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UP°-Themencheck Energie
14.11.2013

Die Zahl der Elektroautos auf Deutschlands Straßen nimmt zu. Damit steigt auch der Bedarf an einem bundesweiten Netz elektrischer Ladestationen. Für die Mobilität von Unternehmen birgt diese Entwicklung neue Chancen.

Das bundesweite Netz von Stromtankstellen muss ausgebaut werden. (Foto: picture alliance / Frank May)

Pro Woche entstehen fast 20 neue Stromtankstellen für Elektroautos in Deutschland. Zu dem Schluss kommt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Danach gab es Mitte 2013 bereits rund 4.400 öffentlich zugängliche Lademöglichkeiten, 500 mehr als im Dezember 2012. Von den Unternehmen, die das BDEW befragt hat, verfügen 35 Prozent über mehr als zwei Ladestationen für Elektroautos. Der Energieversorger RWE ist mit circa 1.000 Ladepunkten in über 190 Städten und Gemeinden derzeit führender Anbieter in Deutschland.

Nordrhein-Westfalen auf Platz eins

Im Ländervergleich liegt Nordrhein-Westfalen mit 1.051 öffentlichen Lademöglichkeiten vorne, gefolgt von Baden-Württemberg (916) und Bayern (627). In Bezug auf die Verteilungsdichte ist Berlin mit 312 Ladepunkten Spitzenreiter in der Bundesrepublik. Insgesamt sind nach Angaben des BDEW mittlerweile 652 Städte und Gemeinden mit mindestens einer Stromtankstelle ausgestattet. Ende 2012 waren es noch 580.

Chancen und Risiken im UP°-Themencheck

Aufgrund des zukünftigen Ausbaus von Elektroantrieben und Ladestationen erkennt auch der UP°-Themencheck Chancen für Unternehmer. Ausschlaggebend dafür sind nach der Analyse ein verändertes Mobilitätsverhalten, die Weiterentwicklung des Lastenmanagements und das dringende Gebot, die Luftverschmutzung in den Städten weiter zu reduzieren. Auch Nutzungsstrategien wie E-Car-Sharing oder Leasing von Elektrofahrzeugen spielen für Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Je weiter sich dabei das Netz an Ladestationen verdichtet, desto nachhaltiger und effizienter werden betriebliche Mobilitätskonzepte in Zukunft sein.

Ein infrastrukturelles Risiko bergen laut UP°-Themencheck die hohen Kosten, die mit dem Aufbau eines dezentralen Ladenetzes verbunden sind. Auch die Spitzenwerte der Ladezeiten, zu denen Strom besonders stark nachgefragt wird, belasten das Stromnetz stark. Sofern sich diese Rahmenbedingungen nicht verbessern, könnten Elektrofahrzeuge gegenüber konventionell betriebenen Fahrzeugen einen Wettbewerbsnachteil erleiden. Einen Ansatz für eine Lösung bietet ein intelligentes Netz (englisch Smart Grid), das Strom je nach Verfügbarkeit und Bedarf an die einzelnen E-Ladesäulen weiterleitet.

Neue Ladetechnologien auf dem Weg in den Markt

Wichtige Impulse für eine bessere Ladeinfrastruktur kommen aus der Wirtschaft. Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla will beispielsweise bis Ende kommenden Jahres in Deutschland 40 bis 50 „Super Charger“ einrichten. Das sind Stationen, die das Aufladen eines Elektroautos innerhalb von 20 Minuten möglich machen und kostenfrei nutzbar sein sollen. Tesla-Geschäftsführer Elon Musk kündigte Ende Oktober an, eine große Geldsumme in die Verbreitung dieser Technologie zu investieren.

Eine andere Ladetechnologie mit hohem wirtschaftlichen Potenzial wird derzeit in Modellversuchen getestet: Induktionsschleifen in der Straße. Dabei kann ein Elektroauto zum Beispiel beim Stehen an einer roten Ampel in kürzester Zeit aufgeladen werden, ohne dass ein Stecker angeschlossen sein muss. Die Energieübertragung erfolgt kontaktlos per Wechselstrom über Induktionsflächen, die in die Straße eingelassen sind. Der Bahntechnikkonzern Bombardier engagiert sich für diese Technologie und führt zurzeit Modellversuche mit Straßenbahnen und Bussen durch. Im nächsten Jahr sind erste Tests mit Elektroautos geplant.

Infrastruktur 2020: Potenzial nach oben

Wie lassen sich die aktuellen Zahlen des BDEW in Deutschland interpretieren? Kann die aktuell absehbare Entwicklung den zukünftigen Strombedarf der Elektroautos decken?

Verliefe das Wachstum linear, kämen in Deutschland etwa 1.000 Stromtankstellen pro Jahr hinzu. Bis Ende 2020 wären dann ungefähr 12.000 Lademöglichkeiten öffentlich zugänglich. Als bedarfsgerecht gilt ein Verhältnis von 15 Autos zu einer Ladestation. Demnach würde die für Ende 2020 prognostizierte Zahl an Ladepunkten den Bedarf von rund 180.000 Elektroautos decken. Die Bundesregierung verfolgt jedoch das Ziel, bis 2020 mindestens eine Million Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf die Straßen zu bringen). Der Bedarf wäre demnach bei Weitem nicht gedeckt.

So weit das Szenario bei linearer Entwicklung. Die Zahl der Ladestationen kann bei entsprechendem Engagement von Wirtschaft und Forschung aber weitaus stärker steigen. Prognosen kann der BDEW bislang nicht liefern, da für einen aussagekräftigen Trend erst weitere Daten erhoben werden müssen. Es sprechen jedoch zahlreiche Wirtschafts- und Forschungsprojekte für einen zusätzlichen Push in der Ladeinfrastruktur. Unternehmen wie RWE, Tesla und Bombardier gehen mit gutem Beispiel voran.

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