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Mit Smart Home lässt sich die Zugangskontrolle optimieren (© Clay)
Digitalisierung
14.09.2017

Nach einer neuen Studie von Arthur D. Little sollen sich die Smart-Home-Umsätze in Deutschland bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen. Unternehmen helfen die neuen Produkte und Dienstleistungen beim Energiesparen. Auch die Immobilienbranche profitiert vom Wunsch der Kunden nach den neuen Anwendungen.

Energiekosten sparen, Gebäude sicher verschließen sowie Sonneneinstrahlung ins Gebäude durch Verschattung steuern – neue Smart-Home Anwendungen sind für Unternehmen relevant. So sollen einer neuen Studie von Arthur D. Little und dem Internetverband ECO zufolge die höchsten Umsätze bis 2022 in den Marktsegmenten Energiemanagement mit 1,3 Milliarden Euro und Licht- und Fenstersteuerung mit 1,2 Milliarden Euro generiert werden. Der boomende deutsche Smart-Home-Markt wird laut den Marktforschern sein Volumen bis 2022 auf 4,3 Milliarden Euro verdreifachen, die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate soll in den kommenden fünf Jahren bei 26,4 Prozent liegen. „Die Lösungen werden im Gebrauch immer einfacher, was auch an neuen Sprachassistenten wie Google Home oder Alexa liegt,“ sagt Lars Riegel von der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Das wachsende Angebot reicht vom Fenstersensor über digitale Sprachassistenten und Staubsaugerroboter bis hin zu intelligenten Spiegeln.

Dank des steigenden Umweltbewusstseins gewinnt das Thema Energieeffizienz in Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Durch intelligente Kontrollsysteme kann der Energieverbrauch über den Zeitablauf analysiert und optimiert werden. Smarte Heizkörperthermostate können auf Tagesabläufe eingestellt werden. Ein intelligenter Energiemanager trägt mit Auswertungen zu Energieverbrauch und -ausgaben für jedes Gerät und jede Steckdose zur Kostentransparenz bei. „Unternehmen setzen die Lösungen vor allem im Energiemanagement ein“, sagt Riegel. „Einsatzzeiten von Licht und Heizung lassen sich mit Smart Home intelligent planen“. Kosteneinsparungen um 30 Prozent seien durchaus erreichbar, sagt der Experte.

Die Lösungen werden im Gebrauch immer einfacher

Lars Riegel, Principal Arthur D. Little

Vernetzte Rauchmelder wenden Gefahren ab

Ebenso wichtig ist Unternehmen das Thema Sicherheit. Hier bietet Smart Home sowohl Lösungen zur Überwachung als auch für Zugangskontrollen. Ein Beispiel sind biometrische Türschlösser, die mit einem Fingerabdruck elektronisch Türen und Tore für autorisierte Personen öffnen. Zum Einsatz kommen hier vernetzte Sicherheitskameras, Bewegungsmelder und elektronische Schlüssel via App. Intelligente Rauchmelder oder Gasmessgeräte helfen Unternehmen, Gefahren abzuwenden. Durch Smart Home entsteht für Unternehmen eine interessante Wertschöpfungskette: Sensoren zur IoT- Unterstützung sind die Grundlage, sie werden in „smarte Objekte“ integriert. Da konventionelle Türen und Heizungen in der Regel noch nicht IoT-fähig sind, müssen sie entsprechend nachgerüstet werden. Dann wird eine Infrastruktur eingerichtet, welche den Datenaustausch zwischen den einzelnen Geräten ermöglicht. Um diese Details muss sich ein Unternehmen aber nicht kümmern. In der Regel besteht nur der Kontakt zu einem Dienstleister, der für den Vertrieb der Geräte, Software und Plattform und die Kundenbetreuung verantwortlich ist.

Alle Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette kann ein Unternehmen nicht abdecken – eine Chance für spezialisierte Mittelständler, die auf dem Smart-Home-Markt mit offenen Systemen und vernetzten Diensten zunehmend den Einstieg schaffen.

Immobilienbranche profitiert

Die Rahmenbedingungen sind für den Smart-Home-Markt wegen des Immobilienbooms ohnehin günstig. „Der Bedarf für Smart Home-Lösungen steigt auch bei Gewerbeimmobilien“, sagt Peter Axmann, Leiter Immobilienkunden der HSH Nordbank. „Neue Objekte können hier von Beginn an mit den intelligenten Lösungen ausgestattet werden. Ältere Objekte können nachgerüstet werden.“ Noch ist der Smart-Home-Markt sehr fragmentiert. Für Unternehmen ist deshalb wichtig, eher auf Produkte von großen, marktführenden Firmen zu setzen. Bei einem kleineren Anbieter besteht eine größere Gefahr, dass sie sich aus dem umkämpften Markt wieder verabschieden – und dann steht der Unternehmenskunde mit teuren Geräten da, für die es keine Ersatzteile und keinen Service mehr gibt.

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