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Verkündete, dass der Leitzins bei null Prozent bleibt: Mario Draghi (© Getty Images)
Aktienmärkte
08.09.2017

„Die kräftige Euro-Aufwertung seit Frühjahr dürfte einer neuerlichen DAX-Rallye nicht im Wege stehen“, sagt HSH Nordbank-Analyst Jan Edelmann. Nordkorea belastet nur kurz. DAX zwischenzeitlich unter 200-Tage gleitender Durchschnitt.

In der Woche der EZB-Sitzung (07.09.) bewegten sich die internationalen Aktienmärkte per Saldo allesamt seitwärts. Der DAX ging mit rund 12.123, der Eurostoxx mit einem Stand von 3445 und der S&P 500 mit 2465 Punkten aus der Berichtswoche. Die Kursentwicklung der Aktienindizes in dieser Woche war eng verbunden mit der Entwicklung der Renditen an den Rentenmärkten: Nordkoreas vermutlicher Wasserstoffbombentest setzte die Aktienmärkte kurzzeitig unter Druck, jedoch zeigte sich erneut, dass der Nordkorea-Konflikt keine langfristigen Auswirkungen auf die Märkte hat. Der Labor Day in den USA kam den Indizes entgegen, da dieser das Handelsvolumen hierzulande stark einschränkte und somit auch vergleichsweise kleine Transaktionen zu größeren Marktbewegungen führen konnten.

Offensichtlich sind die Märkte nach dem kurzfristigen Rücksetzer wieder auf den Zug positiver Erwartungen aufgesprungen. Nach der Veröffentlichung des ISM-Indexes für das verarbeitende Gewerbe, der mit 58,8 deutlich stärker als erwartet ausfiel (56,5), kam es bereits am Freitag zu kräftigen Kursgewinnen. Der US-Arbeitsmarkt enttäuschte zwar etwas. Ein Beschäftigungszuwachs von 156 Tsd. ist aber durchaus noch eine ordentliche Zahl, die kaum Zweifel an dem robusten Wirtschaftsverlauf aufkommen lässt.

In dieser Berichtswoche schloss der DAX zum ersten Mal seit dem Brexit-Votum Ende Juni vergangenen Jahres eine Handelswoche unterhalb seiner 200-Tage-gleitenden Durchschnittlinie von 12.100 ab. Vor wenigen Wochen handelte der DAX noch um 13 % über seinem 200-Tage-Trend. Im laufenden achteinhalbjährigen DAX-Bullenmarkt fiel der Index in den Jahren 2011, 2012, 2014 und 2016 unter seinen 200-Tage-gleitenden Durchschnitt. Der DAX konnte sich jedoch von diesen starken Rückschlägen immer wieder erholen und begann jeweils eine neue Rallye. Dabei konnte der DAX vom erreichten lokalen Tiefpunkt aus betrachtet bis zum (lokalen) Höhepunkt des Bullenmarktes um durchschnittlich mehr als 30 Prozent zulegen. Meist ging dies einher mit externen konjunkturunabhängigen Einflüssen. So geschehen im Juli 2012, als Mario Draghi seine berühmte „Whatever it takes“-Rede hielt oder Mitte 2014, als absehbar wurde, dass die EZB mit ihrem QE-Programm den Markt mit Geld fluten wird.

Auch die kräftige Euro-Aufwertung seit Frühjahr dürfte einer neuerlichen DAX-Rallye nicht im Wege stehen. Im bisherigen Jahresverlauf entspricht der Wechselkurs im Durchschnitt mit 1,11 genau dem Durchschnitt des vergangenen Jahres. Auch im Vergleich zum dritten Quartal 2016 hat der Euro im Durchschnitt von Juli und August gegenüber dem Dollar nur um ungefähr 5 % zugelegt. Aus diesem Grund haben die Analysten ihre Gewinnerwartungen für einige DAX-Unternehmen bis jetzt nur moderat nach unten revidiert. Insgesamt verringert der stärkere Euro aber die Wettbewerbsfähigkeit der meisten deutschen Unternehmen. Allerdings kann diese Belastung durch zwei entgegenwirkende Effekte teilweise oder sogar vollständig ausgeglichen werden:

  • Produktionskosten: Fallen bei den Unternehmen hohe Produktionskosten in US-Dollar an, da es in den jeweiligen Ländern auch Produkte herstellt, wird dadurch der negative Währungseffekt geschmälert.
  • Hedging: Viele Unternehmen sichern sich zu einem großen Teil gegen Währungsverluste ab und schwächen somit negative Währungseffekte ab.

Hinzu kommt noch, dass der wichtigste Absatzmarkt für deutsche Exporte ohnehin innerhalb der Währungsunion ist und somit kein Wechselkursrisiko vorherrscht. Angesichts der im bisherigen Jahresverlauf zu beobachtenen kräftigen Dynamik dürfte dies die Verluste an Wettbewerbsfähigkeit ggü. Drittstaaten zumindest teilweise kompensieren. Vielleicht bietet sich der September ganz nach einer alten Börsenweisheit „Sell in May and go away, but remember to comeback in September“ als Einstiegsmonat an.