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22.05.2013

Das Internet, demografische Faktoren und Konsumsättigung belasten die Einzelhandelsbranche. In der Stadt sind die Probleme kleiner als auf dem Land, heißt es in einer aktuellen Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts, die exklusiv für Unternehmer Positionen Nord erstellt wurde. Hamburg wird in der Analyse besonders gewürdigt.

Supermarkt

Volle Regale, leere Gänge: Der Einzelhandel kämpft gegen verschiedene hartnäckige Trends. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Konzentrationsprozess im Einzelhandel wird sich fortsetzen, die geringen Umsatzsteigerungen der Branche - hauptsächlich getragen von großen Verkaufsflächen in Citylage - reichen für kleinere Marktteilnehmer oft nicht aus. Viele mussten in den vergangenen Monaten ihr Geschäft aufgeben. Aber: Wer im Konzentrationsprozess flexibel und ideenreich agiert, kann als kleiner und mittelständischer Unternehmer erfolgreich Marktnischen besetzen, die von den großen Filialkonzernen nicht abgedeckt werden.

Das ist ein Ergebnis der jüngsten Studie, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) für Unternehmer Positionen Nord, der Mittelstandinitiative der HSH Nordbank, erstellte und in Hamburg am 23. Mai 2013 präsentierte. Unter dem Titel "Einzelhandel im Wandel" erklärt die federführende Wissenschaftlerin Dörte Nitt-Drießelmann: "Während die Verbraucher steigende Anteile am Konsum für das Wohnen - einschließlich Strom, Wasser, Gas - verwenden, reduziert sich der Anteil des Einzelhandels an den Konsumausgaben seit Anfang der 90er Jahre stetig."

Lebensmittelanbieter in Sonderrolle

Bei Möbeln, Haushaltswaren, Bekleidung und Schuhen zeigten sich Sättigungstendenzen - die Haushalte seien ausreichend mit diesen Produkten ausgestattet. Zudem steige das Durchschnittsalter der potenziellen Käuferschar. Als Folge der demografischen Entwicklung sei bundesweit von nur gering steigenden, beziehungsweise stagnierenden Einkommen auszugehen.

Hinzu käme als weitere Belastung für den Einzelhandel der wachsende Marktanteil, den die Internetanbieter sich in den verschiedensten Bereichen hinzu erobern. Dieses Thema müssten die Einzelhändler mit dem klassischen, stationären Angebotsmodell unbedingt ebenfalls anbieten, beziehungsweise ausbauen, rät Nitt-Drießelmann.

Eine Sonderstellung im Einzelhandel bekleideten die Lebensmittelanbieter, weil diese auch künftig überwiegend wohnortnah nachgefragt werden würden. Bei den anderen Warengruppen sei aber bereits heute ein starker Trend erkennbar, der laut der HWWI-Studie Bestand haben dürfte: Der Einzelhandel - insbesondere Filialisten und Franchisenehmer - dränge verstärkt in die 1A-City-Lagen, in wachsende Regionen und Städte.

Emotion beim Einkauf

Während das Konzept der Einkaufscenter auf der grünen Wiese nicht mehr zünde und sich stattdessen Leerstände und Substanzverfall an den Gebäuden zeigten, sähen die Perspektiven für die zentrumsnahen Handelszonen besser aus. Aufgrund hoher Synergie- und Verbundeffekte könne man für diese Einzelhandelsstandorte ebenso wie für Shoppingcenter die besseren Zukunftsperspektiven in Aussicht stellen. Sie bedienten auch ein wachsendes Interesse der Verbraucher nach emotionalen Einkaufserlebnissen.  

Exemplarisch wird in der Studie am Beispiel Hamburg aufgelistet, wie die Attraktivität von Innenstädten in Metropolen steigen kann. Während der Umsatz im Einzelhandel in den Jahren 1992 bis 2003 lediglich stagnierte, stieg er bis 2010 um 400 Millionen Euro an. Die Hansestadt ziehe zunehmend Kunden aus dem Umland und Touristen an, die den Einzelhandel belebten. Während 1992 noch 11,6 Prozent der Kaufkraft von außen zuflossen, waren es 18 Jahre später bereits 15,4 Prozent. Ähnlich wie Berlin - und im Gegensatz zu München - sei Hamburg polyzentrisch strukturiert, halte also neben der City eine Vielzahl von attraktiven Bezirks- und Stadtteilzentren bereit.

Widrige Zeiten, aber nicht in Hamburg

Übersichtskarte Deutschland

Übersichtskarte Deutschland: Einkaufswüsten und -oasen (Quelle: GfK)

55 Prozent der Betriebe in der Hamburger City sind inhabergeführt, nur wenige könnten aber die Aufwendungen für erstklassige Lagen erbringen. Sie sind überwiegend in 1B- und den 2A/2B-Lagen zu finden, während sich an den Top-Plätzen zunehmend Filialbetriebe, Franchiseunternehmen sowie Flagshipstores der Großunternehmen ausbreiteten. Die inhabergeführten Adresse profitierten jedoch auch an den weniger teuren Lagen von der Sogwirkung, die Malls und Center ausübten.