SUCHE

HWWI-Rohstoffpreisindex
05.12.2013

Im November ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Durchschnitt des Oktobers auf US-Dollar-Basis um 2,2 Prozent gesunken. Beim Kohlepreis könnte die Talsohle erreicht sein, meinen die Experten.

Kohlekumpel schauen in die Röhre

Bergmänner machen Pause: Der Preis für Kohle zur Energieerzeugung, die sogenannte Kesselkohle, fällt seit knapp drei Jahren. (Foto:picture alliance / dpa)

Im November ist der HWWI-Rohstoffpreisindex im Vergleich zum Durchschnitt des Oktobers auf US-Dollar-Basis um 2,2 % und in Euro um 1,1 % gesunken. Damit notiert der Index in US-Dollar in etwa auf dem Stand von vor einem Jahr, während er in Euro 4,6 % darunter liegt. Der Preisrückgang im letzten Monatsdurchschnitt betraf die Mehrzahl der Rohstoffe. Rohöl verbilligte sich im Index um 2,7 % (in Euro: -1,7 %), der Index für NE-Metalle sank um 2,6 % (in Euro: -1,7 %) und der Index für Getreide reduzierte sich am stärksten, um 4,3 % (in Euro: -3,3 %). Damit notiert der Index für Getreide, in dem Reis, Mais, Gerste und Weizen enthalten sind, um über 34 % (in Euro: -37,5 %) niedriger als noch vor einem Jahr. Der Index für Eisenerz und Stahlschrott verteuerte sich dagegen im Index um 3,8 % (in Euro: +4,9 %), genauso wie der Kohlepreis, der sich im letzten Monat um 3,4 % (in Euro: +4,6 %) erhöhte.

Grafik HWWI-Rohstoffindex; Tageswerte seit Juli 2008

Quelle: HWWI

Im Monat November stellte sich die Frage, ob sich durch eine Lockerung der Sanktionen gegen den Iran das Ölangebot erhöhen würde. Im Sommer 2012 hatten die Staaten der EU ihre Ölimporte aus dem Iran gestoppt. Dabei war es das Ziel, den Iran wirtschaftlich unter Druck zu setzen, um ihn bei seinem umstrittenen Atomprogramm zum Umdenken zu bewegen. Das Embargo führte dazu, dass die iranische Ölförderung und -exporte erheblich abnahmen. Bei den aktuellen Verhandlungen wurde sich darauf geeinigt, dass die Sanktionen gegen den Iran gelockert werden. Im Gegenzug dafür erlaubt der Iran der Atombehörde IAEA, sein Atomprogramm zu überwachen. Im Zuge dieser Einigung kamen die Hoffnungen auf, dass der Iran auf mittlere Sicht wieder mehr Öl auf den internationalen Märkten verkaufen könnte. Aber eine Steigerung der iranischen Ölexporte müsste nicht zwangsläufig zu Preissenkungen von Rohöl führen, wenn andere OPEC-Länder mit Produktionskürzungen reagieren würden, um den Preis stabil zu halten. Da dies an den Rohstoffmärkten erwartet wurde, gab der Ölpreis bisher nur kurzfristig nach. Die Schere zwischen der amerikanischen Rohölsorte (WTI) und der europäischen (Brent) ging innerhalb des Monats November noch weiter auseinander. Der Spread liegt zurzeit bei rund 19 US-Dollar pro Barrel. Während sich die Versorgungslage in den USA durch die immer weiter steigende Schieferölproduktion verbessert, ist Europa stärker von den Produktionsausfällen in Libyen betroffen, wo durch Streiks und Unruhen die Produktion und die Verschiffung des Öls zum Erliegen kamen. Brentöl verteuerte sich im Laufe des Novembers um 5,7 % (in Euro: +4,3 %); dagegen verbilligte sich das WTI-Öl um 2,1 % (in Euro: -2,9 %). „Im nächsten Jahr wird die Ölnachfrage bei einer verbesserten Weltkonjunktur stärker zunehmen. Wenn es nicht zu der erforderlichen Ausweitung der Förderkapazitäten kommt, könnten erhebliche Preissteigerungen die Folgen sein“, sagt Prof. Dr. Michael Bräuninger Forschungsdirektor am HWWI.

Bei den NE-Metallen gab besonders der Aluminiumpreis nach (in US-Dollar: -3,8 %, in Euro: -2,8 %). Der Aluminiumpreis fiel auf einen Stand so niedrig wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr, da Angebotsüberschüsse vorliegen und die Lagerbestände zurzeit sehr hoch sind. Auf den Preisverfall reagierten große Aluminiumproduzenten mit Produktionskürzungen. Gerade Produzenten aus dem Mittleren Osten, die aufgrund niedriger Energiekosten zu vergleichsweise geringen Kosten produzieren können, erhöhten den Wettbewerbskampf auf dem Aluminiummarkt. Doch nicht nur Aluminium verbilligte sich im letzten Monat, sondern auch alle anderen NE-Metalle im Index. „Insbesondere die Befürchtung, dass die amerikanische Notenbank ihre extrem expansive Gelpolitik beenden könnte, drückte auf die Preise“, sagt Leon Leschus, Rohstoffexperte am HWWI. So sanken neben dem Aluminiumpreis besonders die Preise für Nickel um 2,6 % (in Euro: -1,5 %) und für Kupfer um 1,7 % (in Euro: -0,6 %). Mitte November fiel der Kupferpreis auf ein Dreieinhalbmonatstief zurück. Auch hier setzte die gute Versorgungslage die Preise unter Abwärtsdruck, da die Kupferproduktion in Chile und Indonesien in diesem Jahr weiter stark ausgedehnt worden war. Der Preis für Eisenerz hat sich im Gegensatz zu den NE-Metallen im November erhöht. Zu den Preissteigerungen trug die verstärkte Eisenerznachfrage aus China bei, wo die staatlichen Infrastrukturprojekte den Bedarf an Stahl erhöhten.

