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UP°-THEMENCHECK ENERGIE
16.12.2013

Grüner Strom aus Wind und Sonne könnte schon bald günstiger werden als konventioneller Strom. Das legt eine neue Fraunhofer-Studie zu den Erzeugungskosten von Strom aus regenerativen Energien nahe.

Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen liefern bei optimalen Bedingungen schon heute günstigeren Strom als Kohle und Gas (Foto: picture-alliance / ZB)

„Lohnt es sich für mein Unternehmen, in erneuerbare Energien zu investieren?“ Diese Frage bewegt die deutschen Mittelständler. Sie sind bereit, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Der internationale Wettbewerb und die ungewisse Zukunft des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) führen jedoch zu Unsicherheit und Zurückhaltung.

Ein positives Signal für die Preisentwicklung von grünem Strom setzt eine aktuelle Studie „Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“ des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Die Wissenschaftler vergleichen darin die Kosten für die Stromerzeugung durch Windenergieanlagen (WEA), Photovoltaik (PV) und Biomasse mit den konventionellen Energiequellen Kohle und Gas im dritten Quartal 2013. Darüber hinaus prognostiziert das Fraunhofer Institut auf Basis von Lernkurven und Marktszenarien die Kostenentwicklung bis 2030.

Windstrom schon jetzt günstiger als Steinkohle und Gas

Wie letzte Quartal zeigte, produzieren gut gelegene Windkraftanlagen auf dem Festland (Onshore) bereits heute vergleichsweise günstigeren Strom als Steinkohle und Gas (siehe Grafik 1). Die Erzeugungskosten von Onshore-Windstrom liegen zwischen 0,045 und 0,107 Euro pro Kilowattstunde (Euro/kWh). Diesen Wert unterbietet lediglich Strom aus Braunkohle zu 0,038 bis 0,053 Euro/kWh. Noch deutlich teurer sind Offshore-WEA, deren Kosten zwischen 0,119 und 0,194 Euro/kWh liegen. Ursachen sind die aufwendige Installation auf dem Meer und die höheren Betriebs-/Finanzierungskosten.

Stromgestehungskosten für erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke an Standorten in Deutschland im Jahr 2013. Der Wert unter der Technologie bezieht sich bei PV auf die solare Einstrahlung (GHI) in kWh/(m²a), bei den anderen Technologien auf die Volllaststundenanzahl der Anlage pro Jahr. (Quelle: Fraunhofer ISE)

Auch Photovoltaik-Anlagen haben aus Kostensicht den Anschluss an andere Technologien zur Stromerzeugung gefunden. Je nach Anlagetyp – Dachanlage oder freie Fläche – und Intensität der Sonneneinstrahlung liegen die Kosten für die Stromerzeugung zwischen 0,078 und 0,142 Euro/kWh. Sie bleiben damit weit unterhalb des durchschnittlichen Endkunden-Strompreises von 0,289 Euro/kWh (BMWI 2013). Weniger wirtschaftlich sind Biogasanlagen. Diese fordern mit 0,135 bis 0,215 Euro/kWh derzeit das höchste Investment für grünen Strom.

Bis 2030: Sinkende Kosten bei Photovoltaik und Offshore-Wind

Die größte Kostensenkung ist laut Fraunhofer ISE im Photovoltaik-Segment zu erwarten (siehe Grafik 2): Bis 2030 sollen die Erzeugungskosten für PV-Strom auf 0,055 bis 0,094 Euro/kWh sinken. Damit erreichen sie das heutige Niveau von Onshore-Windkraftanlagen. Allein die PV-Freiflächenanlagen in Süddeutschland werden die durchschnittlichen Stromkosten aller fossilen Kraftwerke zusammen unterbieten. Zudem werden sich auch kleine PV-Dachanlagen lohnen, die mit den gestiegenen Kosten bei Kohle (0,06 bis 0,11 Euro/kWh) und Gas (0,09 bis 0,12 Euro/kWh) konkurrieren können.

Prognose für die Entwicklung der Stromgestehungskosten bis 2030 (Quelle: Fraunhofer ISE)

Auch Offshore-Windkraftanlagen haben ein großes Potenzial zur Kostenreduktion: Mit Werten zwischen 0,096 und 0,151 Euro/kWh sollen die Erzeugungskosten bis an den oberen Bereich von Onshore-Windstrom sinken. Bei Onshore-WEA selbst sind laut Fraunhofer ISE kaum Veränderungen zu erwarten, da die Stromgestehungskosten bereits heute auf einem sehr niedrigen Niveau liegen. Bei Biogasanlagen rechnen die Wissenschaftler ebenfalls mit einem konstanten, allerdings weiterhin hohen Kostenniveau.

Erneuerbare Energien im UP°-Themencheck

Nach der Studie des Fraunhofer ISE führen die kontinuierlich fallenden Stromgestehungskosten erneuerbarer Energietechnologien sowie die steigenden Kosten bei fossilen Kraftwerken zu einer besseren Wettbewerbsposition erneuerbarer Energien. Der grüne Strom soll zukünftig auch ohne Förderung wirtschaftlich sein.

 
Der speziell für den Mittelstand erstellte UP°-Themencheck Energie liefert weitere wichtige Anhaltspunkte für Unternehmer und Investoren. In Bezug auf erneuerbare Energien zeigt der Themencheck langfristige Chancen und Risiken auf, sowohl für Deutschland als auch für die weltweite Entwicklung von Energiemärkten. Dabei werden neben Wind, Sonne und Biomasse zusätzlich Wasserkraft, Erdwärme und Wasserstoff-Elektrolyse in einem Zeithorizont bis 2060 berücksichtigt (s. Grafik 3).

In Übereinstimmung mit der Fraunhofer-Studie stellt der UP°-Themencheck die sinkenden Stromkosten bei erneuerbaren Energien als große Chance für Unternehmen heraus. Dadurch erhöht sich langfristig der Druck auf die Strompreise. Weitere Investitionen in regenerative Energietechnologien begünstigen die Entstehung neuer Märkte. Der Ausbau von Offshore-Windenergie beispielsweise schafft einen Rahmen für Spezialunternehmen, die innovative Technologien entwickeln und zuliefern. Zudem entstehen durch die Bereitstellung von Systemdienstleistungen neue Einnahmequellen für Dienstleister und für die Industrie.