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Mikro-Appartments heißt Wohnen auf kleinstem Raum (© Getty Images)
Temporäres Wohnen
28.06.2017

Die Zahl der Haushalte in Deutschland, die von nur einer Person bewohnt werden, wird laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2030 auf etwa 44 Prozent steigen. Von vielen Alleinlebenden – seien es Auszubildende, Studierende oder Pendler – ist kompaktes Wohnen auf Zeit gefragt wie nie. Eine Kurzstudie der HSH Nordbank zeigt, warum „Temporäres Wohnen“ in Hamburg ein großer Wachstumsmarkt ist.

Auf den ersten Blick wirkt der weiße Würfel wie eine minimalistische Skulptur. Doch in ihm verborgen sind ein ausklappbarer Tisch, ein ausziehbares Bett, eine Nasszelle, eine Küchenzeile und ein Kleiderschrank. Alles da, was man zum Wohnen so braucht. „mnmm“ heißt der Zauberwürfel und ist die Vision eines Mikro-Appartements auf 27 Quadratmetern vom Berliner Architekturbüro Scheidt Kasprusch.

Wohnraum in den Ballungszentren wird knapper, weil der Zuzug in die Städte anhält und gleichzeitig eine „Versingelung“ der Gesellschaft stattfindet. Einhergehend mit einem prognostizierten jährlichen Bevölkerungswachstum von etwa 9.600 Neu-Hamburgern wird auch die Zahl der Alleinlebenden laut einer aktuellen Studie der HSH Nordbank um 3.700 pro Jahr steigen. Bereits heute lebt jeder zweite Hamburger in einem Einpersonenhaushalt – in der Innenstadt sind es sogar zwei von drei Haushalten. Auch deutschlandweit steigt die Zahl der Ein-Personen-Haushalte in den vergangenen Jahren stetig. Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes werden bis 2030 etwa 44 Prozent aller deutschen Haushalte von nur einer Person bewohnt sein.

Das fast komplett aus Holz gebaute Studentenwohnheim namens „Woodie“ umfasst Appartements, die den gemütlichen Charme eines Holzhauses verbreiten.

 

 

Mikro-Appartements wie „mnmm“ oder das „Woodie“, ein neu in Hamburg entstehendes Studentenwohnheim, das aus 20 Quadratmeter kleinen, wie bei einem Legospiel stapelbaren Wohncontainern errichtet wird, sind ein Weg, den Bedarf zu decken; sie sind für jene Mieter interessant, die nur temporär an einem Ort leben. Somit richtet sich das Angebot, vor allem an Studenten, Pendler, Berufseinsteiger und Geschäftsleute, die oft reisen müssen. Außerdem befinden sich die kleinen Appartements in zentraler Lage, sodass der Weg zur Universität oder zum Arbeitsplatz in kurzer Zeit – am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln – zurückgelegt werden kann.

Qualität des Wohnraums entscheidend

Temporäres Wohnen“ ist für die Immobilienbranche ein aktuelles Trendthema. „In kaum einem anderen Immobiliensegment fallen Nachfrage und Angebot so stark auseinander wie beim Wohnen auf Zeit, da immer mehr Studierende, Singles und Pendler um kompakten Wohnraum in den Innenstädten konkurrieren. In Hamburg sehen wir deshalb und aufgrund von Nachholeffekten auch mittelfristig einen hohen Bedarf für diese Wohnprodukte“, sagt Peter Axmann, Leiter Immobilienfinanzierung der HSH Nordbank, die sich als einer der bedeutenden gewerblichen Immobilienfinanzierer in Deutschland früh mit dem Themenbereich „Wohnen auf Zeit“ beschäftigt und bereits diverse Projekte begleitet hat.

Für den Nutzer solcher Mikro-Appartements geht die Rechnung so: Er bekommt auf wenigen Quadratmetern eine voll funktionstüchtige Wohnung. „Der Quadratmeterpreis mag hoch sein, doch der Wohnraum ist bezahlbar“, sagt Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin. Bezüglich der Frage, wie viel Platz es zum Wohnen braucht, sei das ein logischer Ansatz, findet die Wissenschaftlerin: „Wir denken noch zu sehr in Quadratmetern. Eigentlich aber ist die Qualität des Wohnraums die interessantere Frage."

„In kaum einem anderen Immobiliensegment fallen Nachfrage und Angebot so stark auseinander wie beim Wohnen auf Zeit“

Peter Axmann, Leiter Immobilienfinanzierung HSH Nordbank

Auch die renommierten Trendforscher Matthias Horx und Frau Oona Horx-Strathern bilanzieren in ihrer Studie „50 Insights – Zukunft des Wohnens“: „Man wird in immer weiter wachsenden Großstädten den Luxus von rund 40 Quadratmetern pro Kopf, wie es etwa in vielen Teilen Berlins oder in Wien noch der Fall ist, auf Dauer nicht aufrechterhalten können.“ Der Trend geht von den „Squaremeters zu den Sharemeters", sagen die Forscher. Das heißt, dass künftig die Nachfrage nach Wohnraum nicht mehr so sehr von der Quadratmeterzahl bestimmt werde, sondern von der angrenzenden Infrastruktur, der Qualität der Nachbarschaft, der „Shared Spaces“, also der Gemeinschaftsflächen. Neben dem Temporären Wohnen ist das ein zweites Zukunftsmodell, um der Wohnraumknappheit zu begegnen. „Braucht wirklich jede Wohnung einen Balkon oder wäre nicht auch ein großer Balkon für alle möglich?“ fragt Ricarda Pätzold.

Verringerung des Footprints

Unternehmen wie die International Campus AG aus München entwickeln derzeit mit Hochdruck Mikro-Appartement-Projekte in deutschen Großstädten, darunter „THE FIZZ“ in Hamburg-Altona mit mehr als 770 Wohneinheiten. Die Fertigstellung ist für das Sommersemester 2019 geplant. Die Zukunft des Wohnens können die Bewohner des „The Collective“, einem Londoner Hochhaus, schon heute erleben. Die Appartements richten sich an junge „Millennials“, die kein Interesse an materiellem Besitz und langfristigen Mietverträgen haben. Manche der Mikro-Wohnungen sind nicht größer als zehn Quadratmeter und bieten Platz für ein Bett, ein kleines Badezimmer mit Toilette und Dusche und einer winzigen Küche mit zwei Kochfeldern. Arbeiten, Wäsche waschen, Zusammensein mit Freunden, all das können Bewohner auf über 1100 Quadratmetern gemeinsam genutzter Fläche.

Mikro-Appartements sind auch aus ökologischen Gründen ein Trend. „Wenn das politische Ziel erreicht werden soll, den Flächenverbrauch zu reduzieren, reichen innerstädtische Verdichtung nicht, sondern es muss auch weniger Wohnfläche pro Kopf bedeuten“, sagt Oona Horx-Strathern. Weniger Wohnfläche bedeutet weniger Energieverbrauch und die Verkleinerung des Footprints. Deswegen könnte auch darüber nachgedacht werden, meint Forscherin Horx-Strathern, ob flächensparendes Wohnen staatlich gefördert werde.

Hier können Sie die ganze Studie lesen

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