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Interessante Panels: Die brand-eins-Konferenz in Hamburg (© Tinka und Frank Dietz)
brand-eins-Konferenz
29.05.2017

Auf der Zukunftskonferenz von brand eins in Hamburg berichten Manager, wie sie den Wandel in ihren Unternehmen vorantreiben. Sich wandeln bleibt ein Prozess – das gilt für Unternehmen gleichermaßen wie für Gesellschaften oder Individuen.

Gastgeberin: Gabriele Fischer, Chefredakteurin brand eins (© Tinka und Frank Dietz)

Die Zukunftskonferenz des Wirtschaftsmagazins brand eins gilt seit einigen Jahren als wichtiger Treffpunkt für alle, die Inspiration, konkrete Beispiele und Vorbilder für die Gestaltung der Zukunft ihrer Unternehmen suchen. „Wer aber glaubt, hier ein Patentrezept zu finden, den muss ich enttäuschen“, sagt brand-eins-Chefredakteurin Gabriele Fischer gleich zu Beginn der Konferenz. „Wir brauchen zunächst alle die Bereitschaft, uns auf Neues einzulassen.“ Ungewöhnliche Perspektiven, überraschende Einblicke und interessante Denkanstöße - damit hat sich das Magazin auch in Unternehmerkreisen einen sehr guten Ruf erarbeitet.

Mit ersterem wartet die Konferenz gleich zu Beginn auf. Der Historiker und Autor Kai Michel stellte die Thesen seines mit Carel van Schaik verfassten Buchs „Das Tagebuch der Menschheit: Was die Bibel über unsere Evolution verrät“ vor. „Wir waren erstaunt, was für Schätze wir durch das intensive Bibelstudium gefunden haben“, sagt Michel. „Man schreibt ein Tagebuch, weil man dieselben Fehler nicht immer und immer wieder begehen will.“ So sei die Bibel durchaus ein Vorbild, wenn es um das Meistern von Krisen geht. „Warum ist es einem kleinen Land wie Israel gelungen, mit dem Christen- und dem Judentum zwei bedeutende Weltreligionen hervorzubringen? Israel war ein bedrängtes Land, das viele Krisen und Katastrophen aushalten musste. Das führte zu einem enormen Innovationsdruck.“ Viele Menschen würden sich heute fragen, warum sich der Wandel in der Wirtschaft so rasant vollziehe. „Dabei ist der Markt eine Art Dauerkrise, die Innovationen erzwingt.“ Die Bibel zeige, wie Wandel erfolgreich ablaufe. Eine intellektuelle Lösung taucht auf, die zuerst im Widerspruch gegen die menschliche Natur zu stehen scheint. Dann wird nachgebessert, und die Synthese passt dann besser. Im ersten Anlauf gelinge der große Wurf fast nie – ein Umstand, den viele Zuhörer auf Grund eigener Erfahrungen in ihren Unternehmen nachvollziehen können.

Freiheit steht unter Druck

Die Frage, ob das gute Leben und das Streben nach Glück Privatsache jedes einzelnen sind, oder ob der Staat die Bürger vor sich selbst schützen soll, stellt die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Ulrike Ackermann vom John-Stuart-Mill-Institut für Freiheitsforschung ins Zentrum ihres Vortrags. Das Institut erhebt jährlich den Freiheitsindex und ermittelt, wie es die Deutschen mit der Freiheit und den westlichen Werten halten. „Die Freiheit ist immer stärker unter Druck geraten“, sagte sie in ihrer durchaus ungemütlichen Bestandsaufnahme. Der große Optimismus nach dem Sieg über dem Kommunismus sei längst verflogen. Freiheit müsse stets neu erkämpft werden.

Mit dem „War of Talents“ ist Microsoft inmitten eines anderen Kampfes, wie Peter Jaeger, seit 2012 Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, bekannte. „Amazon und Google haben ihre Zentralen in München und Hamburg, wir waren in Unterschleißheim.“ Kein Ort, der junge Talente magisch anzieht. Für Jaeger ein Grund, einiges zu ändern. Mittlerweile sitzt das Unternehmen in München-Schwabing in einem 26.000 qm großen, hypermodernen Bürokomplex und probiert dort neue Methoden des Arbeitens aus. „2014 haben wir die freie Arbeitsortwahl definiert, und heute sind die Mitarbeiter komplett flexibel, wann und wo sie arbeiten“, sagt Informatiker und Betriebswirt Jaeger, der zuvor bei Hewlett Packard und bei IBM arbeitete. Die neue Umgebung passt zu einem Unternehmen, dass sich unter dem neuen Chef Satya Nadella neu erfunden hat.

Persönlich wandlungsfähig bleiben

Zur Innovation gezwungen - für den Fernseherhersteller Loewe gilt dies noch im stärkeren Maße. Das Unternehmen aus Kronach überstand eine Insolvenz und steht heute als Premiumhersteller wieder auf stabileren Füßen. Dass es eine Herausforderung werden würde, war Jonathan Herrle klar, als er 2015 zu Loewe ging. Der Designmanager und Innovations-Experte Herrle traf bei Loewe nicht nur auf motivierte Menschen, die den Wandel begrüßten, sondern auch auf altbackene Separées für den Vorstand in der Kantine. „Man hat mir gleich zugebilligt, dass sie abgeschafft werden“, sagt Herne. „Da war mir klar, dass ich hier einiges bewegen kann.“ Den Wandel vorantreiben - so ist auch seine Rolle als Chief Experience Officer und Mitglied der Geschäftsleitung bei Loewe definiert.

Das man Wandel nur glaubhaft in Unternehmen vorantreiben kann, wenn man auch persönlich wandlungsfähig bleibt, meint Ragnhild Struss, die mit ihrem Unternehmen Struss und Partner Karrierestrategien anhand individueller Persönlichkeits- und Potenzialanalyse ihrer Kunden auslotet. „Echter Wandel beginnt im Wesen des einzelnen“, glaubt Struss, die dazu aufrief, nicht immer die bessere Version von sich und Perfektion als Endziel anzustreben. Sich wandeln bleibt ein Prozess. Das gilt für Unternehmen gleichermaßen wie für Gesellschaften oder Individuen – diese Erkenntnis hat die brand-eins-Konferenz „So geht Zukunft“ deutlich unterstrichen.