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28.03.2012

Die wirtschaftliche Lage in Griechenland, Portugal und Spanien ist weiter angespannt. Das Institut für Weltwirtschaft hat die Situation in den drei Ländern zusammengefasst und auch die jüngeren Entwicklungen eingeordnet.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso (rechts) und Griechenlands Premierminister Lucas Papademos müssen keinen Dominoeffekt in Südeuropa erwarten. (Foto: picture alliance / Photoshot)

Griechenland ist mit seinen rund zehn Millionen Einwohnern ein eher kleines Land in Europa, rückte jedoch in den vergangenen Jahren wegen seines hohen Defizits zunehmend in den Fokus. Ein Staatsbankrott hätte die ganze Eurozone in Mitleidenschaft ziehen können. Doch auch andere Länder kämpfen weiter mit wirtschaftlichen Problemen. Die Ökonomen Klaus Schrader und Claus-Friedrich Laaser vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) haben daher in der Studie „Die Krise in Südeuropa oder die Angst vor dem Dominoeffekt. Griechenland, Portugal und Spanien im Krisentest“ die tatsächliche wirtschaftliche Lage in den Ländern transparent gemacht und das wirtschaftliche Potenzial zur Krisenbewältigung im Januar 2012 eingeschätzt.

Griechischer Schuldenschnitt

Der kürzlich erfolgte Schuldenschnitt, ein zweites Rettungspaket, Sparmaßnahmen und ein kräftiges Wirtschaftswachstum sollen die Restschulden Griechenlands auf ein tragfähiges Niveau senken. „Doch so einfach ist es nicht“, sagen die Autoren der Studie. „Die verbleibende Schuldenlast ist größer als erwartet, die erforderliche Haushaltssanierung dürfte den bisherigen Rahmen sprengen und die optimistischen Annahmen über die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands scheinen mit immer größeren Unsicherheiten behaftet zu sein“, so Schrader in einer aktuellen Mitteilung des IfW.

Obwohl private Gläubiger auf 107 Milliarden Euro verzichtet hätten, sinke die Schuldenquote Griechenland wider Erwarten nicht wesentlich, sondern verharre zunächst bei rund 160 Prozent. „Im Rahmen von Schuldenschnitt und zweitem Rettungspaket kommt es zu einer merklichen Verschiebung der griechischen Schuldenlast vom privaten in den öffentlichen Sektor, in geringerem Umfang zu einer wirklichen Entschuldung“, so Schrader.

Portugals Wirtschaftskrise

Ähnlich brisant bleibt laut IfW auch die Situation in Portugal. Das Land müsse nach Angaben der Ökonomen mittlerweile zweistellige Zinssätze für Staatsanleihen zahlen und weise eine Staatsschuldenquote jenseits der 100-Prozent-Marke auf. Hinzu kommen eine andauernde Schrumpfung des Sozialprodukts, eine in Richtung 15 Prozent wachsende Arbeitslosenquote und ein anhaltend hohes Leistungsbilanzdefizit.

Das alles signalisiere eine tiefe Wirtschaftskrise. „Parallelen zum griechischen Niedergang drängen sich geradezu auf. Es verwundert nicht, dass Portugal fast schon als ein zweites Griechenland angesehen wird“, urteilen Schrader und Laaser. Portugal habe allerdings aus realwirtschaftlicher Sicht eine günstigere Ausgangsposition als Griechenland, um über eigene Anstrengungen seine Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Kern eine Strukturkrise sei, zu überwinden.

Offensive Standortpolitik

„Es bedarf seitens der Politik einer Konzentration der knappen staatlichen Mittel auf die unterschiedlichsten Bereiche der Humankapitalbildung, damit Portugal als Standort für höherwertige Produktionen an Attraktivität gewinnt“, so die Autoren. Sparen alleine werde nicht ausreichen. Der portugiesische Staat müsse durch Deregulierung der Wirtschaft unternehmerisches Handeln erleichtern und die Profitabilität von Investitionen in die Realwirtschaft erhöhen. „Portugal benötigt eine Rückbesinnung auf die einstmals offensive Standortpolitik“, so die IfW-Ökonomen.

Spaniens Staatsfinanzen

Anders als Griechenland und Portugal ist Spanien nicht auf Nothilfen angewiesen, sodass es keine Reformverpflichtungen eingehen musste. Doch auch Spanien befinde sich angesichts eines schwächer werdenden Standings auf den internationalen Finanz- und Kapitalmärkten in der Pflicht, seine Staatsfinanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. „Jedoch dürfen sich die notwendigen Reformen nicht auf fiskalpolitische Maßnahmen beschränken“, so die Ökonomen. Diese setzten zwar richtigerweise an den Krisensymptomen an, könnten aber nicht die eigentlichen Problemursachen korrigieren.

Europäische Krisenbilanz

Die Autoren der Studie kommen beim Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland, Portugal und Spanien zu dem Schluss, dass aus realwirtschaftlicher Sicht kein Dominoeffekt zu erwarten sei. Zwar seien alle drei Länder gegenwärtig von krisenhaften Entwicklungen ihrer Wirtschaft und Staatsfinanzen betroffen. Jedoch gebe die Analyse keinen Hinweis darauf, dass im Fall des Zusammenbruchs eines dieser Länder quasi automatisch die anderen ebenfalls umfallen würden.

„Die zu beobachtenden Krisenmuster und -historien sind sehr unterschiedlich, ebenso wie das Problemlösungspotenzial in den einzelnen Ländern“, so Schrader und Laaser. Zu einer Kettenreaktion könne es nur kommen, wenn eine Hysterie auf den Märkten um sich greifen würde, die keine differenzierte Betrachtung mehr zuließe – dann wären aber auch weitere Volkswirtschaften über den Kreis der in der Studie betrachteten Länder hinaus bedroht.