SUCHE

07.07.2014

Vertrauensarbeitszeit sorgt für mehr Innovationen bei deutschen Unternehmen. Was in der Theorie bereits bekannt ist, kann das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) nun empirisch bestätigen. Auch die Bundesregierung empfiehlt flexible Arbeitszeiten und gibt dazu konkrete Handlungsempfehlungen.

Szene aus dem Film „Nine to five“ (USA, 1980): Für Fachkräfte von heute ist die Stechuhr ein Auslaufmodell. (Foto: picture alliance)

Mehr Vertrauen gleich mehr Innovation: Was nach einer einfachen Formel klingt, konnten die IfW-Forscher jetzt auch in der Praxis nachweisen. Die Auswertung von Daten aus 5.000 deutschen Firmen zeigt: Unternehmen mit Vertrauensarbeitszeit bringen rund elf bis 14 Prozent mehr Produktverbesserungen auf den Markt als Firmen ohne ein flexibles Arbeitszeitmodell.

Als Grundlage der Studie dienten Befragungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg für den Zeitraum von 2006 bis 2011. Berücksichtigt wurden dabei nur Firmen, die vor 2006 noch keine Vertrauensarbeitszeit eingeführt hatten.

Selbstverantwortung der Mitarbeiter gestärkt

„In Deutschland und in anderen Industrieländern läuft gerade eine lebhafte Debatte über die Abgrenzung von Arbeits- und Freizeit. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen mit flexiblen Vertrauensarbeitszeitmodellen einen Innovationsbonus einfahren“, sagt IfW-Wissenschaftler Holger Görg.

Vertraut der Arbeitgeber seinen Angestellten bei der Gestaltung der Arbeit und gewährt ihnen das nötige Selbstmanagement, so können am Ende beide Seiten davon profitieren. Neben den selbst bestimmten Anfangs- und Endzeiten spielt auch das „Home Office“ als Faktor für die freie Gestaltung des Jobs eine Rolle. Dabei können Arbeitnehmer ihren Arbeitsort in der Regel nach Absprache mit dem Arbeitgeber frei wählen.

Checkliste: Fragen zur erfolgreichen Einführung von Vertrauensarbeitszeit in Ihrem Unternehmen

  • Können die Mitarbeiter viele Aufgaben unabhängig von Arbeitsort und Tageszeit erledigen?
  • Lässt sich die Arbeitszeit individuell oder im Team einteilen?
  • Ist eine Steuerung der Tätigkeiten über Zielvorgaben möglich?
  • Würde eine Umstellung der Arbeitsprozesse einen Qualitätsverlust bedeuten?
  • Unterliegen Beginn und Ende der Arbeitszeit einer Stempelpflicht oder Ähnlichem?
  • Verfügt das Unternehmen über genügend Arbeitsplätze für unterschiedlich große Belegschaften?

Quelle: Basierend auf Informationen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung

Hürden bei Unternehmen abgebaut

Die Autoren der Studie stellen fest: Organisatorische Hürden hemmen die Kreativität der Firma – etwa übermäßiger Zeitdruck oder ausufernde Berichtspflichten. Unternehmen sollten solche Hürden abhauen, um mehr Raum für Innovationen zu schaffen. Flexible Modelle der Vertrauensarbeitszeit helfen dabei. Den Wissenschaftlern zufolge stieg der Anteil von Unternehmen mit Vertrauensarbeitszeit in Deutschland in den vergangenen Jahren stark an auf mittlerweile knapp die Hälfte aller Unternehmen.

Empfehlungen der Bundesregierung

Nicht nur die Wirtschaft, auch die Große Koalition erhofft sich positive Effekte von der Vertrauensarbeitszeit: So betont das Bundeswirtschaftsministerium, auf flexible Arbeitszeitmodelle setzten vor allem erfolgreiche Mittelständler, die sich damit einen Vorsprung bei der Gewinnung von Fachkräften und der Bindung ihres Personals sicherten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat einen Leitfaden veröffentlicht, wie Arbeitszeitmodelle flexibel gestaltet werden können. Der Ratgeber nennt Vor- und Nachteile und spricht Empfehlungen aus, wie solche Modelle umgesetzt werden können.