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HWWI Rohstoffpreisindex
08.01.2013

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) analysiert seit mehr als 30 Jahren die Bewegungen auf den Rohstoffmärkten. Die Analyse des Jahres 2012 ergibt, dass nicht nur Kohle und Eisenerz sondern auch Öl sich im vergangenen Jahr verbilligten. Die Indizes für Ölsaaten und Getreide dagegen stiegen im zweistelligen Prozentbereich an. Das HWWI nennt die Gründe für die starken Preisschwankungen.

Eine extreme Trockenperiode in den USA 2012 zerstörte unter anderem die dortige Sojaernte. Der HWWI-Rohstoffpreisindex für Nahrungsmittel stieg daraufhin stark an. (Foto:picture alliance / landov)

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist von Jahresbeginn bis Ende 2012 um 0,9 Prozent auf US-Dollar-Basis zurückgegangen, während er sich auf Eurobasis um 2,9 Prozent reduzierte. Die Teilindizes entwickelten sich dabei zum Teil sehr unterschiedlich. So erhöhten sich der Teilindex für „Getreide“ um 10 Prozent (in Euro: 7,9 Prozent) und der für Ölsaaten um 15,4 Prozent (in Euro: 13,1 Prozent) im Jahresverlauf 2012. Dagegen reduzierten sich besonders die Indexwerte für „Genussmittel“ um 20,2 Prozent (in Euro: -21,8 Prozent), „Kohle“ um 16,6 Prozent (in Euro: -17,9 Prozent) und  „Eisenerz, Stahlschrott“ um 4,9 Prozent (in Euro: -6,8 Prozent).  Öl verbilligte sich im Jahreszeitraum leicht um 0,6 Prozent (in Euro: -2,4 Prozent).

Der HWWI-Rohstoffpreisindex ist ein Produkt der HWWI Consult GmbH.

Im Jahr 2012 unterlag der Ölpreis kräftigen Schwankungen. Zu Anfang des Jahres bestimmte der Streit zwischen dem Iran und den westlichen Ländern um das iranische Atomprogramm den Ölmarkt. Zu dem damaligen Zeitpunkt war der Iran hinter Saudi Arabien noch der zweitgrößte Ölproduzent in der OPEC. Inzwischen hat der Irak den Iran bei der Ölförderung überholt. Der Preis für das Brentöl, die für Europa zentrale Ölsorte, stieg im März auf über 127 US-Dollar pro Barrel und näherte sich damit dem Höchststand vom Sommer 2008, als der Preis bei über 145 US-Dollar pro Barrel lag. Marktbeobachter befürchteten, dass der Iran die für den Ölhandel wichtige Seestraße von Hormus im Zuge einer kriegerischen Auseinandersetzung sperren könnte. Zudem wurde befürchtet, dass das von der EU für den Sommer angekündigte Importembargo für iranisches Öl den internationalen Ölmarkt verknappen könnte.

Es kam jedoch anders: Zwar reduzierte sich die iranische Ölproduktion mit dem Start des EU-Importstopps, jedoch glichen andere Ölproduzenten wie Saudi Arabien, der Irak und Libyen die Ausfälle mehr als aus. Schlechtere weltweite Konjunkturaussichten und eine damit verbundene sinkende Ölnachfrage beeinflussten zunehmend den Ölpreis. Im Juni notierte Brentöl bei unter 90 US-Dollar pro Barrel. Besonders in den beiden folgenden Monaten erhöhte sich der Ölpreis wieder, sodass er zu Jahresende nur noch 3,1 Prozent unter seinem Stand von Anfang Januar war. Im Jahresdurchschnitt war das Brentöl 2012 mit 111,6 US-Dollar pro Barrel noch nie so teuer wie zuvor.  Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber 2011, als der durchschnittliche Preis bei 111,3 US-Dollar lag.

Erhöhte Gasförderung drückt Kurs für Kohle

Kohle zählte zu den Rohstoffen im HWWI-Index, die am stärksten im Jahr 2012 nachgaben. Die Kohlenachfrage ist aufgrund der stark gestiegenen Förderung von unkonventionellem Gas in den USA zurückgegangen. Anstelle von Kohle wird dort zunehmend Gas für die Energieversorgung verwendet, was die Kohlenachfrage senkt und die Kohlepreise unter Abwärtsdruck setzt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat notierte Kohle im Dezemberdurchschnitt 2012 um 16,2 Prozent (in Euro: -15,6 Prozent) niedriger.

