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HWWI-Rohstoffpreisindex
08.05.2014

Die Experten des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) erwarten, dass Kupfer künftig billiger wird. Grund ist ein Lagerbestand von 600.000 Tonnen, angehäuft von chinesischen Finanzinstituten.

In einer Halle des Hamburger Kupferkonzerns Aurubis. Der Kupferpreis ist seit Jahresbeginn auf Euro-Basis um zehn Prozent gefallen. (Foto: picture alliance/dpa)

Im April ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Monatsdurchschnitt März leicht gestiegen. Auf US-Dollar-Basis lag der Index um 0,8 % und in Euro um 0,9 % höher. Verglichen mit dem Niveau des Vorjahres ist der Index um 4,6 % gestiegen, in Euro notiert ist er im Vorjahresvergleich hingegen um 1,5 % gesunken. Der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel stieg im vergangenen Monat dabei um 2,7 % (in Euro: +2,5 %), der Index für Industrierohstoffe erhöhte sich um 2,3 % (in Euro: +2,4 %) und der Teilindex für Energierohstoffe notiert um 0,5 % (in Euro: +0,5%) höher.

Rohöl hat sich im abgelaufenen Monat leicht verteuert, der Index stieg um 0,5 % (in Euro: 0,6 %). Innerhalb des Monats waren die Rohölpreise insbesondere von geopolitischen Ereignissen beeinflusst. Anfang April hatte die Öffnung einiger Exporthäfen in Libyen noch für sinkende Preise gesorgt. Nach neuerlichen Verhandlungen wurden die dortigen Ölhäfen, die sich seit acht Monaten in der Hand von Rebellen befanden, schrittweise wieder geöffnet. Zur Mitte des Monats reagierten die Rohölpreise jedoch auf die Zuspitzung der Krise im Osten der Ukraine mit Preissteigerungen. Der Preis für Brentöl erreichte zwischenzeitlich mit knapp 110 US-Dollar pro Barrel ein 6-Wochenhoch; das amerikanische  Pendant WTI-Öl notierte bei über 104 US-Dollar pro Barrel. Zum Monatsende hin sanken die Preise wieder. Die offiziellen Lagerdaten vom US-Energieministerium bezifferten rekordhohe US-Rohölbestände. Der Preis für das amerikanische WTI-Öl fiel daraufhin auf rund 100 US-Dollar pro Barrel.

Der Index für NE-Metalle stieg im April mit 4 % (in Euro: +4 %) kräftig an. Für die einzelnen Metalle waren jedoch erhebliche Unterschiede zu verzeichnen. Während der Preis für Blei (+1,4 %), Kupfer (0,0 %), Zinn (+1,4 %) und Zink (+0,8 %) weitgehend preisstabil blieb bzw. sich nur moderat erhöhte, stieg der Nickelpreis im April um 10,9 % (in Euro: +11 %) und von Aluminium um 6,5 % (in Euro: +6,6 %). Bei Aluminium sorgte n Sorgen vor einem zunehmenden Angebotsdefizit für die Preissteigerungen. Der Preis von Nickel, das nahezu unverzichtbar für die Herstellung von hochqualitativem nicht rostendem Edelstahl ist, war bereits im Vormonat um 10,3 % angestiegen. Preistreibend für Nickel blieben Angebotssorgen. Eventuelle schärfere Wirtschaftssanktionen gegen Russland könnten Auswirkungen auf deren Nickelexporte haben – Russland ist der weltweit größte Produzent von raffiniertem Nickel.

Ebenso zeigte der Exportstopp von Nickelerzen aus Indonesien weiterhin Wirkung auf den Weltmarktpreis. Indonesien ist der größte Exporteur von Nickelerzen, die vor allem in die Volksrepublik China ausgeführt werden. „Es stellt sich die Frage, ob die indonesische Regierung für einen längeren Zeitraum den Exportstopp von Nickelerzen durchhalten kann, weil die damit verbundenen sozialen Kosten aufgrund von Minenschließungen sehr hoch sind. Ein Ende des Exportstopps würde in der Folge zu einer Entspannung auf dem internationalen Nickelmarkt führen“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI.

