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Wissenschaft
18.09.2012

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) analysiert seit mehr als 30 Jahren die Bewegungen auf den Rohstoffmärkten. Lesen Sie im Folgenden die derzeitigen Preisentwicklungen der wichtigen Rohstoffe Eisenerz und Kohle auf dem Weltmarkt.

Die Entwicklung des Kohlepreises hat weltweit Folgen – besonders für Unternehmen aus der Bau- und Automobilbranche. (Foto: picture alliance / Cultura)

Weltwirtschaftsentwicklung schlägt sich in Eisenerz- und Kohlepreisen nieder

Der Kurs von Eisenerz notiert 21 Prozent niedriger als zu Jahresbeginn und 27 Prozent geringer als der diesjährige Höchststand im April. Auch der Kohlepreis ist deutlich gefallen. Seit Jahresanfang 2012 ist er um rund 20 Prozent gesunken und seit dem Jahreshöchstwert im Februar um 27 Prozent. Der Preisverfall für Eisenerz und Kohle in den letzten Wochen wird sich weiter fortsetzen. Dabei sind Eisenerz und Kohle aufgrund ihrer hohen Bedeutung für die Industrie – besonders für die Bau- und Automobilbranchen - Indikatoren für die Erwartungen zur Entwicklung der Weltwirtschaft. In den fallenden Preisen zeigen sich die Krise der Euro-Zone sowie die schleppende Entwicklung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten. Auch eine Erholung durch einen Aufwärtstrend in China scheint wegen der sich dort eintrübenden Wachstumsaussichten eher unwahrscheinlich. So verzeichnet die Volksrepublik das geringste Wirtschaftswachstum seit der globalen Krise 2008. Dies ist wesentlich auf die sinkenden Exporte in die Euro-Region zurückzuführen.

Sinkende Nachfrage und ausreichendes Angebot drücken die Preise

China nimmt auf Märkten für Eisenerz und Kohle eine Schlüsselrolle ein. In der vergangenen Dekade ist die Nachfrage in dem weltweit größten Eisenerz- und Kohle-Verbraucher massiv gewachsen was zu einem regelrechten Preisboom bei den Rohstoffen geführt hat. Jetzt sinkt jedoch die globale Stahlnachfrage. Dies hat Chinas Nachfrage nach Eisenerz gebremst. Die Eisenerzimporte sind den zweiten Monat in Folge gesunken.

Auch von der Angebotsseite entsteht Druck auf die Preise. Das Angebot an Eisenerz im Spot-Markt ist derzeit mehr als ausreichend. Außerdem führen volle Läger zu weiter sinkenden Eisenerzpreisen: Mit 97 Mio. Tonnen bewegen sich die Vorräte in den chinesischen Haupthandelshäfen nahe an den Rekordständen. Bei Kohle hat China seine Lieferverträge geändert und importiert Kohle statt von Australien jetzt zunehmend aus der Mongolei; damit wirken sich die dortigen geringeren Förderkosten ebenfalls preissenkend aus.

Die fallenden Preise zeigen mittlerweile Auswirkungen bei den großen Produzenten. Rio Tinto und BHP Billiton, zwei der größten Produzenten haben bereits mit Sparmaßnahmen auf den Preisrutsch reagiert. Bei Kohle sind Folgen in der Bergwerksindustrie zu sehen. Einzelne Kohleminen wurden geschlossen, da sie bei dem geringen Preisniveau nicht lukrativ fördern können.

„Fracking“ hat Folgen für den Kohlemarkt

Bei Kohle ist nicht nur die Stahlproduktion sondern auch die Energieerzeugung für die Nachfrage entscheidend. Hier reduzieren elementare Veränderungen die Nachfrage. So findet ein Wechsel von Kohle zu erneuerbaren Energien und zu Gas statt. Der Wechsel zu Gas hat sich zuletzt beschleunigt, da die Vereinigten Staaten ihre Gasförderung speziell im Bereich der Schiefergas-Gewinnung massiv ausgeweitet haben. Mit dem Fracking-Verfahren werden diese unkonventionellen Gasvorkommen erschlossen. Die Vereinigten Staaten haben die weltweit zweitgrößten Schiefergas-Gasvorkommen. Dies erlaubt es ihnen die Kohleverstromung zu reduzieren.

Entwicklung des Eisenerzpreises 2012 / Quelle: HWWI; Chinesische Eisenerzimporte, 62% FE spot, CFR, Tianjin, US$/Mt

Entwicklung des Kohlepreises 2012 / Quelle: HWWI; Kesselkohle, Australien, Spot-Durchschnittspreis, fob, Newcastle, US$/t

Entwicklung des Eisenerzpreises in den vergangenen 12 Jahren / Quelle: HWWI; Chinesische Eisenerzimporte, 62% FE spot, CFR, Tianjin, US$/Mt

Entwicklung des Kohlepreises in den vergangenen 12 Jahren / Quelle: HWWI; Kesselkohle, Australien, Spot-Durchschnittspreis, fob, Newcastle, US$/t