SUCHE

Die Reinigung der Elbphilharmonie ist ein Großauftrag (© Michael Zapf)
Facility Management
04.07.2017

Die Piepenbrock Unternehmensgruppe sorgt für Sauberkeit in der Elbphilharmonie. Olaf Piepenbrock, einer der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter, erklärt, auf was zu achten ist, um in dem komplexen Gebäude weder Proben noch Aufführungen zu stören. Und er erläutert die Vorteile von Familienunternehmen im hart umkämpften Markt der Facility Services.

Ihr Unternehmen sorgt in der Elbphilharmonie für Sauberkeit. Wie ist es dazu gekommen?

Olaf Piepenbrock: Wir haben den Auftrag im Rahmen einer Ausschreibung gewonnen. Neben wirtschaftlichen Aspekten konnten wir mit unseren Erfahrungen bei der Reinigung von Konzerthäusern wie der Semperoper in Dresden punkten. Wir schulen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intensiv, das ist wichtig bei so anspruchsvollen Gebäuden wie der Elbphilharmonie.

Hunderte von Konzerten, zehntausende Besucher, eine komplexe Technik – auf was müssen Sie und Ihre Reinigungskräfte in der Elbphilharmonie besonders achten?

„Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“: Olaf Piepenbrock, Geschäftsführender Gesellschafter (© Piepenbrock Unternehmensgruppe)

Olaf Piepenbrock: Die Reinigungskräfte müssen darauf achten, dass der tägliche Probe- und Veranstaltungsbetrieb in der Elbphilharmonie durch Reinigungs- und Pflegemaßnahmen nicht beeinträchtigt wird. Und es gibt viele Proben! Bei unserer Arbeit in der Elbphilharmonie orientieren wir uns am täglich variierenden Veranstaltungskalender. Darüber hinaus sind neben den Sälen alle öffentlichen Flächen, insbesondere Foyers und Sanitäranlagen, jederzeit in einem einwandfreien Zustand zu halten. Die zum Teil einzigartigen Werkstoffe erfordern ein hohes Know-how, denn sie müssen entsprechend gepflegt werden.

Wie viele Reinigungskräfte sind dort im Einsatz – und wann?

Olaf Piepenbrock: Es stehen, je nach Veranstaltungsaufkommen, täglich bis zu 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung, es können aber auch mehr sein. Grundsätzlich kann die Elbphilharmonie rund um die Uhr Reinigungsleistungen anfordern. Die Regelarbeitszeit ist von Montag bis Sonntag 5 Uhr bis etwa 22:30 Uhr. In dieser Zeit sind durchgehend – auch während des Veranstaltungsbetriebs – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz.

Ihr Unternehmen beschäftigt etwa 27.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie schwierig ist es, diese zu finden?

Olaf Piepenbrock: Mit unseren vielfältigen Tätigkeiten rund um das Gebäudemanagement geht ein hoher Fachkräftebedarf einher, das betrifft Mitarbeiter in der Technik genauso wie Reinigungskräfte. Als deutschlandweit agierendes Unternehmen bekommen wir in einigen Regionen den demografischen Wandel zu spüren und es wird zunehmend anspruchsvoller, offene Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen. Betroffen sind nicht nur gewerbliche Mitarbeiter, sondern ebenso die kaufmännischen Mitarbeitenden sowohl im Service Center in Osnabrück als auch in den knapp 70 Niederlassungen in ganz Deutschland. Engpässe beobachten wir besonders dort, wo spezifische Qualifikationsprofile für die Besetzung von offenen Positionen notwendig sind. Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt und in die Ausbildung bei Piepenbrock investiert. So schaffen wir es, Fachkräfte selbst auszubilden. Zudem arbeiten wir daran, als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Das klappt auch, wie Auszeichnungen als „Deutschlands Top-Arbeitgeber“ und „Unternehmen mit dem höchsten Ansehen“ zeigen.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit im Facility Management?

Olaf Piepenbrock: Nachhaltigkeit war, ist und bleibt immer wichtig für uns. Bereits 1988 wies mein Vater Hartwig Piepenbrock in seiner Festrede zum 75-jährigen Bestehen unseres Unternehmens darauf hin, von welch großer Bedeutung dieser Aspekt ist. Wir haben damals – als eines der ersten Unternehmen unserer Branchen – einen Umweltbeauftragten eingesetzt. Nachhaltigkeit ist fest in der Piepenbrock-DNA verankert, das wird auch bei unserem sozialen Engagement deutlich. Wir bekommen viel von der Gesellschaft und möchten auch etwas zurückgeben. Gerade bei großen Auftraggebern ist Nachhaltigkeit in den vergangenen Jahren zu einer Standardanforderung geworden. Im Sinne einer sauberen Wertschöpfungskette suchen auch unsere Kunden nach Partnern, die alle dazu bestehenden Anforderungen erfüllen.

Facility Management ist ein hart umkämpfter Markt. Wie gelingt es Ihnen, sich da durchzusetzen?

Olaf Piepenbrock: Wir stellen die Qualität in den Mittelpunkt und machen nicht jeden Preiskampf mit. Unsere Kunden schätzen unsere mittelständisch geprägte Herangehensweise. Das hat viel mit Werten wie Vertrauen, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Wertschätzung zu tun. Wir haben deutschlandweit ein Netzwerk aufgebaut, das es uns ermöglicht, unsere Services mit einer überdurchschnittlich hohen Eigenleistungsquote auszuführen. Das kommt sehr gut an. Zudem fordern wir unsere Kräfte dazu auf, aktiv auf unsere Kunden zuzugehen, Versprechen zu geben und vor allem einzuhalten.

Was ist wichtiger: Preis oder Qualität?

Olaf Piepenbrock: Aus meiner Sicht muss die Preis-Leistungs-Relation stimmen. Hierbei gilt das Motto „Billig kann auch teuer sein“. Was hilft es, wenn bei einem günstigen Preis die Erwartungen des Kunden massiv enttäuscht werden und Unzufriedenheit entsteht? Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr wichtig ist, einen sauberen Arbeitsplatz haben. Wenn an falscher Stelle gespart wird, führt das zu Unzufriedenheit.

Piepenbrock ist in vierter Generation ein inhabergeführtes Familienunternehmen – wie wichtig ist diese Struktur für den Erfolg des Unternehmens?

Olaf Piepenbrock: Wir richten unser Handeln an festen Werten wie Kontinuität, Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit aus. Als Familienunternehmen denken wir in Generationen – nicht in Quartalen. Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie so handeln, dass wir langfristig Erfolge erzielen. Aus meiner Sicht ist diese Denkweise der Grundstein für unseren Erfolg. Größe allein zählt nicht – Geschwindigkeit ist entscheidend. Wir haben sehr schnelle Entscheidungswege. Diese Dynamik macht uns aus.

Auch interessant:

Schwerpunkt Innovation

„Querdenker sind keine Querulanten“

26.06.2017 Drei Experten geben Ratschläge, wie Unternehmen innovativ werden, und sagen, welche Strukturen es dafür braucht.

Weiterlesen
Molkereiwirtschaft

Brauchen wir einen Milch-Sommelier, Herr Hemme?

12.04.2017 Unternehmer Jörgen Hemme über risikoscheue Landwirte und geschicktes Marketing.

Weiterlesen Zum Video