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Finanzmärkte reagierten auf Macrons Sieg erleichtert (© Getty Images)
Präsidentschaftswahl Frankreich
04.05.2017

Das Rennen ist bei der Frankreich-Wahl noch nicht gelaufen, meint Frankreich-Experte Patrick Harms von der HSH Nordbank. Da die Investoren bereits so euphorisch auf das Ergebnis des ersten Wahlgangs reagierten, ist der Aufwertungsspielraum des Euros nach dem zweiten Wahlgang aber beschränkt.

Vor dem zweiten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag (7. Mai) schauen viele Investoren wieder nach Europa. Nachdem sich der unabhängige und sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen im ersten Wahlgang gegen die anderen Kandidaten durchsetzten, dürfen die beiden Traditionsparteien, die Sozialisten und die Konservativen, zum ersten Mal in der französischen Geschichte beide gleichzeitig im zweiten Wahlgang nur zuschauen.

Begeisterte Reaktionen auf das Ergebnis des ersten Wahlgangs

Die Finanzmärkte und die Investoren waren von dem Ergebnis des ersten Wahlgangs begeistert: Der ehemalige Investmentbanker Macron setzte sich mit 24 % zu 21,3 % einigermaßen deutlich gegen Marine Le Pen durch. In Umfragen für den zweiten Wahlgang wird mit einem Abstand zwischen Macron und Le Pen zwischen 18 und 25 Prozentpunkten gerechnet – damit wäre der 39-jährige Macron der bisher jüngste Präsident der Fünften Republik. Der Euro wertete am ersten Handelstag nach dem ersten Wahlgang im Vergleich zum US-Dollar von 1,07 auf 1,09 auf, die französischen Aktienmärkte feierten ein großes Comeback und der DAX knackte seinen Rekord aus dem Jahr 2015.

Restrisiko Wahlbeteiligung

Die Franzosen sind mit einer großen Mehrheit für den Euro, was Marine Le Pen dazu bewegt haben dürfte, eine Strategiewechsel zu vollziehen und ihre Anti-Euro-Positionen aufzuweichen. Le Pen hat seit dem zweiten Wahlgang vor allem versucht, die Gemeinsamkeiten mit der extremen Linken zu betonen, um die Wähler von Jean-Luc Mélenchon – der sich nicht eindeutig für Macron im zweiten Wahlgang ausgesprochen hat – für sich zu gewinnen. Daher wird es spannend sein, die Strategie der Rechtspopulistin während der Debatte und die bis Freitag veröffentlichten Umfragen zu beobachten. Die Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang war außergewöhnlich hoch. Allerdings konnte Macron seit seinem Wahlsieg am vergangenen Sonntag keine wirkliche Euphorie verbreiten. Als Jacques Chirac 2002 gegen Marine Le Pens Vater Jean Marie im zweiten Wahlgang antrat, bildete sich ein großer Unterstützerkreis für den Konservativen. Betrachtet man die Berichterstattung in den Medien und die Demonstration, die sich sowohl gegen Le Pen als auch gegen Macron richten, scheint das diesmal anders zu sein. Dass viele seiner Wähler zu Hause bleiben, weil sie sich sicher sind, dass er ohnehin schon gewonnen hat, könnte das größte Restrisiko für den unabhängigen Kandidaten darstellen.

Euro/USD: Was wäre wenn?

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Marine Le Pen den zweiten Wahlgang für sich entscheidet, Rechnen wir mit einer Bewegung des EUR/USD bis zu 1,03. Der Spielraum nach unten hat sich in den letzten Wochen – auch aufgrund der guten Konjunkturentwicklung in der Eurozone – verkleinert. Vor allem die Umfragen und die historische Erfahrung im französischen Mehrheitswahlrecht sprechen gegenwärtig gegen einen Sieg Marine Le Pens.

EUR/USD: Begrenzter Aufwertungsspielraum bei Macron-Sieg

Da die Investoren bereits so euphorisch auf das Ergebnis des ersten Wahlgangs reagierten, ist der Aufwertungsspielraum nach dem zweiten Wahlgang beschränkt. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Umfragen im ersten Wahlgang sehr zielsicher waren, erscheint ein Irrtum, der die Vorsprungsmarge Macrons übersteigt, ausgeschlossen. Dennoch: Wenn die letzten Unsicherheiten für einen Sieg des europafreundlichen Kandidaten aus dem Weg geräumt sind, dürften sehr konservative Investoren den europäischen Märkten gegenüber wieder zugewandter sein. Schließlich war ein negativer Ausgang der Frankreich-Wahl zu Beginn des Jahres noch das größte Risiko für die europäische Marktentwicklung. Wir rechnen im Falle eines Wahlsiegs Macrons mit einer Bewegung des EUR/USD in Richtung von 1,10 und ein zeitweises Überschießen.