Politikversagen nennt der Nobelpreisträger die Rettung der Banken durch den Staat, die zur Sozialisierung von Verlusten geführt habe, während zuvor Gewinne in private Hände geflossen seien. Es gehe daher nicht um den „Kapitalismus im 21. Jahrhundert“ (dies ist der Titel von Pikettys Buch), sondern um die „Politik im 21. Jahrhundert“.

Eric Maskin: Ungleichheit bei Löhnen in aufstrebenden Ländern – der Staat muss handeln (Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch Eric Maskin (Nobelpreis im Jahr 2007) forscht auf dem Gebiet der ungleichen Einkommensverteilung. Und führt diese auf den internationalen Handel zurück. Nicht dass er die Globalisierung verdammt. Weit gefehlt: Der internationale Handel habe den Wohlstand in den aufstrebenden Ländern auf der Welt gemehrt, so wie das die Theorie der komparativen Kostenvorteile durchaus vorhersagt. Allerdings habe sich der Charakter der Globalisierung in den vergangenen Jahrzehnten durch die Schaffung von internationalen Wertschöpfungsketten dramatisch geändert. Maskin geht davon aus, dass der Qualifikationsunterschied zwischen bestimmten Arbeitskräften so hoch sein kann, dass eine Zusammenarbeit dieser Gruppen in bestimmten Konstellationen keinen Sinn macht. Es ist daher möglich, dass die Niedrigstqualifizierten in Entwicklungsländern (Maskin nennt sie D-Arbeiter) von den etwas besser Qualifizierten (die bislang mit den D-Arbeiter zusammengearbeitet haben) zurückgelassen werden, um in den entwickelten Ländern zu arbeiten. Die Armutssituation der D-Arbeiter würde sich daher im Fall der Globalisierung noch vertiefen. Hier ergäbe sich Handlungsbedarf für internationale Organisationen und den Staat, der in die Bildung der Geringstqualifizierten investieren müsse, damit diese wieder produktiv arbeiten könnten.

Finn Kydland: Argentinien wäre bei einer zuverlässigen Wirtschaftspolitik heute ein reiches Land (Foto: picture alliance / dpa)

Der Norweger Finn Kydland (Nobelpreis im Jahr 2004) freute sich, dass sein Name von dem Moderator offensichtlich richtig ausgesprochen wurden, nämlich „Finn Tschidland“. Thematisch ging es bei Kydland ebenfalls um die Ungleichverteilung des Einkommens, und zwar zwischen Ländern. Als Einstieg wählte Kydland die sehr divergierenden Entwicklungen der Pro-Kopf-Einkommen weltweit. Der Nobelpreisträger sieht die Erklärung dafür in Unterschieden der Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik, was im Fachjargon als das Problem der Zeitinkonsistenz in der Politik bekannt ist. Als Beispiel führt er dafür die beiden Länder Irland und Argentinien an. Irland habe vor mehr als 20 Jahren eine Unternehmenssteuerreform durchgeführt und versprochen, an den (überaus niedrigen) Steuersätze mindestens bis zum Jahr 2009 festzuhalten. Das Land habe in der Folge seit den 1990er Jahren geboomt und sei jetzt dabei, sich von der schweren Bankenkrise wieder zu erholen. Argentinien dagegen habe eine dramatisch unzuverlässige Wirtschaftspolitik betrieben und sei entsprechend von einer Rezession in die andere gerutscht.  Kydland stellte darüber hinaus eine dramatische Eintrübung in der Produktivitätsentwicklung in Italien, Spanien und Portugal seit Anfang der 1990er Jahre fest und führt auch diese Entwicklung auf eine unberechenbare Steuerpolitik zurück, ohne hier allerdings weitere Details zu liefern.

