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STUDIE
21.01.2014

Selbst steuernde Maschinen, mobile Arbeitsplätze, virtuelle Organisation. Die Industrie wird digitaler. Erstmals zeigt nun eine Studie, wie gut der Mittelstand auf die IT-Innovationen vorbereitet ist.

Intelligente Produktionsanlagen und selbst steuernde Prozesse sind zentrale Kriterien einer Industrie 4.0 (Foto: picture alliance / dpa)

Der Trend zur Digitalisierung durchdringt die Industrie zunehmend: Intelligent vernetzte Maschinen ermöglichen eine automatisierte Produktion und Logistik. Dabei lösen internetbasierte Technologien einen massiven Wandel der Geschäfts- und Fertigungsprozesse aus. Experten sprechen von einer vierten industriellen Revolution (bitte lesen Sie dazu die Infobox).

Wie gut der fertigende Mittelstand auf diesen Wandel vorbereitet ist, hat das Marktforschungsinstitut Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag von Freudenberg IT (FIT) nun erstmals untersucht. Bundesweit wurden dafür rund 140 IT-Entscheider und Produktionsleiter aus mittelständischen Fertigungsunternehmen befragt. Die Firmen stammen vor allem aus dem Maschinen- und Anlagenbau (38 Prozent) sowie der Automotive-Branche (28 Prozent).

Reif für die industrielle Revolution 4.0

Auf einer Skala von 0 bis 10 ermittelte die Untersuchung der Marktforscher einen Innovationsindex für den Mittelstand von 4,91. Dieser Wert zeigt, was die Unternehmen von Innovationen halten. Er ergibt sich vor allem aus den Werten der Trendbereiche Industrie 4.0, Mobility und Cloud Computing (bitte beachten Sie Abbildung 1).

Abbildung 1: Fertigung im Fokus

Den höchsten Wert erzielt der fertigende Mittelstand im Teilbereich Industrie 4.0. Ein Indexwert von 6,28 belegt: Die Startbedingungen für die neue industrielle Epoche sind gut. Folgende Umstände wirken sich dabei besonders positiv aus: 69 Prozent aller befragten Unternehmen setzen bereits heute eine IT-Fernwartung ein, 59 Prozent eine IT-basierte Automatisierung und 52 Prozent intelligente Produktionsanlagen.

Immerhin 15 Prozent der mittelständischen Fertiger nutzen schon selbst steuernde Produktionsprozesse im Betrieb. Diese Prozesse, bei denen sich Fertigungsbereiche automatisch organisieren und kontrollieren, gelten als Kern der neuen Industrie 4.0. Doch das Bild wird leicht getrübt, denn 47 Prozent aller Befragten schließen solche selbst steuernden Prozesse bislang für ihr Unternehmen aus.

Abbildung 2: IT-Durchdringung in der Produktion – Status quo

Automotive-Branche am innovativsten

Am weitesten fortgeschritten ist die Industrie-4.0-Bereitschaft in der Automotive-Branche: Rund 80 Prozent der Befragten setzen bereits intelligente Produktionsanlagen ein. Nur 13 Prozent finden diese Anlagen im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit uninteressant. Selbst steuernde Prozesse werden zu 18 Prozent genutzt, während 33 Prozent der Automotive-Bauer kein Interesse daran zeigen.

Deutlich zurückhaltender fällt das Ergebnis bei den mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauern aus: Nur 31 Prozent setzen heute schon auf intelligente Produktionsanlagen, während sich 44 Prozent nicht für diese Möglichkeit interessieren. Noch ablehnender ist die Einstellung zum Thema Selbststeuerung: Bescheidene neun Prozent der teilnehmenden Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus nutzen selbst steuernde Prozesse, ganze 61 Prozent haben kein Interesse daran.

Eine mögliche Erklärung für die Schere zwischen beiden Branchen liegt darin, dass Automotive-Unternehmen unter einem besonders hohen Innovationsdruck stehen. Vor allem Automobilzulieferer müssen schon heute in der Lage sein, eine bedarfsgerechte Produktion bei den großen Herstellern sicherzustellen. Eine zentrale Voraussetzung für hohe Lieferflexibilität sind intelligente Anlagen und Prozesse in der Fertigung.

IT-Megatrends: Mobility vorne, Cloud Computing hinten

Bei den untersuchten IT-Megatrends liegt der Wert für Mobility mit 5,65 von 10 am höchsten. Positiv wirkt sich in diesem Bereich aus: Für 70 Prozent aller mittelständischen Fertigungsunternehmen sind mobile Arbeitsplätze bereits Standard. Immerhin 47 Prozent setzen auf eine zentrale Verwaltung mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets (Mobile Device Management). Das Prinzip, die Geräte beruflich und privat zu nutzen (Bring Your Own Device), ist dagegen nur für 13 Prozent von Bedeutung.


Der Indexwert für den Megatrend Cloud Computing ist mit 2,80 sehr niedrig. Cloud Computing umfasst komplexe IT-Infrastrukturen, auf die jederzeit und von jedem Ort aus zugegriffen werden kann. Der niedrige Wert ist ein Beleg für die verbreitete Ablehnung des Cloud-Modells im industriellen Mittelstand. Nur 18 Prozent nutzen Cloud-basierte Speicher und Server, 16 Prozent setzen auf extern bereitgestellte Software als Nischenlösung (Software As A Service). 40 Prozent lehnen Cloud Computing bislang generell ab.

Industrie 4.0

Der Begriff „Industrie 4.0“ steht für den vierten grundlegenden Wandel in der Geschichte der Industrie. Nach der Mechanisierung im 19. Jahrhundert (1.0), der einsetzenden Massenproduktion (2.0) und der Digitalisierung (3.0) im 20. Jahrhundert steht die Industrie nun an der Schwelle zur intelligenten, selbst steuernden Fabrik (Smart Factory). Ziel ist es, mithilfe neuer Informationstechnologien (darunter das Internet der Dinge) flexibler, effizienter und ressourcenschonender zu produzieren. Die Bundesregierung hat die Industrie 4.0 zu einem Zukunftsprojekt ihrer Hightechstrategie erklärt.

Das folgende Video zeigt, wie die Fabrik von morgen funktioniert: Film Industrie 4.0 (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung)

Ausblick

Die Marktforscher von PAC gehen davon aus, dass der Einfluss der Produktion auf strategische IT-Entscheidungen in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Digitale Lösungen werden immer dann wichtiger, wenn der Druck zunimmt, die Effizienz zu steigern, die Kosten zu minimieren und die Ressourcen zu schonen. Dies wird die Indexwerte für die drei Bereiche Industrie 4.0, Mobility und Cloud Computing mittel- bis langfristig erhöhen.

Den vollständigen Studienbericht finden Sie hier: IT Innovation Readiness Index (Freudenberg IT/PAC)