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Wissenschaft

Internationaler Mais- und Weizenmarkt unter Druck

05.10.2012

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) analysiert seit mehr als 30 Jahren die Bewegungen auf den Rohstoffmärkten. Die derzeit hohe Volatilität bei den Getreidenotierungen auf dem Weltmarkt ist nach den Beobachtungen der Wissenschaftler nicht allein auf magere Ernteerträge zurückzuführen.

Schlimmste Dürre seit Jahrzehnten: Die Ernteausfälle in den USA lassen die Preise für Getreide in die Höhe schnellen. (Foto: picture alliance / dpa)

Von Leon Leschus

Seit Mitte Juni erhöhte sich der HWWI-Index für Getreide um mehr als 28,5 Prozent auf US-Dollar-Basis (in Euro: + 24,6 Prozent). Besonders Mais verteuerte sich im Index. Die Preissteigerungen setzten ein, als in den USA die Ernteaussichten für Mais aufgrund einer Trockenheit erheblich nach unten korrigiert werden mussten. Ein zentraler Grund hierfür lag in der schlimmen Dürre im Mittleren Westen der USA, durch die Ernten stark beschädigt wurden. Die USA als der wichtigste weltweite Maisexporteur weisen so niedrige Maislagerbestände auf wie seit Jahren nicht mehr. Seit Anfang Juni bis Ende September sind die Preise für Mais in US-Dollar um 35,7 Prozent (in Euro: 28, 7 Prozent) angestiegen. Zwischenzeitlich hatten sich die Preise sogar um gut 46 Prozent erhöht.

Im Zuge der Preisanstiege beim Mais sahen sich einige der Viehzüchter in den USA gezwungen, ihren Bestand zu reduzieren. Auch führte der teurere Mais dazu, dass in den USA verstärkt diskutiert wird, im Land weniger Mais für die Bioethanolproduktion einzusetzen. Derzeit wird in etwa 40 Prozent der Maisernte in den USA für die Erzeugung von Bioethanol verwendet. Nur ein Teil davon kann in Form von „Presskuchen“, der als Nebenprodukt anfällt, für die Verfütterung an Vieh ver-wendet werden. Die Bioethanolproduktion herunterzufahren, ist in den USA jedoch politisch schwierig durchzusetzen, da zum einen zunehmende Bioethanolmengen die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren soll und zum anderen viele Arbeitsplätze an der Bioethanolindustrie hängen.

Entwicklung des Maispreises seit Juli 2008 / Quelle: HWWI

Neben Mais verteuerte sich auch Weizen. Von Anfang Juni bis Ende September stieg der Weizenpreis um 45,4 Prozent in US-Dollar (in Euro: 38 Prozent) an. Diese Preissteigerung ist darauf zurückzuführen, dass in der Schwarzmeerregion trockenes Wetter negativ den Weizenanbau beeinflusste. Russland, die Ukraine und Kasachstan haben einen Anteil von einem Viertel am internationalen Weizenexport. Bauern hielten Ernten zurück, in der Hoffnung, der Preis für Weizen würde noch weiter ansteigen. Ein weiterer Preistreiber war zudem die Befürchtung, dass Russland seine Weizenexporte drastisch senken könnte. Nach den schlimmen Ernteausfällen in Russland im Spätsommer 2010, die zu einem Exportstopp führten, war der internationale Weizenmarkt schon einmal stark unter Druck geraten. Der Exportstopp hatte dazu geführt, dass die Weizenversorgung der russischen Bevölkerung sichergestellt wurde und die Weizenpreise im internationalen Vergleich niedrig waren. Die Kehrseite dessen war, dass die Bauern nicht nur unter ihren Ernteausfällen litten sondern dass ihnen auch der Weg zum internationalen Markt, und damit zu höheren Preise versperrt war.

Entwicklung des Weizenpreises seit Juli 2008 / Quelle: HWWI

Von kräftigen Preissprüngen bei Getreide sind besonders die Menschen in ärmeren Ländern betroffen, die einen Großteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben müssen. Vor allem Länder, die auf Getreideimporte angewiesen sind, trifft es hart. Im Jahre 2008 war die Situation auf dem internationalen Getreidemarkt so angespannt, dass Menschen in vielen Entwicklungsländern auf die Straße gingen und gegen die hohen Preise demonstrierten. Vor 2006 waren die nominalen Mais- und Weizenpreise jahrelang relativ stabil gewesen (siehe folgende Abbildung) und sind real, das heißt deflationiert mit der Verbraucherpreisentwicklung, sogar gesunken.

Entwicklung der Mais-und Weizenpreise seit 1999 / Quelle: HWWI

Zurzeit ist die Situation nicht so drastisch wie 2008. Dies liegt vor allem daran, dass die Reisernte, die für die Bevölkerung in Afrika und Asien eine noch größere Bedeutung hat als die Mais- und Weizenernte, in diesem Jahr gut ausgefallen ist. Auch die Reislager konnten aufgestockt werden.
 
In der Zukunft könnte es durch den Klimawandel verstärkt zu Ernteausfällen beim Getreide kommen. Dies würde zu Preissteigerungen führen. Zunehmend ziehen Menschen weg vom Land in Großstädte. Die Nachfrage nach Getreide wird durch die wachsende Weltbevölkerung zunehmen. Außerdem steigt die Nachfrage, weil in den aufstrebenden Schwellenländern sich immer mehr Menschen mit Fleisch ernähren. Gerade daher wird es in Zukunft wichtig sein, dass die Ernteerträge in den Entwicklungsländern durch geeignetes Saatgut, Düngemittel und Bewässerungssysteme verbessert werden. In manchen Regionen Afrikas fehlt auch die Infrastruktur, um die Ernte zu den Märkten zu transportieren. Insofern sind erhebliche Investitionen notwendig. Steigende Preise für Nahrungsmittel zeigen deren Rentabilität.

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