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15.04.2014

Ein neues, intelligentes Stromnetz soll bis 2015 quer durch die Bundesrepublik führen – mit 1.855 Kilometern neuer Fernleitungen. Bis dahin muss allerdings noch einiges geschehen, denn fertig ist bislang weniger als ein Viertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Initiative Unternehmer Positionen Nord.

Hochspannungsmast: Das deutsche Stromnetz muss dringend ausgebaut werden. (Foto: picture alliance / blickwinkel / McPHOTO)

Deutschlands Stromnetz ist am Limit. Weil Wind- und Solarstrom nicht planbar und beständig erzeugt werden können, ist das Netz zum Teil extrem ausgelastet, ohne geeignete Maßnahmen zur Stabilisierung sogar akut gefährdet. Abhilfe schaffen sollen intelligente Netze. Die Studie „Stromtransport in Deutschland“ – für die Initiative Unternehmer Positionen Nord exklusiv erstellt vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und der HSH Nordbank – zeigt auf, welche Investitionen dringend nötig sind und wie das gesetzliche Rahmenwerk verändert werden muss.

Netze müssen schneller erweitert werden

„Der Stromtransport wird zum Nadelöhr der Energiewende“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des HWWI und Autor der Studie. Wolle Deutschland sein gegenwärtig hohes Maß an Versorgungsicherheit bewahren, müsse die Netzerweiterung deutlich an Fahrt aufnehmen. Grundsätzlich habe die Politik die Herausforderungen erkannt. Doch der Entwicklungsprozess sei nach wie vor durch umfangreiche Nachweispflichten der Netzbetreiber und Interventionsmöglichkeiten der Stakeholder gekennzeichnet. Außerdem fehle es an der wichtigsten Vorbedingung für den geplanten Netzausbau: der Akzeptanz der Bevölkerung.

Bürgerbegehren gegen den Ausbau

Von den 1.855 Kilometern neuer Fernleitungen in Deutschland, die bis zum Jahr 2015 fertig sein sollen, sind bis jetzt weniger als ein Viertel realisiert, so die Studie des HWWI. Die beiden entscheidenden Gründe für den langsamen Netzausbau seien langwierige und komplexe Genehmigungsverfahren sowie eine große Zahl von Verwaltungsklagen durch betroffene Bürger. Eine weitere Vereinfachung der Baugenehmigungen könne zwar den Netzausbau beschleunigen, löse aber nicht das Problem der fehlenden Akzeptanz seitens der Bevölkerung, so die Studie. Die Pläne für den Ausbau des Netzes sollten daher durch Maßnahmen zur Aufklärung der Öffentlichkeit begleitet werden. Darüber hinaus empfehlen die Autoren der Studie, verstärkt über Alternative zu Fernleitungen nachzudenken, vor allem über Erdkabeltechnologien.

Investoren gesucht

Der Ausbau der Stromnetze in Deutschland braucht nach der Studie des HWWI zudem eine bedarfsgerechte Finanzierung. Finanzierungen der Netzinfrastruktur würden meist von spezialisierten Bankenteams begleitet, die sich ein produkt- und sektorbezogenes Spezialwissen angeeignet hätten. „Diesen Teams ist es möglich, die teils sehr individuellen Finanzierungsanforderungen zu analysieren und ein bedarfsgerechtes Finanzierungskonzept zu erarbeiten“, so Prof. Bräuninger. Die dringlichste Aufgabe des deutschen Gesetzgebers sei, Planungssicherheit für die Unternehmen zu schaffen. Das betreffe die Netzentgelte, die Bedingungen, unter denen in erneuerbare Energien investiert werden könne, und die damit verbundene Infrastruktur.