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Verhandlungsrunde in Hamburg: Der G20-Gipfel (© Getty Images)
G20-Treffen
10.07.2017

Prof. Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), ist davon überzeugt, dass beim Gipfel in Hamburg die Notwendigkeit niedriger Handelsbarrieren und offener Grenzen betont wurde. Im UP-Nord-Interview lobt er die Bundesregierung für ihre kluge Agenda.

Was ist für Sie das wichtigste Ergebnis des G20-Treffens?

Prof. Dennis Snower: Im G20-Communiqué wird klar festgehalten, dass der Zweck der G20 weit über die Sicherung von Wachstum und Finanzstabilität hinausgeht. Eine mit Blick auf Gesellschaft und Umwelt nachhaltige Entwicklung gehört ebenso zum erklärten Ziel der G20. Globalisierung soll so gestaltet werden, dass sie die Bedürfnisse der Menschen erfüllt. Das einmütige Bekenntnis zu den Zielen der Agenda2030 der Vereinten Nationen ist in diesem Kontext besonders bedeutsam.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse des G20-Verhandlungen im Hinblick auf den freien Handel?

Prof. Dennis Snower ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und Co-Chairman der T20 (Think20), einem offiziell mandatierten Zusammenschluss von Think Tanks aus G20-Ländern, die wissenschaftlich fundiert die G20 mit Politikvorschlägen beraten (www.t20germany.org)

Prof. Dennis Snower: Es ist in den Aussagen während des Gipfels und in der Abschlusserklärung klargeworden, dass die G20 kein Interesse an ausufernden Handelskonflikten haben. Die G20 haben die Notwendigkeit niedriger Handelsbarrieren und offener Grenzen betont. Damit wird ein Hochschaukeln protektionistischer Maßnahmen unwahrscheinlich. Gleichzeitig sollen Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards stärker in den Fokus kommen. Damit wird der globale Handel mit einer sozialen Verantwortung verknüpft, was wichtig für die Akzeptanz der Globalisierung ist.

Wie beurteilen Sie die Rolle der USA in diesem Zusammenhang? Haben Sie eine Abkehr Trumps von der America-First-Strategie feststellen können?

Prof. Dennis Snower: Die Regierung Trump hat ihre grundsätzlichen Positionen erwartungsgemäß nicht verändert. Da die G20 aber mit der Entscheidung zum Klima vom Einstimmigkeitsprinzip abgerückt ist, ergibt sich ab jetzt die Chance, auch ohne die Zustimmung einzelner Staaten bedeutsame Beschlüsse zu fällen. Regierungen, die bei solchen Beschlüssen außen vor bleiben und sich der internationalen Kooperation verschließen, werden somit unter starken Rechtfertigungsdruck geraten – auch aus der eigenen Bevölkerung. Insgesamt ist in jedem Fall deutlich geworden, dass die USA die Bühne der internationalen Kooperationen nicht verlassen wollen, was zwischenzeitlich auch befürchtet worden war.

Wie glauben Sie wird nach dem Treffen in Hamburg die Frage beantwortet werden, wie mehr Wohlstand erzeugt, gesichert und gerechter verteilt werden kann?

Prof. Dennis Snower: Außerhalb der besonders strittigen Felder Handel, Klima und Migration gab es zahlreiche Beschlüsse, die auf dieses Ziel ausgerichtet sind. Dazu gehören zum Beispiel die Beschlüsse zu digitaler Ausbildung und Sicherheit, nachhaltigen Infrastrukturinvestitionen, Ernährungssicherheit oder der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen.

Hat Deutschland eines seiner vorrangigen G20-Ziele erreicht und neue Partner für Maßnahmen für ein robusteres Wirtschaftswachstum gewonnen?

Prof. Dennis Snower: Die Bundesregierung hat in einer international schwierigen Situation eine kluge Agenda gesetzt und sich nicht von ihren Grundprinzipien abbringen lassen. Das war ein wichtiges Zeichen, um die internationale Gemeinschaft zusammenzuhalten und Vereinbarungen wie das Pariser Klimaabkommen oder die Agenda 2030 der UNO zu stützen. Auch die Einbeziehung Afrikas war dabei ein wichtiges Signal. Insgesamt sehe ich die internationale Zusammenarbeit nach dem Gipfel in einem besseren Zustand, als vor dem Hamburger Treffen zu befürchten war.

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