„Gute Ernten bei Getreide führten in diesem Jahr zu starken Preissenkungen“ sagt Leon Leschus. Diese Preisrückgänge setzten sich auch im November fort. Während der Preis für Mais um 3,7 % (in Euro: -2,7 %) gegenüber dem Vormonat nachgab, sank der Preis für Weizen um 6,4 % (in Euro: -5,4 %). Im Vergleich zum Vorjahresmonat notiert damit Mais um 42,9 % (in Euro: -45,7 %) und Weizen um 21,3 % (in Euro: -25,2 %) niedriger. Auch Reis ist mit einem Minus von 24,7 % (in Euro: -28,4 %) wesentlich günstiger als noch vor einem Jahr. Staatliche Subventionen und Reisaufkaufprogramme haben in wichtigen Anbauländern dazu geführt, dass Reisbauern ihre Produktion ausgedehnt haben. Die infolge dessen angestiegenen Lagerbestände haben den Reispreis zunehmend unter Druck gesetzt. Die größten Preisverschiebungen im letzten Monat gab es bei Kokosöl, das um 28,3 % (in Euro: +29,7 %) anstieg. Der Taifun Haiyan hatte im November große Schäden in den Philippinen angerichtet, wo ein großer Teil des weltweiten Kokosöls produziert wird. In der Folge wurde Kokosöl so teuer wie seit 19 Monaten nicht mehr. „Insgesamt zeigt sich, dass die Nahrungsmittelpreise noch immer stark von globalen Entwicklungen bei den Ernteerträgen getrieben sind und das Befürchtungen für dauerhaft höhere Preise aufgrund steigender Nachfrage übertrieben sind“ sagt Michael Bräuninger.

Der entscheidende Motor auf dem Markt für Eisenerz bleibt uneingeschränkt China. Mit über 60 % des globalen Verbrauches hat die Nachfrage der Volksrepublik einen dominierenden Einfluss auf die Preisentwicklung des für die Stahlproduktion zentralen Erzes. Chinas Rohstahlproduktion stieg in den ersten zehn Monaten in 2013 im Vergleich zum Vorjahr um über 8 % an. Die robuste Stahlnachfrage für Infrastrukturprojekte und der Ausblick auf eine weiterhin stabile Nachfrage in 2014 ließen den Eisenerzpreis im November steigen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich der Preis um 2,7 %. Insgesamt hat sich der Preis für Eisenerz seit Jahresmitte dennoch eher seitwärts bewegt, da sich gleichfalls zur Nachfrage auch das Angebot ausgeweitet hat. Auch für die Zukunft ist mit steigender Produktion zu rechnen; beispielsweise haben zwei der weltweit größten Eisenerzproduzenten angekündigt verstärkt in ihre Minen in Australien zu investieren um Förderkapazitäten auszuweiten. Der Eisenerzpreis notiert derzeit bei ungefähr 136 US-Dollar pro Tonne; weit entfernt sowohl vom Tiefstand von 87 US-Dollar im September letzten Jahres, als auch vom Höchststand mit 181 US-Dollar im vorletzten Jahr.

Der Preis für Kohle zur Energieerzeugung, die sogenannte Kesselkohle, kannte seit fast drei Jahren praktisch nur eine Richtung – nach unten. Wurden für eine Tonne australischer Kohle im Januar 2011 noch 136 US-Dollar gezahlt, so hatte sich zum Tiefststand Ende Juli dieses Jahres die gleiche Menge auf etwas über 77 US-Dollar verbilligt; das Pendant aus Südafrika fiel auf fast 71 US-Dollar pro Tonne. Mit der konjunkturellen Erholung der Weltwirtschaft haben sich auch die Preise von ihren Tiefständen erholt. Der seitdem erfolgte Anstieg um über 17 % auf 84 US-Dollar für südafrikanische Kesselkohle und knapp 11 % für das australische Äquivalent auf 85 US-Dollar zeigen, dass die Talsohle vorerst durchschritten ist. Es ist jedoch fraglich wie nachhaltig die Preissteigerungen sind, da die beiden weltgrößten Exporteure Australien und Indonesien ihre Produktion ausweiten. Der Schiefergasboom in den USA und die dort infolgedessen fallende Nachfrage nach Kohle als Energielieferant sprechen ebenfalls gegen eine nachhaltige Preissteigerung. In anderen Regionen hingegen steigt die Nachfrage. Der niedrige Preis wirkt wettbewerbsfördernd und macht es insbesondere für wachsende Energiemärkte in Asien attraktiv, wieder stärker Kohle zur Energiegewinnung nachzufragen.

Quelle: HWWI

Quelle: HWWI