Robert Aumann: Kollektive handeln wie Individuen, die WM-Freude in Deutschland zeigt’s (Foto: picture-alliance / picturedesk.com/Robert Newald)

Robert Aumann (Nobelpreis im Jahr 2005) prägt man sich unmittelbar ein, weil er wie ein Weihnachtsmann im besten Sinne des Wortes aussieht: Langer weißer Bart, freundliche sehr wache Augen, etwas Schalk im Nacken. Aumann forscht im Bereich der Spieltheorie und teilte mit den jungen Wissenschaftlern seine Überlegungen, inwieweit man Länder, Unternehmen, Religionsgruppen, Familien usw. spieltheoretisch als Individuen auffassen kann. Traditionell wird in der Spieltheorie das Zusammenfassen von einzelnen Menschen in Gruppen als Vereinfachung dargestellt. Aumann aber ist der Meinung, dass Kollektive sich tatsächlich wie Individuen verhalten. "Warum haben die Deutschen über den Sieg bei der Fußballweltmeisterschaft gejubelt, sie haben doch gar nicht persönlich gespielt", war seine rhetorische Frage in diesem Zusammenhang. Aus der Tierwelt liefert Aumann ein fotografisches Beispiel, das einen Schwarm von Fischen zeigt, der durch eine geschickte Formation dem angreifenden Seelöwen suggeriert, dass dieser es mit einem Riesenfisch zu tun habe.
Die Sicht, dass Kollektive sich wie Individuen verhalten, habe moralische Konsequenzen. So könne das Individuum versuchen, sich mit Verweis auf das Verhalten des Kollektivs aus der Verantwortung ziehen. Umgekehrt könne aber auch dem Individuum, dass sich in der Lage sieht, das Kollektiv zu beeinflussen, eine besonders hohe Verantwortung zukommen. Beispielhaft nennt er Hugh Thompson der 1968 in Vietnam ein Massaker gestoppt hat.

Reinhard Selten: der einzige deutsche unter den Nobelpreisträgern (Foto: picture-alliance/ dpa)

Reinhard Selten (Nobelpreis im Jahr 1994) ist der einzige Deutsche, der einen Nobelpreis im Bereich der Wirtschaftswissenschaften erhalten hat. Er beeindruckte insbesondere mit seiner Willenskraft, den jungen Menschen trotz aller Widrigkeiten des Alters (im Oktober wird Selten 84) seine Ideen zur Spieltheorie nahezubringen.

William Sharpe: Er sagt Ihnen, wo Sie Ihr Geld anlegen sollen (Foto: picture alliance / dpa)

Kennen Sie die Sharpe-Ratio? Sie misst kurz gesagt den Preis für das Risiko und ist auf Aktien gut anwendbar. Diese Kennzahl stammt von William Sharpe (Nobelpreis im Jahr 1990). In seiner Vorlesung in Lindau wich er doch deutlich von dem professoralen Stil seiner Kollegen ab und referierte über die besten Anlageinstrumente und der Schwierigkeit, mit der großen Auswahl an Investment-Möglichkeiten umzugehen. Ein junger Wissenschaftler aus Russland, der derzeit in Amerika arbeitet, meinte später zu mir: Das war ja eher eine Anlageberatung als eine Vorlesung. In der Tat hatte man nicht den Eindruck, dass der 80-jährige Sharpe, der das berühmt gewordene CAPM-Bewertungsmodell für Aktien und die Portfoliotheorie maßgeblich mitentwickelt hat, noch echte Forschung betreibt.

Robert Merton: Die Spaghetti-Vernetzung von Staaten, Banken und Versicherungen: ein neues Maß für systemisches Risiko (Foto: picture-alliance / dpa)

Sein Kollege Robert Merton (Nobelpreis im Jahr 1997), der einer breiteren Öffentlichkeit unter anderem durch den Beinahe-Konkurs des von ihm mitgegründeten LTCM-Hedgefonds im Jahr 1998 bekannt wurde, ist weiter in der Forschung tätig. Vorgestellt hat Merton seine Beobachtungen zu der Vernetzung von Banken, Staaten und Versicherungen, also ein Thema, dass im Zusammenhang mit der Finanzmarktkrise höchste Aktualität hat. Das Risiko der Vernetzung wurde in der Krise beispielsweise dadurch deutlich, dass in Ländern wie Irland oder Spanien durch die Bankenkrise der jeweilige Staat in Zahlungsschwierigkeiten geriet, was wiederum die Bankbilanzen belastet hat. Das interessante an seiner Arbeit ist, dass Mertons Modell den Grad der Vernetzung (und damit das daraus resultierende systemische Risiko) allein durch einfach beobachtbare Finanzmarktindikatoren messen kann. Das dürfte sowohl Anleger als auch die Aufsichtsbehörden interessieren. Anschaulich machte Merton seine Ergebnisse, in dem er die Vernetzung von 17 Staaten, 63 Banken und 39 Versicherungen grafisch darstellte, was Ähnlichkeit mit einem bunten Spaghetti-Teller aufwies.

