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Löste mal wieder Irritationen aus: US-Präsident Trump (© Getty Images)
Rentenmärkte
19.05.2017

„Die Washingtoner Chaostage bringen die wirtschaftliche Agenda in Gefahr“, sagt Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

In den vergangenen Tagen haben die langfristigen US-Renditen einen Rücksetzer gemacht und auch die Bundrenditen gingen zurück. Der Grund dafür ist die zunehmende Nervosität der Investoren in Bezug auf die Stabilität der Trump-Regierung. Die Meldungen über einen möglichen Verrat von Staatsgeheimnissen an Russland, die Entlassung von FBI-Chef James Comey und die Ernennung eines Sonderermittlers, der Verbindungen des Trumpschen Wahlkampfteams mit Russland untersuchen soll, werden mittlerweile auch von den Aktienmärkten nicht mehr ignoriert, denn die Washingtoner Chaostage bringen die wirtschaftspolitische Agenda in Gefahr. Hoffnungen auf Steuersenkungen und höhere Infrastrukturausgaben werden von immer mehr Investoren begraben.

Vor diesem Hintergrund sind die zehnjährigen Renditen gegenüber der Vorwoche von 2,41 % auf 2,20 % gesunken. Die zehnjährigen Bunds rentieren bei 0,32 %. Von der Konjunkturseite kamen zuletzt positive Meldungen. Der Euroraum ist mit Schwung in das laufende Jahr gestartet, das Q1-Wachstum von 0,5 % QoQ wurde bestätigt. Damit hat das Wachstum leicht an Dynamik gewonnen. Besonders hervor stach Spanien mit einen QoQ-Wachstum von 0,8 % gefolgt von Deutschland mit 0,6 % QoQ. Auch das BIP-Wachstum in Frankreich mit 0,3 % QoQ war erfreulich, während Italien hinterherhinkte. In den USA ist die Industrieproduktion im April mit 1 % stärker als erwartet im Vergleich zum Vormonat gestiegen, nachdem sie im März hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Zudem hat die Kapazitätsauslastung spürbar auf 76,8 % zugelegt. Auch die US-Einzelhandelsumsätze für den Monat April fielen auf den zweiten Blick deutlich besser aus als zunächst angenommen. Zwar schwächelten die Einzelhandelsumsätze im Monatsvergleich, allerdings ist dies auf die Anhebung der Wachstumsrate im Vormonat zurückzuführen. Schließlich sind die US-Konsumenten weiterhin in sehr guter Stimmung, was sich einmal mehr an dem vorläufigen Wert des Indikators der Uni Michigan ablesen ließ. Für die Fed sehen wir aktuell keinen Anlass, ihren eingeschlagenen geldpolitischen Kurs zu ändern.

In Bezug auf die Weltwirtschaft war die internationale Konferenz zur „neuen Seidenstraße“ interessant, die in Peking unter der Leitung Chinas stattfand. China will damit seine Vormachtstellung im Welthandel ausbauen und enorme Summen investieren. Das medienwirksame Ereignis überstrahle auch den mäßigen Start ins zweite Quartal. Chinesische Einzelhandels- und Industrieproduktionsdaten waren zuvor schwächer als erwartet ausgefallen. Die chinesische Wirtschaft scheint beim Start in das zweite Quartal etwas an Schwung eingebüßt zu haben. Grund zur Unruhe besteht jedoch unserer Ansicht nach nicht. In der kommenden Woche dürften sich die Blicke mit Spannung auf die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone sowie der Veröffentlichung des ifo-Index richten. Dies dürfte vor allem in Hinblick daraufhin interessant sein, ob diese die guten Werte der Vormonate weiter aufrechterhalten können. Die Frage in Zukunft wird sein, inwiefern sich die Märkte an das Trumpsche Chaos gewöhnen werden und ob zukünftige Eskapaden rund um den Präsidenten weiter ein solches Marktbewegungspotenzial behalten.