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HWWI Rohstoffpreisindex
07.11.2012

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) analysiert seit mehr als 30 Jahren die Bewegungen auf den Rohstoffmärkten. Den Wissenschaftlern zufolge wirkt sich das langsamere Wirtschaftswachstum in China aktuell auf den Kupferpreis aus – im Oktober verbilligte sich das Metall in Euro um 5,4 Prozent.

Ein Arbeiter blickt auf Kupferrohre. China fragt etwa 40 Prozent der globalen Kupferproduktion nach. Sinkt diese Nachfrage, fällt auch der Preis für das Metall.

China fragt etwa 40 Prozent der globalen Kupferproduktion nach. Sinkt diese Nachfrage, fällt auch der Preis für das Metall. (Foto: picture alliance / Xu ruiping – Imaginechina)

Der HWWI-Rohstoffpreisindex sank im Oktober im Vergleich zum Vormonat auf US-Dollar-Basis um 2,5 % und in Euro berechnet um 3,5 %. Damit liegt der Index in US-Dollar etwa auf dem Stand von vor einem Jahr, während er mit 5,8 % auf Euro-Basis etwas höher notiert. Im letzten Monat sanken besonders die Preise für Ölsaaten und Öle, die sich um 8 % im Vergleich zum Vormonat reduzierten (in Euro: -8,9 %). Bei den Energieträgern verbilligte sich Kohle um 6,3 % (in Euro: -7,2 %) und Rohöl um 2,7 % (in Euro: -3,7 %). Während der Teilindex für Nahrungs- und Genussmittel um 4,2 % (in Euro: -5,1 %) ebenfalls nachgab, stieg der Teilindex Eisenerz, Stahlschrott dagegen im Gesamtindex um 8,4 % (in Euro: 7,4 %) an.

Senkend wirkte sich auf die Rohölpreise im Oktober aus, dass die Internationale Energieagentur ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage für das Jahr 2012 nach unten korrigierte. Zudem hat sich der Preisunterschied zwischen der amerikanischen Ölsorte WTI und dem europäischen Brentöl im letzten Monat wieder vergrößert. Während WTI-Öl im Monatsdurchschnitt um 5,5 % (in Euro: -6,3 %) billiger wurde, sank der Preis für Brentöl um 1,1 % (in Euro: -2,1 %) vergleichsweise wenig. Ende Oktober notierte Brentöl bei annähernd 110 US-Dollar pro Barrel, WTI-Öl dagegen bei rund 86 US-Dollar. Der Grund für den Preisunterschied liegt in den hohen Lagerbeständen im mittleren Westen der USA. Das Ölangebot ist dort gestiegen, weil die USA und Kanada ihre Ölförderung ausgedehnt haben. Die Förderung in der Nordsee ist dagegen seit den letzten Jahren rückläufig.

Nachdem die Preise für Mais und Sojabohnen auf Höchststände gestiegen waren, gaben sie im letzten Monat um 2 % (in Euro: -3 %) bzw. 8,3 % (in Euro: -9,2 %) nach. Bei Sojabohnen führten Erwartungen über eine besonders gute Ernte in Südamerika zu den Preissenkungen. Hinter den USA werden in Brasilien und Argentinien die größten Mengen an Sojabohnen angebaut. Beim Mais nutzten einige Anleger die zuvor stark angestiegenen Preise, um Gewinne zu realisieren. Der Teilindex für Getreide sank im Monatsdurchschnitt 1,5 % (in Euro: -2,5 %), liegt aber noch um 17,8 % (in Euro: 24,6 %) höher als im Vergleich zum Oktober 2011. Im Oktober wirkten sich beim Weizen Meldungen über schlechtere Ernteaussichten in Australien preissteigernd aus. Das Wetter ist dort in den Anbaugebieten zu trocken für die aktuelle Jahreszeit. Seit Mitte des Monats verteuerte sich Weizen um gut 2,5 %.

Der Teilindex für NE-Metalle gab im Oktober im Vergleich zum Vormonat um 2,1 % (in Euro: -3 %) nach. Besonders verbilligten sich im Monatsdurchschnitt Zink um 4,8 % (in Euro: -5,7 %) und Aluminium um 4 % (in Euro: -4,9 %). An den beiden letzten Handelstagen im Oktober stiegen die NE-Metalle an, als in China bessere Industriezahlen veröffentlicht wurden. Der Eisenerzpreis stieg im Oktober um 15,4 % (in Euro: 14,4 %) und erholte sich damit etwas von den starken Preisrückgängen in den letzten Monaten, notiert aber noch um 23,6 % (in Euro: -19,3 %) niedriger als vor einem Jahr.

Grafik der Aluminium- und Kupferpreisentwicklung seit 1999

Seit Anfang bis Ende Oktober hat sich Aluminium um 9 % (in Euro: -10 %) und Kupfer um 4,5 % (in Euro: -5,4 %) verbilligt. Beide Metalle werden bei schwächerer Weltkonjunktur weniger nachgefragt. In etwa 40 Prozent der globalen Kupferproduktion wird von China nachgefragt. Daher hat sich das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft auch umgehend auf die Kupferpreise ausgewirkt. Kupfer wird zu einem großen Teil in der Elektroindustrie verwendet und dient zur Herstellung von elektrischen Leitungen. Aluminium dagegen wird besonders im Fahrzeugbau und der Verpackungsindustrie eingesetzt. Für die Produktion von Kupfer und Aluminium aus Bauxit durch Elektrolyse ist zudem ein großer Energieeinsatz notwendig. Die hohen Elektrizitätskosten und der vergleichsweise hohe Ölpreis dürften daher die Aluminium- und Kupferhersteller weiterhin unter Druck setzen. Neben der schwächeren Weltkonjunktur wirken beim Aluminium vor allem Überkapazitäten preissenkend. Zusätzliche Förderkapazitäten in Chile dürften dagegen einen dämpfenden Einfluss auf den Kupferpreis haben. Jedoch haben in der Vergangenheit Streiks in chilenischen Minen immer wieder zu Preissteigerungen  beim Kupfer geführt. Abzuwarten bleibt es, wie sich vor dem Hintergrund des neuen chinesischen Konjunkturprogramms die Aluminium- und Kupfernachfrage entwickeln wird. Sollte die chinesische Wirtschaft wieder stärker wachsen, würde sich dies preissteigernd auf die Preise der beiden Metalle auswirken.

Grafik der Preisentwicklung von Aluminium seit 2008
Grafik der Preisentwicklung von Kupfer seit 2008