Der Teilindex für Ölsaaten und Öle ist im abgelaufenen Monat um insgesamt 4,1 % (in Euro: +4,2 %) angestiegen. Sowohl Sojabohnen als auch Sojaschrot wurden im April teurer als im Vormonat gehandelt. Der Sojabohnenpreis stieg um 4,7 % (in Euro: +4,8 %), der Preis von Sojaschrot um 6,2 % (in Euro: +6,3 %). Geringer als von Marktbeobachtern erwartete Lagebestände in den USA hatten steigende Preise zur Folge. Starke Exporte nach China hatten den Abbau der Lager beschleunigt und für den höchsten Preis seit 9 Monaten sowohl bei Sojabohnen als auch -schrot gesorgt.

Der Kupferpreis ist seit Jahresbeginn stark gefallen. Im Vergleich zum Monatsdurchschnitt von Januar notierte der Preis im April dieses Jahres um 8,8 % (in Euro: -10,1 %) tiefer. China konsu-miert über 40 % der globalen Produktion und ist für etwa 30 % der weltweiten Kupferimporte verantwortlich. Aus diesem Grund ist der Preis dieses NE-Metalls besonders sensitiv gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung in der Volksrepublik. Im ersten Quartal 2014 wuchs die chinesische Volkswirtschaft mit „nur“ 7,4 % und damit so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Befürchtungen über weiter nachlassendes Wachstum sowie Erwartungen weltweit steigender Minenproduktion sorgten für den Preisrückgang. Zusätzlich wird das rote Metall in China bei großen Finanzierungen häufig als Sicherheit benutzt. Dies bedeutet beispielsweise, dass physisches Kupfer als Pfand für einen Großkredit hinterlegt wird. Der chinesische Finanzsektor mit seinem Schattenbankensystem gilt für viele als überhitzt und es häufen sich Befürchtungen, dass durch Kreditausfälle ein Großteil dieses Kupfers auf die Märkte gelangen und damit den Preis drücken könnte. Schätzungen gehen von ca. 600 Tsd. Tonnen Kupfer aus, die in chinesischen Lagerhäusern als Sicherheiten liegen. Der Kupferpreis an der Londoner Metall Börse (LME) lag in den Monatsdurchschnitten für März und April jeweils bei rund 6670 US-Dollar pro Tonne und damit auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2010.

Aluminium handelt im Vergleich zu März auf einem um 6,2 % (in Euro: +6,3 %) erhöhten Niveau. Zwischen November letzten Jahres und Ende März hatte sich der Aluminiumpreis auf vergleichs-weise niedrigem Niveau um 1700 US-Dollar pro Tonne seitwärts entwickelt. Die globale Aluminiumproduktion erreichte neue Rekordhöhen – vor allem in China, das für 46 % der weltweiten Produktion verantwortlich ist –, gleichzeitig stieg aber auch die weltweite Nachfrage nach dem für die Fahrzeugindustrie und Baubranche so wichtigen Leichtmetall. Im April ist der Preis dann gestiegen. Hohe physische Prämien – der Betrag, der zuzüglich zum LME-Preis für eine direkte (physische) Lieferung des Metalls gezahlt werden muss – zogen auch den Börsenpreis mit nach oben. Obwohl die Angebotslage auf dem Aluminiummarkt gut und die Lagerhäuser der LME randvoll sind, gibt es lange Lieferwartezeiten. Die Terminkurve von Aluminium befindet sich in einer ausgeprägten Contango-Situation – der Preis für eine Lieferung in der Zukunft übertrifft den Spotpreis. Dadurch lohnt sich ein gegenwartsnaher Verkauf und Lieferung tendenziell weniger als ein Futuregeschäft. Um dem Problem der langen Lieferzeiten entgegenzuwirken wurden von der LME neue Lagerhausregeln durchgesetzt; ob diese eine Veränderung bewirken muss sich noch zeigen. Der Monatsdurchschnittspreis für Aluminium war im April 1809 US-Dollar pro Tonne.

Quelle: HWWI

Quelle: HWWI