Daniel McFadden: Weg mit der neoklassischen Nutzenfunktion (Foto: picture-alliance / dpa

Daniel McFadden (Nobelpreis im Jahr 2000) widmete sich dem philosophisch anmutenden Thema der Nutzenfunktion. Seiner Meinung nach greift die neoklassische Theorie in Bezug auf die Ableitung der Nutzenfunktion zu kurz. In der ganz simplen Auslegung führt demnach der Mehrkonsum von Gütern zu mehr Nutzen, wobei der Zuwachs abnehmend ist. McFadden schlägt allerdings bei der Messung des Nutzens einen wesentlich umfassenderen Ansatz vor, der u.a. kognitive Psychologie, Soziologie, Anthropologie, Evolutionsbiologie und Neurologie berücksichtigt. Man käme dann zu teilweise ganz anderen Ergebnisse, was man sich leicht vorstellen kann: Liebe, Sünde, Religion und gesellschaftliche Normen, die sich in der einfachen neoklassischen nicht wiederfinden, können die Verhaltensweisen von Menschen in eine gänzlich andere Richtung lenken, als der bloße materielle Vorteil suggeriert.

Peter Diamond: Fed-Chefin Yellen tut gut daran, die Zinsen niedrig zu lassen (Foto: MIT Economics)

Der Arbeitsmarktexperte Peter Diamond (Nobelpreis im Jahr 2010) sorgte für größere Aufmerksamkeit bei einigen Finanzmarktteilnehmern, weil er mit seiner empirischen Analyse die US-Geldpolitik bestärkte, die Zügel weiter locker zu lassen.
Konkret macht er das an dem Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitslosigkeit fest. Normalerweise steigt die Zahl der offenen Stellen, wenn die Zahl der Arbeitslosen zurück geht. Das könne man in dem jetzigen Zyklus in den USA auch beobachten. Jedoch habe sich das Verhältnis von offenen Stellen zur Arbeitslosenrate zum schlechteren gewendet, was viele Beobachter schlussfolgern lässt, dass es strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt gäbe, die man ohnehin nicht mit geldpolitischen Maßnahmen bekämpfen könne. Dieser scheinbar logischen Schlußfolgerung widerspricht Diamand aber: Die Verschlechterung des Verhältnisses von offenen Stellen zu Arbeitslosigkeit sei in jeder Erholungsphase nach einer Rezession zu beobachten gewesen und insofern müsse man wohl doch konjunkturelle Faktoren dafür verantwortlich machen. Zur Bekämpfung dieses Phänomens sei daher die Geldpolitik zuständig.

Mario Vargas Llosa: Literaturnobelpreisträger gibt optimistischen wirtschaftspolitischen Lateinamerika-Überblick (Foto: picture alliance / dpa)

Ein abschließendes Highlight war der Auftritt des Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa aus Peru im Stadttheater von Lindau. Llosa ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein zutiefst politischer Mensch, den die Probleme der Menschen auf seinem Heimatkontinent umtreiben. In so kamen die Zuschauer zwar nicht in den Genuss einer Lesung aus einem seiner zahlreichen Werke, sondern durften einem Ausblick für Lateinamerika lauschen, in dem er die Fortschritte in den entsprechenden Ländern aufzeigte. Llosa ist ein Verfechter einer liberalen Gesellschaft (wobei er richtigerweise darauf hinwies, dass die Deutung des Wortes liberal ein sehr breites Spektrum aufweist und beispielsweise in den USA auch als Schimpfwort gebraucht wird).  Für seine inspirierende Literatur und seinen optimistischen Lateinamerika-Ausblick bedankte sich das Publikum besonders herzlich.

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