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Peter Jaeger ist Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland (© Tinka und Frank Dietz)
brand-eins-Konferenz
14.06.2017

In der Münchner Microsoft-Zentrale erprobt Peter Jaeger neue Raumkonzepte und Arbeitsmodelle. Untereinander konkurrieren die Unternehmen im „War for Talents“ um junge Talente aus dem IT-Umfeld oder Betriebswirte mit Technologieexpertise. Die können sich den Arbeitsplatz aussuchen und entscheiden sich gern für solche in attraktiven Metropolen.

Nicht von der Digitalisierung überrollt werden, sondern das nächste große Ding im eigenen Haus ausbrüten – für dieses Ziel tun Unternehmen in Deutschland eine Menge. Dabei helfen sollen sowohl die Einbindung von Start-ups als auch die Einrichtung von Zukunftslabors. Entscheidend aber ist die Auswahl der Mitarbeiter. Untereinander konkurrieren die Unternehmen im „War for Talents“ um junge Talente aus dem IT-Umfeld oder Betriebswirte mit Technologieexpertise. Die können sich den Arbeitsplatz aussuchen, und entscheiden sich gern für solche in attraktiven Metropolen. „Amazon und Google haben ihre Zentralen in München und Hamburg“, sagte Peter Jaeger, seit 2012 Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland. „Wir waren in Unterschleißheim.“ Nicht gerade ein Ort, der junge Talente magisch anzieht. „Wir hatten Schwierigkeiten, die echten Talente anzuziehen.“ Ein Grund, einiges zu ändern. Seit Oktober 2016 sitzt das Unternehmen in München-Schwabing in einem 26.000 Quadratmeter großen, modernen Bürokomplex und probiert dort neue Methoden des Arbeitens aus.

Feste Arbeitsplätze sucht man vergebens. „Schon 2014 haben wir die freie Arbeitsortwahl definiert, und heute sind die Mitarbeiter komplett flexibel, wann und wo sie arbeiten“, sagt Informatiker und Betriebswirt Jaeger, der zuvor bei Hewlett Packard und bei IBM arbeitete. Die freie Wahl des Arbeitsplatzes schließt das Home Office mit ein, was zunehmend gut ankommt. „Am Anfang fanden Sie um acht Uhr morgens keinen Parkplatz mehr, aber jetzt wird es leerer, weil die Mitarbeiter das Angebot aktiv wahrnehmen“, sagt Jaeger.

Freizeitprogramm muss stimmen

Die neue Umgebung in Schwabing passt zu einem Unternehmen, dass sich unter dem neuen Chef Satya Nadella neu erfunden hat. „Es reicht heute nicht mehr, einfach einen Kicker hinzustellen“, sagt Jaeger. Bei Microsoft in München-Schwabing können sich die 1900 Mitarbeiter entscheiden, ob sie in den Ruhebereichen „Think Space“ und „Accomplish Space“ konzentriert für sich arbeiten oder sich mit anderen im „Share & Discuss Space“ zum Ideenaustausch treffen wollen. „Wir können in dem Neubau freier miteinander arbeiten und diskutieren,“ sagt Jaeger, der auch auf die Work-Life-Balance bei den Mitarbeitern achtet. „Es kann leicht passieren, dass die Hochmotivierten eine 70-Stunden- Woche absolvieren. Da bin ich dann gefordert, dass das nicht passiert.“

So ganz ohne Kicker kommt das Unternehmen am Ende aber doch nicht aus. Neben unterschiedlichsten Räumen und Arbeitsflächen bietet die Münchner Microsoft-Zentrale elf Dachterrassen und ein Fitnessstudio – beim Kampf um die besten jungen Köpfe muss auch das Freizeitprogramm stimmen.

Teure Innenstadtlagen

Dass viele Unternehmen über neue Arbeitskonzepte und -Räume nachdenken, erkennt Jaeger an der Nachfrage nach Führungen in den Unternehmensräumen, die Kunden an Microsoft herantragen. Die Kunden erhoffen sich Inspiration, wie sie die Arbeitswelt in ihren eigenen Unternehmen umgestalten können und wie sich die wachsende Mobilität der Mitarbeiter in der Arbeitsumgebung wiederfinden kann. Die Abkehr von festen Arbeitsplätzen und multifunktionalen Lounges hat aber noch einen anderen Hintergrund: Flächeneffizienz. Das legt eine Befragung des Immobilien-Dienstleisters Savills nahe. Unternehmen, die im „War for Talents“ bestehen wollen, entscheiden sich demnach oft für Innenstadtlagen in den Metropolen, die für junge Mitarbeiter besonders attraktiv sind. Doch nirgendwo bezahlt man pro Quadratmeter mehr. Der vorhandene Raum muss also effektiv genutzt werden. Das wichtigste ist laut Peter Jaeger aber, dass das Büro weiterhin als sozialer Ort dient, an dem man zusammenkommt. „Es geht nach wie vor nichts über den persönlichen Kontakt“, sagte Jaeger auf der brand-eins-Konferenz. „Wenn der weg wäre, würden wir Probleme bekommen.“

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