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HWWI-Rohstoffpreisindex
10.01.2014

Der HWWI-Rohstoffpreisindex auf US-Dollar-Basis ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent zurückgegangen. Auf Euro-Basis reduzierte er sich um 5,1 Prozent.

Maisfeld im Winter: Gute Ernten und hohe Lagerbestände führten im Jahr 2013 zu sinkenden Preisen auf dem Getreidemarkt. (Foto: picture alliance / All Canada Photos)

Mit einem Rückgang von 11,1 % (in Euro: -14,1 %) sank der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel besonders stark. Die NE-Metalle verbilligten sich gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2012 um 7,8 % (in Euro: -10,7 %) und die Energierohstoffe um 1,3 % (in Euro: -4,4 %).  Gegen den Trend fallender Rohstoffpreise im Jahre 2013 entwickelte sich der Index für Eisenerz und Stahlschrott, der um 3,5 % (in Euro: +0,2 %) zunahm.

Nachdem sich Kohle schon 2012 stark verbilligte, hat sich dieser Trend auch im Jahre 2013 fortgesetzt. Im vergangenen Jahr sank der Index für Kohle um über 12 % (in Euro: -15 %). Die fallenden Kohlepreise sind zum großen Teil auf den Gasboom in den USA zurückzuführen. Als weltweit großer Energiekonsument verwenden die USA zunehmend Gas anstatt Kohle, da die Gaspreise im Zuge der US-amerikanischen Schiefergasproduktion gefallen sind. Eine reduzierte Kohlenachfrage setzte in Folge dessen die Kohlepreise unter Abwärtsdruck. Damit trugen die Kohlepreise wesentlich zum Absinken der Preise für Energierohstoffe im Index bei, die sich um 1,3 % (in Euro: -4,4 %) verbilligten.

Neben dem Index für Kohle sank aber auch der Index für Rohöl und zwar um 0,8 % (in Euro: -3,9 %). Da-bei unterlag der Ölpreis im Jahresverlauf 2013 erheblichen Schwankungen. So näherte sich der Preis für ein Barrel Brentöl zeitweise der 120 Dollarmarke, um dann kurzfristig wieder unter 100 US-Dollar zu fallen. Unruhen und politische Entwicklungen in Ländern, die einen großen Anteil an der weltweiten Ölförderung haben oder die wichtig für den Öltransport sind, haben immer wieder den Ölpreis in die eine oder andere Richtung bewegt. Der Iran stand dabei immer wieder im Fokus. Ursprünglich war der Iran der zweitgrößte Ölproduzent in der OPEC. Dies änderte sich als die EU im Sommer 2012 ein Ölembargo gegen das Land verhängte. Im Herbst 2013 sanken die Ölpreise, da mit dem Iran eine Einigung zur Entschärfung des Atomstreits erzielt wurde. Dies nährte die Hoffnung, dass auf absehbare Zeit das europäische Ölembargo gegen den Iran gelockert werden könnte, mit der Folge, dass die Preise nachgaben. Aber auch Nachrichten aus anderen Ländern bestimmten im Laufe des Jahres 2013 den Ölmarkt. Eine drohende Eskalation des Syrienkonflikts führte im August zu einem starken Anstieg der Ölpreise. Zwar ist Syrien kein großer Ölproduzent, jedoch würde eine Destabilisierung der Region auch wichtige Ölförderländer wie Irak, Iran oder gar Saudi Arabien betreffen. Als die US-Amerikaner von einem militärischen Eingreifen in Syrien Ab-stand nahmen, entspannte sich die Lage auf dem Ölmarkt aber wieder.

Quelle: HWWI

Auch Entwicklungen in Ägypten und Libyen setzten den Ölpreis zwischenzeitlich 2013 unter Aufwärtsdruck. In Ägypten wurde befürchtet, dass die Unruhen im Zuge der Entmachtung des Präsidenten Mohammed Mursi den Öltransport durch den Suezkanal beeinträchtigen könnten. Die libyschen Ölexporte sanken drastisch aufgrund von Schließungen von Ölförderanlagen und Streiks in Exporthäfen. Preissenkend wirkten dagegen die wiederkehrenden Meldungen über eine erhöhte Ölproduktion in den USA aus dem Schiefer-gestein. So geht die IEA davon aus, dass die USA bis zum Jahr 2015 zum weltweit größten Ölproduzenten aufsteigen werden. „Zwar steigt außerhalb der OPEC das Ölangebot, was auf den Ölmarkt beruhigend wirken dürfte“, so Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI, „aber mit Ölpreisschwankungen wird auch im Jahr 2014 zu rechnen sein, da politische Instabilitäten in wichtigen Ölförderländern weiterhin Bestand haben.“

