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12.03.2014

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist im Monatsdurchschnitt im Februar im Vergleich zum Vormonat um zwei Prozent auf US-Dollarbasis leicht angestiegen. Dieser Anstieg fiel in Euro mit 1,7 Prozent etwas geringer aus. Am stärksten erhöhten sich mit 15,2 Prozent (in Euro: +14,7 Prozent) die Preise für Genussmittel im Index. Die Energierohstoffe haben sich im letzten Monat um 2,3 Prozent (in Euro: +1,9 Prozent) verteuert. Im Gegensatz dazu sind die Industrierohstoffe um 2,1 Prozent (in Euro: -2,4 Prozent) gesunken. Ursächlich für diesen Rückgang waren die niedrigeren Notierungen bei NE-Metallen und beim Eisenerz.

Lager für Kohlebriketts: Das derzeit große Angebot drückt den Preis. (Foto: picture alliance)

Bei den Energierohstoffen erhöhte sich der Index für Rohöl im Februar um 2,6 Prozent (in Euro: +2,2 Prozent). Die in ihm enthaltenen Ölsorten haben sehr unterschiedlich zu dem Preisanstieg beigetragen. Während Brent-Öl um 0,6 Prozent (in Euro: +0,2 Prozent) und Dubai-Öl um 1,1 Prozent (in Euro: +0,7 Prozent) teurer wurde, ging der Preis für WTI-Öl um 6,6 Prozent nach oben. Dieser vergleichsweise starke Preisanstieg bei der nordamerikanischen Ölsorte ist auf zurückgehende Ölmengen von WTI-Öl in Cushing zurückzuführen. Mit Hilfe einer neuen Pipeline ist es gelungen, überschüssige Ölmengen im Mittleren Westen der USA an den Golf von Mexiko zu transportieren. Gleichzeitig drückte auch das besonders kalte Wetter in Nordamerika den Öl- und Gaspreis nach oben. Gleichzeitig sank der Preis für Kohle aufgrund des großen Angebots um sechs Prozent (in Euro: -6,3 Prozent). Am ersten Handelstag im März gerieten die Energiemärkte wegen der verschärften Situation in der Ukraine in Unruhe. „Die aktuelle Krise in der Ukraine könnte in den nächsten Wochen zu Unsicherheiten auf den Energiemärkten führen - mit der Folge schwankungsanfälliger Öl- und Gaspreise. Ein Großteil der russischen Öl- und Gasexporte nach Europa gehen durch die Ukraine“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI.

Bei den Industrierohstoffen verbilligte sich Eisenerz im Vergleich zum Vormonat um 5,1 % (in Euro: -5,4 %). Damit haben sich die Preisrückgänge beim Eisenerz auch im letzten Monat fortgesetzt und es notiert in infolgedessen um 21,6 % (in Euro: -23,3 %) niedriger als noch im Februar vor einem Jahr. Der Eisenerzpreis wird beeinflusst durch Überkapazitäten in der Stahlbranche. Drohende Schließungen drücken hier den Eisenerzpreis nach unten. Gleichzeitig trüben Sorgen bezüglich der weiteren Entwicklung der chinesischen Wirtschaft den Eisenerzmarkt aber auch die einzelnen Märkte für NE-Metalle. „Wird in China verstärkt die Kreditvergabe eingeschränkt, könnte dies das chinesische Wirtschaftswachstum verlangsamen. China steht vor der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen stabilem Wachstum und förderlichen Reformen zu finden“, so Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI. Der Index für NE-Metalle gab um 1,4 % (in Euro: -1,8 %) nach und liegt jetzt um 14,4 % (in Euro: -16,3 %) unter seinem Stand vor einem Jahr. Im letzten Monat sank der Preis für Kupfer um 2 % (in Euro: - 2,3 %), für Aluminium um 1,9 % (in Euro: -2,2 %) und für Blei um 1,8 % (in Euro: -2,1 %). Eine mögliche geringere Wirtschaftsleistung in China würde dort auch die Automobilnachfrage senken. Damit würden weniger Autoreifen benötigt. Diese Befürchtungen trugen dazu bei, dass der Kautschukpreis im Februar um 11 % (in Euro: -11,3 %) nachgab.

