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Familienunternehmen
22.04.2014

Eine exklusive Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) belegt, dass ein Generationenwechsel im Unternehmen das nachhaltige Wachstum beeinflusst. Die Führungs- und Nachfolgefrage beim deutschen Mittelstand ist ein zentrales Thema des Instituts.

Generationenwechsel im Europa-Park Rust: Der frühere Geschäftsführer Roland Mack, dessen Vater und Seniorchef Franz Mack sowie dessen Söhne, Michael und Thomas (v.l.n.r.) (Foto: picture alliance / dpa)

Die Eigentümerstruktur und das Wachstum eines Unternehmens sind laut WIFU eng miteinander verknüpft. Der Studie zufolge, die das Wittener Institut gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) durchführte, gilt für die gut 460 befragten Familienunternehmen: Je höher der Anteil familienfremder Geschäftsführer und je kürzer die Amtszeit der Geschäftsführer ist, desto eher nimmt das Wachstumstempo zu. Der geschäftsführende Direktor des WIFU, Tom A. Rüsen, gibt jedoch zu Bedenken: „Eine optimale Anzahl der Familiengesellschafter gibt es nicht.“ Das WIFU zählt zu den Pionieren akademischer Forschung und Lehre zu Besonderheiten von Familienunternehmen. Sein Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen und Unternehmerfamilien zu stärken. Dazu gehört auch, die Chancen und Risiken der Unternehmensform Familienunternehmen zu beleuchten.

Strategiemix für mehr Wachstum

Direktor Rüsen erklärt: „Am erfolgreichsten sind Familienunternehmen, die eine Strategie mit einem Mix aus organischem Wachstum, Wachstum im Ausland und Akquisitionen verfolgen.“ Der WIFU-Studie zufolge wachsen 91 Prozent der befragten Unternehmen organisch, 55 Prozent im Ausland und rund 36 Prozent schließen Akquisitionen nicht aus, um ihr Geschäft voranzutreiben. Dabei wagten rund 44 Prozent der befragten Firmen erst unter Führung der Enkel-Generation den Schritt über die Grenzen Deutschlands. „Ein wesentlicher Teil der Wachstumsstrategie sollte aber die Internationalisierung sein“, so Rüsen. Schon heute seien 80 Prozent der vom WIFU befragten Unternehmen im Ausland aktiv. Mittlerweile erzielen mehr als die Hälfte der Betriebe rund 40 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands.

Internationalisierung mit Risiko

Tendenziell ist die Expansion von Familienunternehmen in ähnliche Kulturregionen naheliegend – beispielsweise in die Europäische Union oder nach Nordamerika. Doch es sind überraschend viele Unternehmen auch in China aktiv: „Offenbar wird das Risiko, im Reich der Mitte aktiv zu sein, aufgrund der hohen Absatzchancen dort in Kauf genommen“, schätzt Rüsen. Die unternehmerische Entscheidung werde durch Erfolge bestätigt. Laut WIFU wachsen Familienunternehmen mit Aktivitäten in China, Indien und Südamerika zurzeit deutlich schneller als Betriebe, die nur in einem oder in keinem der Länder aktiv sind.

„Wachstum ist für Familienunternehmen per se kein Ziel sondern ein Resultat unternehmerischer Entscheidungen“

Tom A. Rüsen, WIFU

Der Gang ins Ausland kann sich also lohnen: Zwischen 2008 und 2013 steigerten drei Viertel der befragten Familienunternehmen ihren Umsatz. Und gut die Hälfte der Betriebe ist laut Studie heute profitabler als vor fünf Jahren. „Damit Familienunternehmen nachhaltig wachsen, müssen sie offen für neue Ideen bleiben“, sagt WIFU-Direktor Rüsen. „Denn Wachstum ist für Familienunternehmen per se kein Ziel sondern ein Resultat unternehmerischer Entscheidungen der Gesellschafterfamilie.“