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Wissenschaft
24.04.2012

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Wachstumsmärkte gefragt. Erneuerbare Energien gehören zweifellos dazu. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut zeigt in einer Studie, wo die höchsten Kapazitäten liegen.

In Schleswig-Holstein dominiert die Windenergie den Wirtschaftszweig der erneuerbaren Energien. (Foto: picture alliance / Arco Images GmbH)

Die Sicherung der Energieversorgung und der Klimaschutz sind die beiden Haupttreiber für die zunehmende Bedeutung der erneuerbaren Energien. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat daher im Auftrag der HSH Nordbank die Studie „Erneuerbare Energien als Hoffnungsträger“ erstellt. Kräftige Preissteigerungen bei vielen fossilen Energieträgern haben im vergangenen Jahrzehnt Besorgnis ausgelöst, denn hohe Energiepreise könnten das Wachstum und die Entwicklung der Wirtschaft hemmen, so die Autoren Prof. Dr. Michael Bräuninger, Dr. Eckhardt Wohlers und Lars Wenzel.

Sichere Energieformen

Hinzu kämen labile politische Rahmenbedingungen in einer Reihe von Ölförderländern, eine wachsende globale Nachfrage sowie eine zunehmende Furcht vor nur endlich vorhandenen fossilen Energieträgern. „All dies hat in vielen Ländern zu einem Umdenken in der Energiepolitik geführt. Schließlich haben die Ereignisse in Fukushima im Jahr 2011 Fragen über die Zukunft der Atomenergie aufgeworfen und in vielen Ländern Zweifel an diesem Energieträger geweckt“, sagt Bräuninger. „Davon haben die erneuerbaren Energien erheblich profitiert, da sie als relativ sicher gelten und vielfach national produziert werden können. Angesichts ihrer wachsenden Bedeutung werden erneuerbare Energien zudem als Zukunftsmarkt gesehen, der sowohl Gewinne als auch Arbeitsplätze verspricht“, so der HWWI-Forschungsdirektor.

Förderung durch Einspeisegesetze

Laut Studie haben inzwischen bereits 98 Länder politische Zielsetzungen zum Thema erneuerbare Energien vorgelegt und Förderpolitiken entwickelt. In mehr als 60 Ländern, davon auch zahlreiche Entwicklungsländer, gibt es danach bereits Ansätze zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Am weitesten verbreitet seien dabei Einspeisegesetze, die dem Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien für einen bestimmten Zeitraum eine festgelegte Vergütung garantieren.

USA vor China und Deutschland

Bei den regenerativen Energien sind – abgesehen von der in vielen Regionen traditionell genutzten Biomasse – die Industrie- und die Schwellenländer führend: „Die USA haben nach wie vor die größten Kapazitäten an erneuerbaren Energien, gefolgt von China, Deutschland, Spanien und Indien“, so Bräuninger. „Diese Länder dominieren auch den Markt bei Windkraftanlagen. Bei Biomassekraftwerken zählen Brasilien und Schweden zur Spitzengruppe. Bei der Fotovoltaik spielen Japan und Italien eine wichtige Rolle.“ Die Europäische Union ist laut Studie der größte Markt für regenerative Energien. „Die Kapazitäten sind hier höher als in den USA, China und Indien zusammen“, so die Autoren. Dies resultiere daraus, dass die EU-Länder den Einsatz regenerativer Energien erheblich gefördert hätten. Zusätzlich wurde ein Emissionsrechtehandel eingeführt, der die Emission von Treibhausgasen mit Kosten verbindet und dadurch erneuerbare Energien unterstützt.

Steigende Investitionen

Gegenstand der Studie waren auch die Investitionen zur Nutzung der erneuerbaren Energie, die sich weltweit von 2004 bis 2010 nahezu verzehnfacht haben. Im Jahr 2010 erreichte sie demnach 211 Milliarden Dollar. Die höchsten Investitionen wurden dabei in China (50 Milliarden Dollar), Deutschland (41 Milliarden Dollar), den USA (30 Milliarden Dollar) und Italien (14 Milliarden Dollar) getätigt. „Die erneuerbaren Energien haben sich zweifelsohne als Zukunftsmarkt etabliert“, so Bräuninger.

Standort Norddeutschland

Zudem analysiert das HWWI die Bedeutung erneuerbarer Energien als Wirtschaftsfaktor für Norddeutschland. So dominieren etwa in Schleswig-Holstein die Windenergie und damit zusammenhängende Wirtschaftszweige. „Fast 80 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien entfällt hier auf die Windenergie“, sagt Bräuninger. Hamburg dagegen sei als Stadtstaat bei der Strom- und Wärmeerzeugung benachteiligt.

Gute Infrastruktur in Hamburg

„Die Stärken der Hansestadt liegen deshalb in der Planung, Entwicklung und dem Vertrieb von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und den dazu notwendigen Dienstleistungen“, so die Autoren. Ein Grund für die Ansiedlung vieler Firmen aus dem Bereich in Hamburg sei die gute Infrastruktur der Hansestadt. „In der Metropolregion gibt es viele gut ausgebildete und hoch qualifizierte Mitarbeiter, eine gute Logistikinfrastruktur und eine hervorragende internationale Anbindung durch den Hafen und den Flughafen“, sagt Bräuninger.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit 

Darüber hinaus besitze Hamburg ein beachtliches Angebot an Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien. „Wenn es Hamburg gelingt, die vorhandenen Stärken zu behaupten oder sogar noch auszubauen, würde das die internationale Wettbewerbsfähigkeit erheblich verbessern“, so Bräuninger. Davon würde dann nicht nur die Hansestadt profitieren, sondern alle norddeutschen Bundesländer.