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11.12.2012

Die norddeutsche Wirtschaft könnte von einem weltweiten Konjunkturaufschwung überdurchschnittlich profitieren – insbesondere in Hamburg und Niedersachsen. So lautet ein Ergebnis der aktuellen Konjunkturstudie Norddeutschland, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut im Auftrag von Unternehmer Positionen Nord erstellt hat. Als Grund nennen die Experten den verhältnismäßig hohen Anteil des produzierenden Gewerbes sowie die überdurchschnittliche Arbeitsproduktivität in den Regionen.

Am HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) wird das größte Schiff der Welt, die „CMA CGM Marco Polo“, abgefertigt (Foto: Hamburger Hafen und Logistik AG)

Das größte Containerschiff der Welt lief in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch den Hamburger Hafen an. Der knapp 400 Meter lange Frachter „Marco Polo“ der französischen Reederei CMA CGM fasst bei Vollbeladung 16.000 Standardcontainer und ist damit ein Symbol für die weiter fortschreitende Globalisierung.

Und von dieser weltweiten Wirtschaftsentwicklung zeigt sich auch die norddeutsche Konjunktur zumindest in Teilen abhängig. Das ist ein Ergebnis der in dieser Woche vorgestellten Studie „Konjunktur in Norddeutschland 2012/13“ des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). „Durch eine allmähliche Erholung der Konjunktur in wichtigen außereuropäischen Volkswirtschaften dürfte auch der Welthandel wieder Fahrt aufnehmen“, so die Prognose von Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des HWWI.

„Insbesondere Hamburg und Niedersachsen mit ihren Häfen würden von einer Belebung des Welthandels verstärkt partizipieren“, so Prof. Dr. Michael Bräuninger vom HWWI. (Foto: HSH Nordbank)

Ungeklärte politische Situation

Damit würden sich auch wichtige Rahmenbedingungen für die Unternehmen in Norddeutschland verbessern. „Zu einer nachhaltigen konjunkturellen Belebung wird es jedoch nur kommen, wenn sich auch die Lage im Euroraum stabilisiert“, so der Ökonom. Das Wachstum im Norden könne dann wegen der stärkeren Außenhandelsorientierung sogar etwas stärker ausfallen als auf Bundesebene.

„Insbesondere Hamburg und Niedersachsen mit ihren Häfen würden von einer Belebung des Welthandels verstärkt partizipieren“, so Bräuninger. Wichtig sei allerdings, dass sich die Krise im Euroraum nicht wieder verstärke. Dabei verweist Bräuninger auf die ungeklärte politische Situation in Italien nach dem angekündigten Rücktritt des derzeitigen Ministerpräsidenten Mario Monti.

Wachstum im Gleichschritt

Einen hohen Handlungsbedarf aufseiten der Politik sieht auch HSH-Chefvolkswirt Dr. Cyrus de la Rubia. „Allerdings haben die Aussagen von Mario Draghi zuletzt zu einer deutlichen Marktberuhigung in der Eurokrise beigetragen“, so de la Rubia über den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB).

Für das laufende Jahr erwartet das HWWI ein Wachstum von rund 0,7 Prozent in Deutschland, nachdem die Zunahme der Wirtschaftsleistung in der ersten Jahreshälfte noch bei 1,1 Prozent gelegen hatte. „Norddeutschland bewegte sich von Januar bis Juni mit einem Plus von 1,3 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt, büßte dann jedoch seinen Vorsprung ein und wird am Jahresende in etwa gleichauf mit dem Bund liegen“, so die Prognose Bräuningers.

Starke Industrie in Niedersachsen

Innerhalb der norddeutschen Bundesländer fielen die Wachstumsunterschiede jedoch erheblich aus. Spitzenreiter 2012 sind Bremen und Niedersachsen mit Zuwachsraten von einem Prozent. „In Niedersachsen dominierte dabei die starke Industrie mit dem Automobilhersteller VW und den entsprechenden Zulieferern, die vom Wirtschaftswachstum in China und den asiatischen Schwellenländern profitieren konnten“, so Bräuninger.

Auch Hamburg behauptet sich mit einem Plus von 0,6 Prozent. „Neben der guten Geschäftslage beim Flugzeughersteller Airbus schlägt hier der hohe Dienstleistungsanteil positiv zu Buche“, heißt es in der HWWI-Studie. Leicht abgeschlagen folgen dann die stark von der Landwirtschaft und dem Tourismus geprägten Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern mit 0,5 Prozent und Schleswig-Holstein mit 0,4 Prozent prognostiziertem Wachstum.

Arbeitslosigkeit sinkt

Als robust hat sich der Arbeitsmarkt in Norddeutschland erwiesen. So stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im ersten Halbjahr 2012 erneut kräftig an. „Die Beschäftigungsentwicklung war im Norden sogar noch günstiger als im Bundesdurchschnitt“, so Bräuninger. Spitzenreiter war hier Niedersachsen vor Hamburg.

Für 2013 rechnet der HWWI-Volkswirt zunächst mit einer weiter angespannten Situation, die sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren könnte. Auch für die norddeutsche Konjunktur mit ihrer starken Exportfundierung sei die Prognosesituation unsicher: „Die Lösungsansätze in den europäischen und amerikanischen Schuldenkrisen ist durch ein hohes Maß an Unwägbarkeiten gekennzeichnet, sodass für den Fall einer Entspannung auch hierzulande eine Stabilisierung des jüngsten Konjunkturverlaufs denkbar wäre“, heißt es in der HWWI-Studie.