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Statements von Mario Draghi lösten Kursverluste aus (© Getty Images)
Aktienmärkte
30.06.2017

„Eine bevorstehende Normalisierung der Geldpolitik käme besonders dem Finanzsektor zugute“, meint HSH Nordbank-Analyst, Marius Schad

Im Besonderen lösten die Statements von EZB-Präsident Mario Draghi über ein Ende der ultralockeren Geldpolitik Kursverluste aus. Startete der deutsche Leitindex DAX noch auf einem Niveau von 12.800 in die Woche, korrigierte er nach den Aussagen Draghis auf 12.550 Punkte. In der Spitze verlor der Leitindex fast 2,0 %, konnte seine Verluste im weiteren Verlauf der Berichtswoche jedoch reduzieren. Angesichts der guten konjunkturellen Lage der Eurozone stellte der EZB-Präsident bei der Notenbank-Tagung im portugiesischen Sintra am Dienstag (27.06.) eine Anpassung der expansiven Geldpolitik in Aussicht. An den deutschen Börsen wurden diese restriktiven Töne zwischenzeitlich zwar mit deutlichen Kursverlusten beantwortet, jedoch konnten einzelne Branchen auch signifikante Zugewinne erzielen. Besonders der Finanzsektor erhielt Zulauf. Bankaktien zogen in der Spitze um bis zu 3,0 % an. Ein Ende der expansiven Geldpolitik und eine Normalisierung der geldpolitischen Instrumente kommen besonders dem Finanzsektor zugute, da der derzeitige negative Einlagenzinssatz wie eine Steuer den Sektor belastet. Die Aussagen Draghis schürten unter Anlegern insoweit die Phantasie einer Anpassung der Geldpolitik und einer Verbesserung der Profitabilität im Finanzsektor. Trotz der Kursgewinne im Finanzsektor konnte der Abwärtstrend in der DAX-Familie nicht unterbrochen werden. Erst die Statements von EZB-Vize Vitor Constancio, der den Aussagen Draghis keine wesentlichen Änderungen in der geldpolitischen Agenda entnehmen konnte, stoppten die Abwärtsbewegungen.

Die US-Märkte zeigten sich in der zurückliegenden Berichtswoche verhältnismäßig unbeeindruckt und tendierten seitwärts. Der Dow Jones und die Technologiebörse NASDAQ liegen mit Indexständen von gegenwärtig 21.490 (-0,1 % zur Vorwoche) sowie 6.230 (0,1 % zur Vorwoche) auf ähnlichen Bewertungslevels. Zusätzlich stand die Entwicklung der großen US-Technologiewerte im Fokus. Die Gruppe der größten IT-Werte Facebook, Amazon, Netflix und Google, für die sich inzwischen die Abkürzung „FANG-Aktien“ etabliert hat, lieferte im ersten Halbjahr eine beeindruckende Hausse. In dieser Berichtswoche nahmen die Anleger der Technologie-Giganten offensichtlich einen Teil ihrer Gewinne mit. Die FANG-Aktien schlossen mit teilweise deutlichen Kursverlusten. Besonders Aktien der Google-Mutter Alphabeth kam unter Druck, nachdem die EU-Kommission eine Wettbewerbsstrafe von 2,4 Mrd. Euro verhängt hat. Insgesamt notieren die FANG-Werte weiterhin auf hohen Bewertungsniveaus (durchschnittliches KGV: 116) und der Trend der Anleger zu IT-Unternehmen scheint ungebrochen. So zeigten sich auch die auf internationalen Börsenplätzen gehandelten Aktien der chinesischen Tech-Firmen Alibaba und Tencent im ersten Halbjahr 2017 mit starken Kursgewinnen.