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HWWI-Rohstoffpreisindex
10.06.2014

Der Rohstoffpreisindex des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) steigt weiter verhalten. Das langsamere Wirtschaftswachstum in China lässt viele Rohstoffpreise günstiger werden.

Tagebau zum Abbau von Eisenerz in Australien: Der Preis für den Industrierohstoff ist stark gefallen. (Foto: picture-alliance / dpa)

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Mai im Vergleich zum Monatsdurchschnitt April um 0,6 % auf US-Dollar-Basis und um 1,2 % in Euro bewertet gestiegen. Ausschlaggebend für den leichten Anstieg waren höhere NE-Metallpreise und Energierohstoffpreise, die sich jeweils um 1 % (in Euro: +1,5 % und +1,6 %) verteuerten. Die übrigen Rohstoffpreise gaben überwiegend nach. Am stärksten ging der Index für Eisenerz und Stahlschrott, der um 8,4 % (in Euro: -7,9 %) zurück. Auch der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel trug mit einem Minus von -2,4 % (in Euro: -1,8 %) dazu bei, dass der Gesamtindex ohne Energie nachgab. Er lag im letzten Monat um 1,3 % (in Euro: -0,8 %) niedriger als im April.

Auf die Ölpreise wirkte sich preissteigernd aus, dass China deutlich mehr Rohöl importierte, wobei ein großer Teil der zusätzlichen Nachfrage in strategische Rohöllagerbestände geflossen sein dürfte. Zudem kündigte die Internationale Energieagentur (IEA) an, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2014 zu einer Anspannung auf dem internationalen Ölmarkt kommen könne, wenn die OPEC nicht ihr Ölangebot ausdehnt. Beim Rohöl hat sich besonders die europäische Ölsorte Brent verteuert, deren Preis um 1,8 % (in Euro: + 2,4 %) anstieg. Durch die Nähe zu Libyen ist Europa stärker von den jüngsten Ausfällen der Ölproduktion in diesem nordafrikanischen Land betroffen als zum Beispiel Asien oder die USA. Gleichzeitig trug die Unsicherheit rund um die Krise in der Ukraine, die zu Spannungen zwischen dem Westen und dem wichtigen Ölförderland Russland führte, zu Preissteigerungen beim Öl bei. Die US-amerikanische Ölproduktion stieg auf ein 28-Jahreshoch, was den Anstieg beim Preis für WTI-Öl begrenzte. Er stieg mit 0,4 % (in Euro: +0.9 %) wesentlich geringer an als der Brent-Öl-Preis. Der Preis für Brent-Öl lag im Monatsdurchschnitt Mai bei 109,6 US-Dollar pro Barrel, während der Preis für WTI-Öl bei 102,3 US-Dollar lag.

Quelle: HWWI

Der Index für NE-Metalle stieg im Mai um 1 % (in Euro: +1,5 %) an. Die Metallpreise wurden durch die Ankündigung der chinesischen Regierung gestützt, dass sie Maßnahmen ergreift, falls sich das Wirtschaftswachstum in China zu sehr verlangsamen sollte. Besonders Nickel verteuerte sich im letzten Monat. Der Preis stieg um 12,2 % (in Euro: +12,8 %) und der Kupferpreis stieg um 3,2 % (in Euro: +3,8 %) an. Die Preissteigerungen beim Nickel wurden getrieben durch das indonesische Ausfuhrverbot von Nickelerzen und den Sorgen, dass verschärfte Wirtschaftssanktionen gegen Russland, das global am meisten Nickel raffiniert, die russischen Nickelexporte begrenzen könnte. Innerhalb des Monats Mai unterlag der Nickelpreis starken Preisbewegungen. Während er in der ersten Monatshälfte um 16,4 % (in Euro: 17,8 %) angestiegen war, sank er in der zweiten Monatshälfte um 8,8 % (in Euro: -8,2 %). Die Preiskorrektur scheint hauptsächlich auf Gewinnmitnahmen von spekulativen Anlegern zurückzuführen sein. Gegen den Trend steigender Metallpreise entwickelte sich der Aluminiumpreis, der um -3,4 % (in Euro: -2,8 %) sank. Ein gutes Angebot auf dem Aluminiummarkt drückte auf den Preis. Auch der Eisenerzpreis gab um 12,1 % (in Euro: -11,6 %) nach und sank damit seit Jahresbeginn um 32 % (in Euro: -31,7 %). Auf dem Eisenerzpreis lastet vor allem das verlangsamte Wirtschaftswachstum in China.

