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Bauinvestitionen sollen weiter ansteigen (© Getty Images)
IfW-Prognose
20.06.2017

Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) erwartet in seiner Konjunkturprognose einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent in diesem und um 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland legt laut Prognose bis 2018 mit höherem Tempo zu, als das nachhaltig mögliche Wirtschaftswachstum, wodurch sich die Abwärtsrisiken erhöhen.

Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind voll, öffentliche Haushalte verzeichnen weiter Rekordüberschüsse. Die Arbeitslosigkeit erreicht neue Tiefstände, und die Baugenehmigungen in Deutschland steigen. Traditionell liefert das Baugewerbe recht verlässliche Hinweise, denn Bautätigkeiten sind stark abhängig von der konjunkturellen Entwicklung. Steigt die Zahl der Genehmigungen, ist dies in der Regel ein Hinweis auf eine Aufwärtsbewegung. Die gesamtwirtschaftliche Überauslastung ist allerdings nach einer sechsjährigen Aufschwungphase so groß wie seit dem Boom-Jahr 2007 nicht mehr – droht der deutschen Wirtschaft eine konjunkturelle Überhitzung?

Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) erwartet in seiner Konjunkturprognose einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,7 Prozent in diesem und um 2 Prozent im nächsten Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland legt laut Prognose bis 2018 mit höherem Tempo zu als das nachhaltig mögliche Wirtschaftswachstum, wodurch sich die Abwärtsrisiken erhöhen. Die Überauslastung beträgt zum Ende des Prognosezeitraumes etwa 2 Prozent. „Bei bereits merklich über normal ausgelasteten Kapazitäten steht Deutschland damit an der Schwelle zur Hochkonjunktur. Vor diesem Hintergrund nehmen auch die Risiken für die Wirtschaft zu“, sagt Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW. „Die deutsche Wirtschaft driftet in die Hochkonjunktur, auch wenn die zyklischen Ausschläge aufgrund des gestreckten Aufschwungs weniger deutlich ausgeprägt sind.“

„Die Wirtschaftspolitik ist gehalten, die Übertreibungen im Boom möglichst einzudämmen“

Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW

Unternehmensinvestitionen legen stark zu

Insgesamt gewinnt der Aufschwung in Deutschland zunehmend an Breite. Zwar dürfte der private Konsum in deutlich verlangsamtem Tempo expandieren, da die Kaufkraft der verfügbaren Einkommen durch den ölpreisbedingten Anstieg der Inflation auf knapp 2 Prozent spürbar geschmälert wird. Auch wird der öffentliche Konsum nicht mehr ganz so rasch ausgeweitet werden, da es hier voraussichtlich zu keinen zusätzlichen Ausgaben im Zuge der Flüchtlingsmigration kommen wird.

Die Bauinvestitionen werden im gesamten Prognosezeitraum nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Zinsen weiter lebhaft mit Raten von 3,4 (2017) und 4,0 (2018) Prozent expandieren. Zudem dürften die Exporte mit der allmählichen Belebung der Weltkonjunktur wieder zunehmend den Aufschwung stützen und im laufenden Jahr um 4 Prozent und im kommenden Jahr um 4,8 Prozent zunehmen.

Die zyklischen Abwärtsrisiken nehmen in Folge der Überauslastung der deutschen Wirtschaft zu. Auch eine ungewöhnlich lange Aufschwungphase wird nicht ewig währen. „Eine nach oben vom Potenzial abweichende Produktionstätigkeit muss früher oder später korrigiert werden“, sagt Kooths.

„Die Wirtschaftspolitik ist gehalten, die Übertreibungen im Boom möglichst einzudämmen und ihn nicht noch weiter zu befeuern, etwa durch nicht-nachhaltig finanzierte Versprechungen im Wahljahr. Die deutsche Wirtschaft ist mit überhöhter Drehzahl unterwegs – und das bereits im höchsten Gang. Einfach höher schalten geht also nicht. Im Gegenteil: Aus demografischen Gründen wird schon in wenigen Jahren ein Gang wegfallen. Es drohen dann zusätzliche Ansprüche an den Wohlfahrtsstaat bei gleichzeitig geringerer Wirtschaftskraft“, warnt Kooths.

Weltkonjunktur trotz Unsicherheiten

Vor allem in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ist die wirtschaftliche Stimmung gut, auch in den Schwellenländern hat sich die konjunkturelle Lage spürbar verbessert. Der Anstieg der Welt- produktion, gerechnet auf Basis von Kaufkraftparitäten, dürfte sich von 3,1 Prozent im vergangenen Jahr auf 3,6 Prozent bzw. 3,7 Prozent in den Jahren 2017 und 2018 erhöhen. Damit korrigieren die Konjunkturforscher des IfW ihre Prognose vom März für beide Jahre leicht um 0,1 Prozent- punkte nach oben. „Die Unsicherheit über die künftige Wirtschaftspolitik ist zwar groß, sie dämpft die wirtschaftliche Aktivität derzeit aber offenbar nicht erheblich“, sagt Kooths. In den Vereinigten Staaten dürfte sich der Produktionsanstieg auch dank spürbarer fiskalischer Impulse auf 2,2 Prozent in diesem und 2,5 Prozent im nächsten Jahr beschleunigen. Die konjunkturelle Erholung im Euroraum setzt sich mit Zuwachsraten von etwa 2 Prozent in diesem und im nächsten Jahr fort. Während sich der Produktionsanstieg in den meisten Schwellenländern verstärken dürfte, ist für China eine allmähliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Expansion zu erwarten.

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