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Wissenschaft

Konjunktur in Norddeutschland wächst uneinheitlich

24.04.2012

Das HWWI präsentierte in Hamburg diese Woche die Ergebnisse der von UP in Auftrag gegebenen Prognose "Konjunktur in Norddeutschland 2012". (Foto: HSH Nordbank)

Die norddeutschen Unternehmer können sich im laufenden Jahr auf ein stabiles Wirtschaftswachstum einstellen. Das ist das Ergebnis der „UP-Konjunkturprognose Norddeutschland 2012“, die das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) im Auftrag von Unternehmer Positionen Nord erstellt und diese Woche in Hamburg vorgestellt hat. „Die zuletzt etwas eingetrübten Konjunkturerwartungen haben sich zuletzt wieder stabilisiert“, so Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des HWWI. Überrascht hat die Wissenschaftler der deutliche Unterschied des Wachstumstempos zwischen den norddeutschen Ländern. Spitzenreiter des Jahres 2011 sind Niedersachsen und Bremen. Hamburgs Wirtschaftswachstum fällt dagegen erstaunlich schwach aus.

Interview mit Prof. Dr. Michael Bräuninger, dem Forschungsdirektor des HWWI.

  • Prof. Dr. Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des HWWI
  • Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

Über Vorkrisenniveau

Für 2012 erwartet das Institut in den fünf norddeutschen Bundesländern ein durchschnittliches Wachstum von knapp unter 0,5 Prozent. Damit schließe der Norden langsam wieder zum Bundesdurchschnitt auf, hinter dem er im vergangenen Jahr zurückgefallen war. Erstmals habe die gesamtwirtschaftliche Produktion in Norddeutschland wieder das Niveau von vor dem Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 überschritten.

Niedersachsen und Bremen vorn

Doch es gibt regionale Unterschiede beim Wachstum. So legten Niedersachsen und Bremen um jeweils 3,2 Prozent zu. „Damit lagen diese beiden Bundesländer sogar über dem Bundesdurchschnitt“, so Prof. Bräuninger. Grund für die starke Zunahme sei vor allem die Industriestruktur, deren Entwicklung überdurchschnittlich von dem weiterhin hohen Wachstum in den Schwellenländern abhänge.

Wachstumsschwäche in Hamburg

Noch hinter die von Tourismus und Landwirtschaft stark geprägten Länder Schleswig-Holstein (2,2 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (1,5 Prozent) fiel Hamburg zurück. Hier nahm das reale Bruttoinlandsprodukt nur um 1,4 Prozent zu. Bräuninger macht dafür den geringen Anteil wachstumsorientierter Industrien und den breiten Dienstleistungssektor verantwortlich. Was in der Krise stabilisierend gewirkt habe, erweise sich im Aufschwung als Hemmschuh.

Starke Stellung des Hafens

„Allerdings ist das Niveau, zum Beispiel beim Einkommen, in Hamburg weiterhin deutlich höher als in Bremen“, so der Autor der Studie. Der starke Hafen könne die Wachstumsschwäche in Hamburg derzeit allerdings nicht ausgleichen. Laut HWWI machten die direkten Effekte des Hafens in Hamburg einen Anteil von etwa zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus, hinzu kämen Bereiche wie Verkehr, Schiffsfinanzierung und Versicherungen, die oftmals indirekt vom Hafen abhängen.

Standortvorteil Windenergie

Erneuerbare Energien werden die norddeutsche Wirtschaft weiter stärken. „Hier profitieren alle norddeutschen Bundesländer“, so Prof. Bräuninger, „vor allem von der Windenergie gehen positive Effekte aus.“ Das begünstige natürlich die Standorte an der Küste in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, aber auch Hamburg profitiere hier über seine Stärke bei den Dienstleistungen und als potenzieller Unternehmenssitz.

2012 liegt Bremen an der Spitze

Spitzenreiter beim Wachstum 2012 werde jedoch wiederum Bremen sein, dessen Wachstumsrate laut HWWI erneut oberhalb des Bundesdurchschnitts liegen dürfte, gefolgt von Niedersachsen. In Hamburg könnte die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung dabei auch im laufenden Jahr – wenn auch nur noch leicht – hinter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt zurückbleiben.