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Emissionshandel
29.04.2014

Der Emissionshandel ist für viele ein rotes Tuch: Unternehmer halten die Klimaabgabe für wettbewerbsschädigend, Umweltschützer kritisieren sie wegen stark gefallener Zertifikatspreise als wirkungslos. Eine wissenschaftliche Studie kommt nun zu einem überraschenden Ergebnis.

Freileitungsmast. Wissenschaftler belegen in einer aktuellen Studie, dass der Handel mit Treibhausgasen besser ist als sein Ruf. (Foto: picture alliance/chromorange)

Die Ergebnisse einer vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) vorgelegten Studie zum Emissionshandel in der Europäischen Union (EU) überraschen: Das 2005 ins Leben gerufene Handelssystem für Emissionszertifikate habe in den ersten Jahren seines Bestehens zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes beigetragen, fanden die Forscher heraus. Industrieunternehmen, die am EU-Zertifikatehandel teilnehmen, senkten laut den Kieler Wissenschaftlern ihre CO2-Emissionen zwischen 2007 und 2010 um durchschnittlich 25 Prozentpunkte mehr als vergleichbare Unternehmen. Und entgegen aller Befürchtungen fanden die Wissenschaftler auch keine Anzeichen, dass das Emissionshandelssystem den Umsatz, die Wettbewerbsfähigkeit oder die Zahl der Arbeitsplätze in den teilnehmenden Unternehmen verringert hätte.

Unternehmen verbessern Energieeffizienz

Für ihre Studie werteten die Forscher umfangreiche Daten des Statistischen Bundesamts zu deutschen Industrieunternehmen aus den Jahren 2005 bis 2010 aus. Dies sind die ersten Jahre, in denen das Zertifikatesystem zum Einsatz kam. Während in der Testphase des Systems bis zum Jahr 2007 kaum eine Wirkung feststellbar war, sanken in den folgenden drei Jahren die Emissionen. „In dieser Phase haben die Unternehmen ihre Energieeffizienz stark verbessert und außerdem die Nutzung von Öl und Gas reduziert“, erklärt IfW-Forscher Sebastian Petrick. So habe beispielsweise die effizientere Nutzung von Prozesswärme dazu geführt, dass die Emissionen gesunken seien, nicht aber der Umsatz.

Um eine valide Vergleichsgruppe zu den betroffenen Unternehmen aufzubauen, wählten die Kieler Forscher anhand einer Vielzahl von Daten wie Exportquote, Anzahl der Mitarbeiter, durchschnittliche Lohnhöhe, aber auch Schadstoffemissionen, ähnliche Unternehmen aus. Hintergrund: Der Emissionshandel begrenzt den CO2-Ausstoß auf eine zuvor definierte Menge. Für jede ausgestoßene Tonne CO2 muss das betroffene Unternehmen ein Zertifikat vorlegen. Fehlen Zertifikate, muss die Firma entweder Verschmutzungsrechte zukaufen oder in emissionsarme Technik investieren. Die Idee dahinter ist, dass es am effizientesten ist, wenn die Industrie im Wettbewerb selbst Lösungen für den Abbau des Ausstoßes findet. Dem System sind in Europa 11.000 Unternehmen aus der Energie-, Chemie und Schwerindustrie sowie aus der Zement- und Papierbranche unterworfen.

Wirtschaftsminister Gabriel fordert Reform

Womit die Erfinder der CO2-Zertifikate nicht gerechnet hatten: Wegen der Finanz- und Staatsschuldenkrise gibt es in der EU zurzeit rund 1,8 Milliarden überschüssige Emissionszertifikate am Markt. Der Zertifikatepreis, der 2008 noch bei 30 Euro notierte, liegt derzeit nur noch bei rund fünf Euro (Stand: 28. April 2014). Unternehmen halten ihn im globalen Wettbewerb allerdings immer noch für zu hoch. Schließlich müssten Konkurrenten aus China oder den USA keine vergleichbaren Lasten tragen. Umweltschützer glauben dagegen, dass der Preis deutlich zu niedrig sei, um Firmen zu Investitionen in emissionsarme Technik zu bewegen.

Deutschlands Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte zuletzt, das System mit strengeren Regeln auszustatten. „Damit sich Europa bei den internationalen Klimaverhandlungen der kommenden Jahre nicht blamiert, muss es dringend seinen Emissionshandel reformieren“, sagte Gabriel.

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