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20.06.2014

Der Klimawandel könnte speziell für die Hansestadt spürbare Folgen haben. Einer erhöhten Gefahr durch Überflutungen sollten Unternehmer heute schon entgegenwirken, so Dr. Julia Kowalewski, Expertin für Umwelt und Klima beim Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).

Die Nähe Hamburgs zur Elbe und zur Nordsee könnte bei den erwarteten Klimaänderungen zu einem Problem werden. (Foto: picture alliance/chromorange)

Um bis zu drei Grad Celsius könnte die Jahresmitteltemperatur in der Metropolregion Hamburg bis zum Ende des Jahrhunderts steigen, sagt Dr. Julia Kowalewski, Senior Researcher für das Themenfeld Umwelt und Klima, voraus. Im Sommer müsse daher mit mehr Hitzetagen gerechnet werden, so die Expertin. Gleichzeitig sollten sich die Niederschlagsmuster in der Hansestadt deutlich verändern: Für die Wintermonate rechnet die Expertin mit um drei bis 18 Prozent erhöhten Regenmengen – in der Folge würde dann auch die Gefahr von Überflutungen steigen. Wegen ihrer Lage an der Elbe wird Hamburg auch von einem weiter steigenden Meeresspiegel betroffen sein, erklärt Kowalewski. „Dieser kann dazu führen, dass Sturmflutwasserstände in Zukunft schneller erreicht werden und länger andauern, wodurch sich die Überflutungsgefahr in diesen Gebieten erhöht.“

Wirtschaft kann Wetter einkalkulieren

Viele Entscheidungsträgern in mittelständischen Unternehmen sei jedoch noch weitgehend unklar, inwieweit sie vom Klimawandel betroffen würden, so das HWWI. Unsicherheiten bestünden hinsichtlich der Auswirkungen der Klimaänderungen und der Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen. „Unsicherheiten rechtfertigen allerdings kein Nichthandeln“, sagt HWWI-Expertin Kowalewski. Wenn die Unternehmen ihre Strategien zur Anpassung an mögliche Klimaänderungen bei der Planung neuer Projekte von vornherein mitbedächten, könnten sie dadurch im Idealfall sogar Synergieeffekte nutzen.

Immobilienprojekte klimafit machen

Wie sich Unternehmer auf bevorstehende Veränderungen des Klimas vorbereiten kann, veranschaulicht das HWWI an einem Beispiel aus der Immobilienbranche: Beim Neubau von Wohnungen sollte die Bauweise angepasst werden, um die Gesundheit der Bewohner an Hitzetagen zu schützen und um Schäden durch Starkregen zu verringern. Sinnvoll seien dazu eine spezielle Dämmung, wasserdichte Kellerfenster und Gründächer. Dadurch könnten Energie eingespart und Effekte für den künftigen Klimaschutz erzielt werden. Die proaktive Anpassung von Infrastrukturen ist auch für Unternehmen außerhalb der Immobilienbranche ein Wachstumsfeld. Das ist ein Ergebnis des exklusiv für Unternehmer Positionen Nord erstellten Themenchecks „Megatrends 2020plus“. Auf den Seiten 59 bis 63 werden die Herausforderungen und Chancen des Klimawandels für Unternehmen erörtert.

„Der Beitrag, den die Ökonomie bei der Anpassungsplanung leisten kann, liegt vor allem in der Beurteilung von Maßnahmen bezüglich ihrer Kosten und ihres Nutzens, ihrer Finanzierung und möglicher Verteilungswirkungen“, fasst Kowalewski zusammen. Wünschenswert seien sogenannte No-regret-Maßnahmen, deren Nutzen auch dann größer als die Kosten sei, falls die erwarteten Klimaänderungen nicht einträten.