Neben Kohle gab auch Eisenerz im Index nach, das neben Aluminium und Kupfer am stärksten im Unterindex „Industrierohstoffe“ gewichtet ist. Ende August lag der Eisenerzpreis zeitweise 37,4 Prozent  unter seinem Stand von zu Beginn des Jahres.  In den letzten Monaten des Jahres 2012 hingegen zogen die Eisenerzpreise mit der Hoffnung chinesischer Infrastrukturprojekte wieder an, sodass sie im Monatsdurchschnitt Dezember 2012 nur noch um 5,6 Prozent niedriger lagen als im Dezember 2011. Eisenerz wird besonders für die Stahlproduktion eingesetzt. Aber nicht nur der Eisenerzpreis erhöhte sich im Zuge der Infrastrukturpläne in China sondern auch die NE-Metalle; so verteuerten sich Blei um 12,7 Prozent (in Euro: 13,9 Prozent) Aluminium um 10,3 Prozent (in Euro: 5,5 Prozent) und Kupfer um 4,5 Prozent (in Euro: -0,1 Prozent)seit Ende August. Dies trug wesentlich dazu bei, dass sich der Unterindex „Industrierohstoffe“ seitdem um 12,3 Prozent (in Euro: 7,3 Prozent) erhöhte. Wird der Monatsdurchschnitt Dezember 2012 mit dem entsprechenden Dezemberwert aus dem Vorjahr vergleichen, so hat er sich jedoch um 1,8 Prozent (in Euro: -1,4 Prozent) reduziert. Dabei hat sich besonders Baumwolle mit 16 Prozent (in Euro: -15,6 Prozent) verbilligt. Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Preise für Industrierohstoffe lag in dem schwächeren Wachstum der Weltkonjunktur, was die Rohstoff-nachfrage negativ beeinflusste.

Mais-Missernte lässt Preis hochschnellen

Der Index für Nahrungsmittel bewegte sich in der ersten Jahreshälfte 2012 seitwärts, fing dann jedoch im Sommer des Jahres an kräftig zu steigen. Hauptgrund hierfür war die extreme Trockenheit in den USA, die dort die Soja- und Maisernte zerstörte. Während sich Mais um 8 Prozent (in Euro: 5,8 Prozent) im Zeitraum Anfang Januar bis Ende Dezember 2012 verteuerte, stieg der Weizenpreis im gleichen Zeitraum um 15,9 Prozent (in Euro: 13,6 Prozent) und Sojaschrot sogar um 34,3 Prozent (in Euro: 31,7Prozent). Zwischenzeitlich im August waren die Mais- und Weizenpreise um fast 30 Prozent angestiegen, sanken dann aber wieder.

Dass es bei diesen Preiserhöhungen 2012 in einigen Entwicklungsländern nicht zu vergleichbaren Hungerkrisen kam wie im Jahre 2008, lag wesentlich an dem über das Jahr stabil gebliebenen Reispreis. Preisrückgänge waren 2012 bei Zucker mit 16,3 Prozent (in Euro: -17,9 Prozent) und Kaffee mit 30,4 Prozent (in Euro:  -31,8 Prozent) zu verzeichnen. Bei beiden Rohstoffen führten gute Ernten in Brasilien zu einem erhöhten Angebot.

Gute Sojaernte in Argentinien und Brasilien

Weizen und Sojabohnen gehörten zu den Rohstoffen, die im Jahre 2012 die höchsten Preissteigerungen im HWWI-Rohstoffpreisindex zu verzeichnen hatten. Wesentlich für die Preissteigerungen waren Ernteausfälle in wichtigen Anbauregionen: Bei den Sojabohnen war es eine schlimme Trockenheit im mittleren Westen der USA, während bei Weizen eine Hitzewelle die Ernten in der Schwarzmeerregion zerstörte. Das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium rechnet nach ihren neusten Schätzungen damit, dass die Weizenernte der Erntesaison 2012/13 in Russland und der Ukraine um etwa 30 Prozent niedriger ausfallen wird als noch in dem Jahr davor. Zwischenzeitlich in 2012 setzten Befürchtungen, Russland könne aufgrund der schlechten Ernten seine Weizenexporte stoppen, den internationalen Weizenmarkt zusätzlich unter Druck.

Neben den Weizenlagerbeständen gingen auch die internationalen Lagerbestände an Sojabohnen zurück. Dies ist nicht nur auf Angebotsausfälle zurückzuführen, sondern China hat seine Nachfrage nach Sojabohnen auch kräftig für Tierfutter erhöht. Für die neue Erntesaison 2012/13 richtigen sich viele Hoffnungen auf gestiegene Erntemengen aufgrund günstiger Wetterbedingungen in Argentinien aber vor allem in Brasilien.

Langfristige Entwicklung (Monatswerte)