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EZB-Chef Draghi steht derzeit für eine lockere Geldpolitik (© Getty Images)
Rentenmärkte
01.06.2017

„Die Staatsanleihen erfreuten sich unsicherheitsbedingt angesichts zunehmender Nachfrage“, so Marius Schad, Analyst der HSH Nordbank. In der Eurozone rückten die Inflationszahlen in den Fokus, vor allem in Hinblick auf die kommende EZB-Sitzung am 8. Juni.

Staatsanleihen erfreuten sich angesichts zunehmender politischer Unsicherheit in den vergangenen Tagen einer größeren Nachfrage. Sowohl die Renditen für zehnjährige US-Papiere als auch für gleichlaufende Bunds verloren 6 bzw. 7 Basispunkte und rentieren somit gegenwärtig mit 2,21 % und 0,29 % unter ihrem Niveau in der Vorwoche. Vor allem der ergebnislose G7-Gipfel, der im Raum stehende US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, der auf die Entschlossenheit Trumps zu weiteren radikalen Schritten hindeutet, dürften Investoren darin bestärkt haben, auf Sicherheit zu setzen. Die konjunkturelle Lage lässt vielerorts allerdings ein höheres Zins- und Renditeniveau zu.

In den USA suggerieren die jüngsten Konjunktur- und Preisindikatoren eine Fortsetzung des soliden Expansionspfades der Wirtschaft. Die Kernrate des für die US-Fed wichtigen PCE-Deflators blieb mit 2,1 % QoQ im ersten Quartal über der Zielrate der Notenbank von zwei Prozent. Auch die Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter übertrafen im April den Analystenkonsens deutlich. Positiv wurde auch registriert, dass das BIP im ersten Quartal etwas stärker expandierte als zunächst erwartet (1,2 % statt 0,7 %). Vor allem aber sorgten die guten Konsumdaten (+0,4% im April) dafür, dass die Atlanta-Fed ihre BIP-Schätzung für das laufende Quartal auf 3,8 % anhob. Entsprechend sollte man sich auf eine Zinserhöhung beim nächsten Notenbank-Meeting Mitte Juni einstellen, wie verschiedene Stimmen aus dem Fed-Umfeld bereits bestätigen. So schwor das FOMC-Mitglied Lael Brainard unter der Woche die Marktteilnehmer bereits auf eine Erhöhung des Zinsbands auf 1,0 % bis 1,25 % ein. Allerdings favorisiere die US-Notenbank ein langsameres Tempo bei ihren geldpolitischen Anpassungen, je weiter der Zinserhöhungspfad fortschreite. Grundsätzlich müsse ein nachhaltiger Preisauftrieb besonders in der Lohnentwicklung gewährleistet sein. Selbst wenn die morgen (02.06.) veröffentlichten Stellenzuwächse außerhalb des Agrarsektors für den Mai schwach ausfielen, an einer Erhöhung für den Juni führt kaum ein Weg vorbei.

In der Eurozone rückten die Inflationszahlen in den Fokus, vor allem in Hinblick auf die kommende EZB-Sitzung am 8. Juni. Im Mai blieb in Deutschland die Inflation mit 1,5 % YoY deutlich unter den Aprilwerten von 2,0 % YoY. Angesichts einer Arbeitslosenquote von nur 5,7 % ist aber grundsätzlich mit einem gewissen Lohndruck zu rechnen, der sich auch in einer höheren Inflation niederschlagen sollte. Auch in der Eurozone ist eine steigende Beschäftigung zu beobachten. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,3 % gibt der April den besten Wert seit Juni 2009 wieder. Auch in der nächsten Woche werden Frankfurt und Brüssel tonangebend sein. Die Veröffentlichung des Eurozonen-BIPs für das erste Quartal (07.06.) und EZB-Sitzung am Folgetag (08.06.) geben weiteren Aufschluss über die konjunkturelle und geldpolitische Stimmungslage in der Eurozone. Darüber hinaus spielt internationale Politik (Wahlen in UK und Frankreich, Trump) für die Rentenmärkte eine entscheidende Rolle.