Die Preise im Index für Nahrungs- und Genussmitteln stiegen im letzten Monat um durchschnittlich 8,5 % (in Euro: +8 %) an; beim Kaffee war ein regelrechter Preissprung zu beobachten. Trockenes Wetter wie seit Jahrzehnten nicht mehr beeinträchtigte im Januar in brasilianischen Hauptanbaugebieten das Gedeihen der Kaffeekirschen. Im Monatsdurchschnitt war Rohkaffee im Februar 24,4 % (in Euro: +23,9 %) teurer als im Monat davor. Auch die Preise für Zucker und Sojabohnen – bei beiden spielt Brasilien eine wichtige Rolle auf dem internationalen Markt – stiegen im Zuge der Trockenheit an. Zucker verteuerte sich um 5,4 % (in Euro: +5,1 %) und Sojabohnen um 5 % (in Euro: +4,7 %). Auch beim Getreide waren im Februar Preisanstiege zu beobachten. Der Index stieg hier um 4,4 % (in Euro: +4,1 %). Extreme Kälte in den USA ließ besonders den Preis für Weizen steigen (+6.6 %/in Euro: +6,2 %), da Ernteausfälle befürchtet wurden.

Im Februar ist der Eisenerzpreis um 3,7 Prozent (in Euro: -5,8 Prozent) gefallen, so dass Eisenerz am Ende des Monats bei 118 US-Dollar pro Tonne notierte, während der Preis vor einem Jahr noch bei 159 US-Dollar lag. Der Preisdruck auf Eisenerz kommt sowohl von der Angebots- als auch von der Nachfrageseite. Eisenerz wird hauptsächlich für die Stahlproduktion verwendet. Ein schwächeres Nachfragewachstum nach Stahlprodukten hat den Bedarf an Eisenerz verringert. In der Folge sind die Lagerbestände von Eisenerz gestiegen und der Preis ist weiter gesunken. Auf die chinesischen Stahlproduzenten lastet noch zusätzlich die Sorge, dass eine restriktivere Kreditvergabe im Bausektor zu einer weiter abschwächenden Stahlnachfrage im Land führen könnte. Innerhalb Chinas haben sich auch die Eisenerzlagerbestände erhöht, weil Eisenerz als Sicherheit für Kreditgeschäfte genutzt wird. Bei Erwartung einer weiter sinkenden Stahl- und Eisenerznachfrage und -preisen halten sich die Stahlproduzenten zurzeit mit Käufen zurück.

In der Stahlbranche haben sich Überkapazitäten gebildet. Werden diese Überkapazitäten abgebaut, könnte dies für die Eisenerzproduzenten bedeuten, dass sie dauerhaft geringere Eisenerzmengen als bisher geplant absetzen können. Inwieweit es in China gelingt, Überkapazitäten im Stahlsektor abzubauen, hängt sehr stark davon ab, wie sich hier die Zentralregierung gegen die lokalen Regierungen durchsetzen kann. Derzeit werden in einigen Regionen sogar noch zusätzliche Kapazitäten geschaffen, da für diese Standorte die Stahlproduktion ein zentraler Wirtschaftsfaktor ist. Die politischen Entscheidungsträger vor Ort wollen das Wachstum der Region nicht durch die Schließung von Stahlwerken gefährden, während die Zentralregierung einen größeren Schwerpunkt auf die Umwelt legt. Für große Eisenerzproduzenten könnte das schwierige Marktumfeld mit sinkenden Preisen und Überkapazitäten in der Stahlbranche zu einem Problem werden, da sie hohe Schulden zurückzahlen müssen, die sie in den vergangenen Jahren für Investitionen in Minenprojekte aufnahmen. Minenbetreiber intensivieren daher ihre Anstrengungen, profitabler zu arbeiten und ihre Ausgaben zu reduzieren.

Seit Jahresbeginn ist nicht nur Eisenerz im Preis gefallen, sondern auch Kohle. Sie geriet aufgrund eines großen Angebots unter Preisdruck. Die beiden für das weltweite Angebot wichtigen Nationen Australien und Indonesien haben ihre Kohleproduktion ausgeweitet. Gleichzeitig wird in den USA verstärkt Schiefergas gefördert. Das erhöhte Gasangebot führte zu kräftig sinkenden US-amerikanischen Gaspreisen. Diese machen es zunehmend lukrativ, für die Energieerzeugung Gas anstelle von Kohle einzusetzen. In China führten ein schwächeres Wirtschaftswachstum und die Bemühungen um eine Eindämmung der Smog-Belastungen in den Großstädten zu einer Reduzierung des Bedarfs an Kohle. Der Angebotsüberhang auf dem Kohlemarkt zeigte sich in steigenden Lagerbeständen. Seit Anfang Januar bis Ende Februar sank der HWWI-Index für Kohle um 10,7 Prozent (in Euro: -11,7 Prozent). Verglichen mit dem Hochstand vom Januar 2011, als eine Tonne australische Kohle 129,7 US-Dollar kostete, hat sie sich auf 77,5 US-Dollar im Februar 2014 verbilligt. Das entspricht einem Rückgang von 40,3 Prozent. Da der gefallene Kohlepreis Kohlekraftwerke rentabler macht, könnte dies den chinesischen Anstrengungen, den Smog im Land zu senken, zuwiderlaufen.