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G20-Protest mit Humor (© Getty Images)
Aktienmärkte
10.07.2017

„Es wird sich auf dem Gipfeltreffen zeigen, ob mehr Kooperationsbereitschaft unter den Staaten besteht, als beim letzten G7-Gipfel zu beobachten war“, so Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank

Nach einem schwachen Start in die Berichtsperiode haben sich die Aktienmärkte zum Ende der Woche wieder ein wenig erholen können. Per Saldo büßte der DAX aber rund 220 auf 12450 Punkte ein. Die in der zweiten Junihälfte gestartete Korrektur beim DAX hatte den Index zwischenzeitlich auf einen Zweimonatstiefstand von 12.319 Punkten gedrückt. Damit bewegt sich der DAX wieder auf einem Bewertungsniveau, welches als normal betrachtet werden kann, nachdem dieser zuvor zu einer leichten Überbewertung tendierte. Der Eurostoxx 50 und der amerikanische S&P 500 gaben dagegen im Wochenvergleich nur marginal nach.

Die Aktienmärkte hatten noch immer mit den mittlerweile zehn Tage alten Aussagen des EZB-Chefs Mario Draghi über ein Ende der ultralockeren Geldpolitik zu ringen. So äußerte dieser, dass die Daten auf eine breitere Erholung der Konjunktur und Inflation in der Eurozone hindeuten würden. Die europäischen Konsumentenpreise stiegen im Juni zwar nur um 1,3 % an und blieben damit einmal mehr weit hinter der 2 %-Marke zurück. Doch zahlreiche Aussagen weiterer europäischer Notenbanker machten deutlich, dass auf eine Änderung der Geldpolitik gedrängt wird. Neu ist das nicht, denn bislang galt es als Konsens, dass die EZB spätestens nach der Bundestagswahl eine Änderung der Geldpolitik (allmähliches Ende des Anleiheankaufprogramms) im kommenden Jahr bekanntgeben wird. Von diesen Nachrichten profitierten vor allem die europäischen Bankaktien, die zudem nach den Rettungsaktionen in Italien und Spanien höher bewertet werden. Sie konnten im Vergleich zur Vorwoche um weitere 2 % zulegen und notieren auf dem höchsten Stand seit knapp zwei Jahren.

Auftrieb erhielten die Aktienmärkte von konjunktureller Seite. So überzeugte der ISM-Einkaufsmangerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA. Mit sehr erfreulichen 57,8 Punkten – dem höchsten Stand seit mehr als zweieinhalb Jahren – signalisiert die Zeitreihe somit ganz klar ein weiteres Anziehen der Wirtschaftsaktivität in der US-Industrie. Beim Blick auf die Details des ISM -Index fällt auf, dass die Produktionskomponente im Berichtsmonat Juni auf 62,5 Punkte zugelegt hat. Positive Nachrichten gab es zudem aus China: Der Caixin Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe konnte überraschend auf mehr als 50 Punkte zulegen. Die chinesische Wirtschaft scheint dementsprechend wieder optimistischer in die Zukunft zu schauen. Der jüngste Anstieg einiger Rohstoffpreise spricht ebenfalls für ein Anspringen der Nachfrage aus China. Davon dürften auch deutsche Unternehmen profitieren. Eine global anziehende Nachfrage nach Industriegütern aus China dürfte der deutschen Exportindustrie, deren Abnehmer unter anderem chinesische Ausfuhrunternehmen sind, vermehrt Auftragseingänge bescheren, die sich in höheren Kursniveaus des DAX widerspiegeln könnten.

In der kommenden Woche dürften die Märkte u.a. von den Ergebnissen des am Wochenende in Hamburg stattfindenden G20-Gipfels geleitet werden. Es wird sich auf dem Gipfeltreffen nun zeigen, ob mehr Kooperationsbereitschaft unter den Staaten besteht, als beim letzten G7-Gipfel zu beobachten war. Mit Spannung dürften auch die am Freitag (08.07.) anstehenden US-Arbeitsmarktdaten erwartet werden. Im Hinblick auf die sehr guten ISM-Daten wäre es keine Überraschung, sollten auch die Arbeitsmarktdaten auf der Oberseite der Schätzungen ausfallen.