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Wird die EZB ihre Geldpolitik straffen? (© Getty Images)
Rentenmärkte
10.07.2017

„Die Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi zur Straffung der Geldpolitik versetzte Investoren offenbar auf breiter Front in Spekulationslaune“, so Marius Schad, Analyst der HSH Nordbank

Die zehnjährigen Bundrenditen stiegen in der zurückliegenden Woche weiter an und befinden sich gegenwärtig mit 0,53 % auf dem höchsten Niveau seit Anfang März. Die Signale der Notenbank-Gouverneure Mario Draghi und Mark Carney, die zuletzt bei ihren Statements ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Aussicht stellten, wirkten sich positiv auf die Renditen von Bundesanleihen aus. Auch in den Markt für US-Treasuries ist Belebung zurückgekehrt. Notierten die zehnjährigen US-Renditen in den letzten Wochen fast durchgängig im Bereich von 2,10 % bis 2,20 %, konnten die US-Staatspapiere mit einem Renditeniveau von aktuell 2,35 % ein Zweimonats-Hoch erklimmen. Zudem erhielten die Renditen von konjunktureller Seite Unterstützung.

Die zehnjährigen Bundesanleihen konnten ihre Renditeniveaus aus der Vorwoche weiter ausbauen und überschritten erstmals seit Januar 2016 die Marke von 50 Basispunkten. Die Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi zur Straffung der Geldpolitik versetzten Investoren offenbar auf breiter Front in Spekulationslaune und lösten einen Abverkauf von Bunds aus. Verschiedene Stimmen aus dem EZB-Umfeld, u.a. von Vitor Constancio und Benoit Coeuré, betonten zuletzt, eine geldpolitische Kurskorrektur sei nicht Gegenstand der Diskussion im EZB-Rat, konnten aber den Trend steigender Bund-Renditen nicht aufhalten. In der nächsten Woche werden die Renditen maßgeblich von den Ergebnissen des G20-Gipfels in Hamburg beeinflusst werden. Gelingt ein grundsätzliches Bekenntnis der Weltgemeinschaft zum Freihandel – besonders die Positionierung der USA dürfte hier entscheidend sein – dürften Bund-Renditen hiervon profitieren. Auch die Veröffentlichungen der endgültigen Inflationszahlen in Deutschland für Juni (13.07.) und der europäischen Industrieproduktion (12.07.) werden Aufschluss geben, ob die EZB die Weichen für eine geldpolitische Straffung stellt und mittelfristig den Weg für steigende Euro-Zinsen ebnet.

Der Renditeanstieg der Treasuries erhielt unter der Woche zunächst vom ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe Nahrung, der am Montag (03.07.) auf seinen höchsten Wert seit November 2014 stieg. Ein Blick auf die Zinsstruktur der US-Titel zeigt jedoch, dass grundsätzlich weiter Skepsis angebracht ist. Die Renditen für zweijährige T-Notes stiegen auf ein Niveau von 1,41 %, welches zuletzt im August 2009 beobachtet wurde. Durch den gleichzeitig nur moderaten Anstieg der langfristigen Renditen hat sich die Zinsstrukturkurve deutlich abgeflacht. Geringere Abstände zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen können ein Indikator für den Beginn einer konjunkturellen Abschwächung sein. Das Ausbleiben eines deutlichen Renditeanstiegs im Langfristbereich darf man so interpretieren, dass Investoren offensichtlich nicht mehr an das „Great-Again“-Programm mit Steuerpaket sowie an die Deregulierungs- und Infrastrukturmaßnahmen glauben. In der nächsten Berichtswoche wird neben dem Nachhallen des G20-Gipfels die Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten (07.07.) wohl den größten Einfluss auf den Renditeverlauf der Treasuries haben.