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Öl-und Gassektor in den USA profitiert von lockeren Umweltrichtlinien (© Getty Images)
Aktienmärkte
01.06.2017

„Sollten die USA das Klimaschutz-Abkommen aufkündigen, dürften davon der Öl- und Gassektor sowie die traditionelle Autoindustrie profitieren“, so Patrick Harms, Analyst der HSH Nordbank

Die Aktienmärkte haben in dieser Woche ein gemischtes Bild abgegeben. Der DAX blieb mit einem Rückgang im Vergleich zur Vorwoche von knapp 0,3 % nahezu unverändert, genau wie der S&P 500, der 0,12 % zulegte. Der Eurostoxx hingegen musste einen Rückgang um mehr als 1 % hinnehmen. Insgesamt war die Handelswoche eher ruhig. Der G7-Gipfel am Wochenende verlief zumindest inhaltlich ereignislos. Auf der internationalen Bühne spricht derzeit nicht viel für mehr Kooperationen, was gemeinsame Vorstöße wie den Iran-Deal oder das Klimaabkommen in den letzten Jahren, in Zukunft noch unwahrscheinlicher macht. Vielmehr sind diese bestehenden Vereinbarungen durch US-Präsident Donald Trump in Gefahr. Stattdessen sorgte Trump mit Aussagen in Hintergrundgesprächen und seinem teilweise als unangemessen kommentierten Auftreten für Aufsehen. Vor allem aber reagierten sowohl die deutsche Bundeskanzlerin und der Außenminister mit einem Aufruf an die Europäer zu mehr Unabhängigkeit. An den Finanzmärkten wurde dies offenbar vor allem auf Unabhängigkeit von den USA in der Außen- und Verteidigungspolitik aufgefasst. Die Grafik unten zeigt die Entwicklung der fünf großen nationalen Aktienindizes in der Eurozone seit Jahresbeginn. Während alle fünf Indizes seit Jahresbeginn deutliche Kurszuwächse verzeichnen konnten, sticht der spanische IBEX-Index mit über 15 % Kurswachstum heraus, was vor allem die sich mehr und mehr verfestigende Gesundung der spanischen Wirtschaft wiederspiegelt.

Die Unterschiede in der letzten Woche helfen dabei zu erklären, warum der Eurostoxx in dieser Woche deutlich schlechter performt hat als DAX und S&P 500. Während alle anderen Indizes nur leichte Zuwächse oder Rückgänge verzeichnete, ging es an den italienischen Aktienmärkten (FTSEMIB) deutlich bergab. Nachdem sich Matteo Renzi, der ehemalige Premierminister, in einem Interview für Neuwahlen im September aussprach, brach am italienischen Aktienmarkt kurzerhand Panik aus. Vor allem Aktien aus dem Finanzsektor trugen teilweise stark zum Kursrückgang von gut 2 % in der letzten Woche bei. Stabilisierend hat im Eurostoxx hingegen die Entwicklung im Verteidigungssektor gewirkt: Nach dem G7-Gipfel und den Aufrufen zu mehr Unabhängigkeit der Europäer stiegen dort die Kurse deutlich an. So legten Airbus-Aktien im Vergleich zur Vorwoche um über 2 % zu und der französische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Safran gewann beinahe 5 % hinzu. Im Stoxx Europe (der Index für ganz Europa) gewann der Verteidigungssektor fast 2 % im Vergleich zur Vorwoche.

Für heute (01.06.) um 21:00 wurde eine Entscheidung der US-Administration zum Klimaabkommen angekündigt. Sollten die USA das Abkommen aufkündigen, dürften davon kurzfristig der Öl- und Gassektor sowie die traditionelle Autoindustrie profitieren. Versorger, vor allem jene, die auf klimaschonende Technologien setzen, müssten hingegen mit Verlusten rechnen. Am kommenden Donnerstag findet die EZB-Sitzung statt. Wir erwarten – abgesehen von Details in der Einschätzung – keine fundamental restriktivere Haltung der Notenbank, was den Aktienmärkten helfen dürfte. Dafür sprechen vor allem die enttäuschenden Inflationszahlen in der Eurozone. Die Wahlen in Großbritannien sind in den letzten Wochen spannender geworden. Der linke Labour-Kandidat Jeremy Corbyn zeigte sich gegenüber der Eurozone und Zugeständnissen beim Brexit-Deal deutlich offener als Theresa May. Andererseits sind die Finanzmärkte von seinen Ausgaben- und Verstaatlichungsplänen abgeschreckt. Die Auswirkungen, die ein Überraschungssieg des Außenseiters auf Aktien in der Eurozone hätte, sind daher schwer auszumachen.