SUCHE

Stimmt auf weitere Zinerhöhungen ein: Fed-Chefin Yellen (© Getty Images)
Rentenmärkte
14.07.2017

„EZB könnte auf ihrer nächsten Sitzung ein baldiges Tapering ankündigen“, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank. Fed-Chefin Janet Yellen kehrt Renditeanstieg in den USA um, Bundrenditen notieren dessen ungeachtet auf höheren Niveaus. Warten auf EZB-Sitzung sowie die Inflationszahlen aus Großbritannien und den USA.

Die Bund-Renditen haben im Vorwochenvergleich ihren Anstieg fortgesetzt und liegen im zehnjährigen Bereich jetzt bei 0,56 %. Hingegen gab es bei den US-Renditen so gut wie keine Veränderung (2,32 %). Ein Reigen positiver Konjunkturdaten war verantwortlich für den Renditeanstieg bei den Bunds. So signalisierten nicht nur die PMI-Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor für den Abschluss des zweiten Quartals eine kräftige Aktivität. Erfreulich waren auch die Produktionsdaten aus dem Industriesektor, die in den vier großen Euroländern durchgehend die Erwartungen übertrafen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Industrieproduktion in der Währungsunion im Mai um 4 %. Griechenland sollte an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden: Ein Zuwachs von 5,4 %.

In den USA wurde dagegen eine andere Musik gespielt. So kehrte die Fed-Präsidentin bei ihrem Auftritt vor dem Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses am 12.7. (heute spricht sie vor dem korrespondierenden Senatsausschuss) den verhaltenen Renditenanstieg um. Auslöser war ihr verhaltener Inflationsausblick, der im Grunde genommen aber lediglich bestätigt, dass in diesem Jahr nur mit einem weiteren Zinsschritt zu rechnen ist. Die Risiken für die Konjunktur sieht sie weitestgehend ausgeglichen. Gleichzeitig wiederholte Yellen die Absicht, noch in diesem Jahr mit einem vorsichtigen Abbau der Bilanzsumme der Fed zu beginnen. Bedenkt man, dass zunächst die Bilanzsumme innerhalb eines Jahres lediglich um 0,25 % zurückgehen soll, darf man Frau Yellen glauben, dass der Abbau ungefähr so langweilig sein wird, wie Farbe beim Trocknen zuzuschauen. Allerdings machte sie auch klar, dass das Abbautempo durchaus variiert werden kann.

In den kommenden Tagen wird man unter anderem auf die Zinssitzung der EZB schauen (20. Juli). Vermutlich wird Präsident Mario Draghi sein Erwartungsmanagement hinsichtlich eines bald zu erwartenden Starts beim Rückzug aus dem Anleiheankaufprogramm fortsetzen. Konkretere Angaben dürften allerdings erst auf der September-Sitzung zu erwarten sein. Zuletzt hatte sich der französische Notenbankpräsident Francois Villeroy de Galhoau geäußert, man werde im Herbst über eine Änderung der Geldpolitik beraten. Sein Kollege aus den Niederlanden, Klaas Knot, betonte die Gefahr, zu lange an der expansiven Geldpolitik festzuhalten. Achten sollte man auch auf die Inflationsdaten aus Großbritannien. Zuletzt hatte der Bank of England-Chef, Mark Carney, Zinserhöhungen ins Spiel gebracht und dadurch die globale Zinsrallye mit angeheizt. Sollte die Inflation von den zuletzt gemeldeten 2,9 % auf über 3 % im Juni steigen, würde damit nochmals Öl ins Feuer gegossen werden. Dämpfende Effekte können hingegen aus den USA kommen, wo die jüngsten Vorwürfe gegen Donald Trump Jr. in der Causa Russland die Lage für Präsident Donald Trump nicht einfacher macht (siehe auch Kommentar auf Seite 1). Insgesamt sehen wir jedoch weiteres Aufwärtspotenzial bei den globalen Staatsanleiherenditen.