Der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel ist im letzten Monat um insgesamt 0,6 % (in Euro blieb der Teilindex unverändert) gestiegen. Während der Preis für Mais um 2,6 % (in Euro: -2,1 %) im Monatsdurchschnitt nachgab, verteuerte sich Weizen um 4,6 % (in Euro: +5,1 %). Dagegen blieb der Preis für Sojabohnen mit einem Rückgang von 0,4 % (in Euro: +0,2 %) nahezu unverändert. In der letzten Handelswoche im April und der ersten Monatshälfte Mai waren die Preise für Weizen aufgrund der Krise in der Ukraine –  ein wichtiger Weizenexporteur auf dem Weltmarkt – angestiegen. In der zweiten Monatshälfte vom Mai setzte dagegen ein Preisverfall bei Weizen um 12,3 % (in Euro: -11,7 %) und bei Mais um 7,4 % (in Euro: -6,7 %) ein, nachdem das US-amerikanische Agrarministerium ihre Prognosen für die Ernten angehoben hatte. In den USA verbesserten Regenfälle die Ertragsaussichten. Der von Jahresanfang bis Ende April um 71,2 % (in Euro: 69 %) gestiegene Kaffeepreis korrigierte  im Mai um 4,1 % (in Euro: -3,6 %) nach unten. Kaffeebauern in Brasilien brachten zusätzliche Mengen auf den Markt, die sie vor einem Jahr aufgrund sehr niedriger Preise zurückgehalten hatten.  

Für die Entwicklung des Eisenerzpreises ist die chinesische Konjunktur von zentraler Bedeutung. In Phasen starken Wachstums benötigt China große Mengen an Stahl für Infrastruktur- und Bauprojekte. Für die Stahlproduktion werden große Mengen an Eisenerz benötigt. Etwa 70 des international auf dem Seeweg gehandelten Eisenerzes geht nach China. Entsprechend schwächt ein verlangsamtes Wachstum in China jedoch die Eisenerznachfrage. Aufgrund des hohen chinesischen Anteils am internationalen Eisenerzmarkt hat dies zur Folge, dass sich Eisenerz stark verbilligt. Zudem könnte sich die erschwerte Kreditvergabe chinesischer Banken an Stahlunternehmen, die sich in einer schwierigen Finanzlage befinden, negativ auf deren Eisenerznachfrage auswirken. Dies dürfte einen preisdämpfenden Effekt auf Eisenerz haben. Doch nicht nur von der Nachfrageseite geraten die Eisenerzpreise unter Abwärtsdruck. Hinzu kommt, dass die Eisenerzlagerbestände aufgrund der erhöhten Produktion kräftig angestiegen sind. Infolge dieser Entwicklungen, ist der Eisenerzpreis im Laufe des Mai unter die Marke von 100 US-Dollar pro Tonne gefallen. Ende des letzten Monats notierte der Eisenerzpreis bei knapp 92 US-Dollar pro Tonne und damit um 42,2 % niedriger als beim Preishochstand Mitte Februar 2013. Bei dem aktuell niedrigen Preisniveau streben Eisenerzproduzenten an, ihre Ausgaben zu reduzieren, indem sie Fahrzeugflotten stilllegen, Arbeitsplätze streichen und Explorationsprojekte auf Eis legen. Sollte dies nicht ausreichend Früchte tragen, so wird erwartet, dass die Produzenten ihr Angebot zunehmend weiter reduzieren, um den Eisenerzpreis wieder zu stabilisieren.

Neben Eisenerz ist auch Kohle in den letzten Monaten stark gesunken. Der Preis für australische Kesselkohle lag Ende April 2012 über dem Stand von 100 US-Dollar pro Tonne. Seitdem ist der Preis um 23,6 % gesunken. Dem Kohlepreis setzte zu, dass in den USA Kohle durch Gas bei der Energieerzeugung ersetzt wurde. Auch ist China bestrebt mehr Gas anstatt Kohle bei der Energieerzeugung einzusetzen, um auf diesem Wege die CO2-Emissionen im Land zu senken. Gerade bei der Verbrennung von Kohle wird viel mehr CO2 emittiert als beim Einsatz von Erdgas. Jedoch könnte der gefallene Kohlepreis wieder dafür sorgen, dass der Anreiz in China steigt, Kohle für die Energieerzeugung zu verwenden. Wie beim Eisenerz wirkten nicht nur nachfrageseitige Entwicklungen preisdämpfend, sondern auch ein gestiegenes Angebot –  vor allem aus Australien und Indonesien – trug zu dem Abwärtsdruck bei den Kohlepreisen bei. In Australien, das im Vergleich zu anderen großen Kohlexporteuren hohe Arbeitskosten hat, haben große Explorationsunternehmen angekündigt, Arbeiter zu entlassen und Minen zu schließen. Dies dürfte in der Zukunft das Angebot reduzieren und damit preisdämpfend wirken. 

Quelle: HWWI

Quelle: HWWI

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