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Agile Unternehmen generieren Wettbewerbsvorteile (© Getty Images)
Arbeitsorganisation
20.07.2017

Ursprünglich für die Softwarebranche entwickelt, nutzen zunehmend auch Unternehmen anderer Branchen agile Methoden. Eine Studie bestätigt: Agilität verschafft Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil und ist ein entscheidender Faktor, um in einem dynamischen und digitalisierten Marktumfeld erfolgreich zu sein.

Mit dem Softwarekonzern Microsoft gründete Bill Gates eines der erfolgreichsten Unternehmen. Gefragt nach den Hintergründen des Erfolgs, bekannte Gates: „Um heute erfolgreich zu sein, muss man anpassungsfähig sein und ständig neu denken, neu beleben, reagieren und neu erfinden wollen.“ Ein Satz, der als Definition einer Form des Arbeitens gelten kann, die zunehmend auch in deutschen Unternehmen praktiziert wird: das agile Arbeiten. Vom Wortsinn her bedeutet „agil“ das Gegenteil von schwerfällig, träge und unbeweglich. Wer agil arbeitet, verschreibt sich einem Mindset, das Veränderungen aufgeschlossen ist und starre, bürokratisch vorgegebene Abläufe ablehnt. Der Beginn dieser Idee liegt im „Agilen Manifest“ von 2001, in dem von großen, zähen Projekten genervte Software-Entwickler neue Methoden für besseres Arbeiten diskutierten. Denn die großen, auf Jahre angelegten Projekte erwiesen sich als ungeeignet, wenn die Änderungen von wirtschaftlichen Rahmbedingungen auch die Änderungen der Projekte erforderten. So definierten die Entwickler vier Leitlinien agiler Methoden.

  • Individuen und Interaktionen zählen mehr als Prozesse und Werkzeuge
  • Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden bedeutet mehr als nur Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung ist wichtiger als das Befolgen eines Plans

Obwohl ursprünglich nur für die Softwarebranche entwickelt, interessieren sich zunehmend auch Unternehmen anderer Branchen für agile Methoden. Ein besonders beliebter Ansatz ist Scrum. Er beruht auf der Erfahrung, dass viele Entwicklungsprojekte zu komplex sind, um in einen vollumfänglichen Plan gefasst zu werden. Scrum setzt dagegen auf wenige und einfache Regeln, die selbstorganisierte Teams beim Erreichen der Unternehmensziele helfen soll. Dies bedeutet aber nicht immer eine Abkehr von bewährten Methoden wie dem Wasserfall-Modell, nach dem anhand eines klar definierten Ablaufs ein Projekt schrittweise bearbeitet wird und eine Aufgabe wird erst begonnen wird, sobald die vorherige Stufe beendet ist. Beide Methoden gelten auch als kombinierbar.

Eine Art „sanfteres Scrum“ ist Kanban, eine agile Methode für evolutionäres Change-Management. Hier wird der bestehende Prozess in kleinen Schritten verbessert. Die Durchführung vieler kleiner Änderungen reduziert das Risiko für jede einzelne Maßnahme. Eine Studie der Berater von goetzpartners ergab, dass sich agile Unternehmen verglichen mit ihren Mitbewerbern bedeutend leistungsfähiger zeigten. Dafür befragten goetzpartners und die Neoma Business School 285 Führungskräfte aus europäischen Unternehmen. Die Befragten beurteilten, in welchem Umfang bestimmte Systeme und Prozesse in ihrem Unternehmen zur Anwendung kommen. Die Befragung ergab, dass die agilsten Unternehmen einer Branche durchschnittlich 2,7 Mal erfolgreicher als ihre Peergroup sind. Dies bestätigt: Agilität verschafft Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil und ist ein entscheidender Faktor, um in einem dynamischen und digitalisierten Marktumfeld erfolgreich zu sein. Allerdings brachte die Studie auch eine Disparität in der Wahrnehmung der Top-Führungskräfte und der nachgeschalteten Ebenen zutage. Eine Erklärung dafür ist, dass das Top-Management rollenbedingt einen Außenblick einnimmt und Agilität nach außen hin offensiv vertritt. Das mittlere Management wiederum hat mit neuen Agilitätsmaßnahmen mehr Kontakt im Arbeitsalltag. Dies bewirkt einen kritischeren Blick auf die tatsächliche Anwendung von Agilitätsroutinen.

Wie Unternehmen agil arbeiten

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