Der Index für Industrierohstoffe gab 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % (in Euro: -5,8 %) nach. Für diesen Rückgang waren vor allem die zurückgehenden Preise für NE-Metalle verantwortlich. Ihr Index sank um 7,8 % (in Euro: -10,7 %). Dabei verbilligten sich Nickel um 14,3 % (in Euro: -17 %), Aluminium um 8,5 % (in Euro: -11,3 %) und Kupfer um 7,8 % (in Euro: -10,7 %). Bei den Metallen wirkte sich preis-dämpfend aus, dass zunehmende Förderkapazitäten auf den Markt kamen. Preisspitzen in der Vergan-genheit hatten den Anreiz erhöht, neue Förderstätten aufzubauen oder auch Erweiterungsinvestitionen zu tätigen. Mit einer Zeitverzögerung von drei bis fünf Jahren kommt nun ein zusätzliches Angebot auf den Markt und drückt die Preise nach unten. Darüber hinaus konnte das anwachsende Angebot nicht durch eine stark ansteigende Nachfrage nach Metallen ausgeglichen werden. Dies war insbesondere in der ersten Jahreshälfte 2013 der Fall und hatte zur Folge, dass zwischenzeitlich die Lagerbestände an Metallen in London und Shanghai kräftig anstiegen. Der Preis für Zinn entwickelte sich im letzten Jahr entgegengesetzt zum Index für NE-Metalle. Er stieg um 5,9 % (in Euro: +2,6 %) an. Die Erklärung dafür ist in Ex-portrestriktionen seitens Indonesiens zu finden, das als der größte Zinnexporteur seine Ausfuhren an Zinn mit dem Ziel drosselte, stärker an der Weiterverarbeitung des Metalls zu verdienen. Auch Eisenerz verteu-erte sich um 5,5 % (in Euro: +2,1 %), da China wieder verstärkt Eisenerz für seine Industrie, insbesondere für die Stahlbranche, nachfragte. „Die anziehende Weltkonjunktur könnte im laufenden Jahr preisstützend auf die Metallpreise wirken“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor am HWWI.

Der Index für Nahrungs- und Genussmittel hat sich im Jahresdurchschnitt 2013 gegenüber dem des Vor-jahres um 11,1 % (in Euro: -14,1 %) reduziert. Dies ist besonders darauf zurückzuführen, dass sich 2013 die Ernten für Mais und Sojabohnen im Mittleren Westen der USA wieder normalisiert haben. Im Jahr 2012 herrschte eine extreme Trockenheit, die dort die Ernten sehr stark in Mitleidenschaft gezogen hatte. Aber auch die Reisernten fielen im letzten Jahr in Asien günstig aus. Die guten Ernten und die steigenden Lagerbestände auf dem Getreidemarkt führten dazu, dass sich Mais um 17,6 % (in Euro: -20,2 %), Reis um 9,3 % (in Euro: -12,2 %), Weizen um 6,3 % (in Euro: -9,5 %) und Sojabohnen um 4,9 % (in Euro: -8,1 %) verbilligten. Außerdem gab der Kaffeepreis besonders stark nach. Günstige Wetterbedingungen hatten in Brasilien zu einer großen Kaffeeernte geführt. Zum steigenden Kaffeeangebot hatte zudem beigetragen, dass die brasilianischen Anbauflächen an Kaffee als Antwort auf Produktionsausfälle in Kolumbien ausge-dehnt worden waren. Die kolumbianischen Kaffeeplantagen erholen sich aber zunehmend von dem Schädlingsbefall vergangener Jahre.

Der Markt für Sojabohnen und Mais war 2013 von großen intersaisonalen Preisschwankungen geprägt. Die Nachfrage nach diesen (Grund-)Nahrungs- und Futtermitteln ist vergleichsweise konjunkturunabhängig. Die häufigsten Ursachen für Preisschwankungen finden sich eher auf der Angebotsseite. Bei regionaler Konzentration des Anbaus – allein die USA, Brasilien und Argentinien vereinen beispielsweise fast 80 % der weltweiten Sojaproduktion – kann es durch die extreme Wetterabhängigkeit schnell zu kurzfristigen Preisausschlägen kommen. Beispielhaft für solche Veränderungen ist die Marktsituation für Mais und Sojabohnen in den letzten beiden Ernteperioden. In dieser Saison waren die Wetterbedingungen bei Soja-bohnen und Mais in den USA optimal. Im Gegensatz zur vorhergegangenen Erntesaison, als eine außer-ordentliche Dürreperiode zu Ernteausfällen führt, war das Angebot reichlich. Die Folge war ein extremer Preisrückgang: Der Preis für Sojabohnen ist im Jahresverlauf 2013 vom zwischenzeitlichen Höchststand 15,64 US-Dollar/60lb Bushel im Juni auf unter 12 US-Dollar im August um insgesamt über 20 % gefallen. Mais hat sich sogar durchschnittlich um 40 % verbilligt. Im Januar 2013 wurde Mais an der Börse in Chi-cago kurzfristig mit 7,40 US-Dollar/56lb Bushel gehandelt – im November waren es nur rund 4,20 US-Dollar.

Auch für die nähere Zukunft stehen die Signale eher gegen eine deutliche Preiserhöhung. Normalerweise wird in Brasilien nach der Sojabohnenernte die Anbaufläche für die Zweiternte mit Mais bepflanzt, um die Böden zu schonen. Wegen des stärker gesunkenen Preises und der damit verschlechterten Profitabilität von Mais gegenüber Sojabohnen werden nunmehr vermehrt Sojabohnen als Zweitsaat verwendet. So wird Brasilien in diesem Jahr wahrscheinlich die USA als größter Sojaproduzent überholen. Auch für Argentinien wurden die Sojaernteprognosen angehoben. Obwohl auch gleichzeitig Rekordmengen an Sojabohnen von den USA nach China exportiert wurden, spricht das große Angebot auf dem Weltmarkt gegen eine nachhaltige Preissteigerung. Auch am Markt für Mais stehen die Preise weiter unter Druck. Hier sorgten Befürchtungen, dass der Anteil der Pflichtbeimischung von Bioethanol in den USA gesetzlich gekürzt wer-den könnte, für zusätzliche Preisrückgänge, denn ungefähr ein Drittel der Maisernte in den USA wird zu Herstellung von Ethanol verwendet. Damit würde sich bei einer entsprechenden Gesetzesänderung das Überangebot noch zusätzlich ausbauen. Darüber hinaus wurden im Dezember einige große US-Maislieferungen für China dort nicht ins Land gelassen, da sie laut chinesischer Behörden nicht zugelassene genveränderte Sorten enthielten, was den Maispreis weiter belastete.

Quelle: HWWI

Quelle: HWWI