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Fed-Chefin Janet Yellen lässt Zinserhöhungen Vorsicht walten (© Getty Images)
Fed-Chefin Janet Yellen lässt Zinserhöhungen Vorsicht walten (© Getty Images)
Rentenmärkte
12.05.2017

„Die US-Zinsfutures rechnen bereits fest mit einer Zinserhöhung der Fed im Juni“, so Marius Schad, Analyst der HSH Nordbank.

Der US-Anleihemarkt wurde in der zurückliegenden Woche von einem Spannungsfeld aus zinspolitischen Diskussionen, innenpolitischen Entwicklungen und konjunkturellen Indikatoren dominiert. Die Renditen für die richtungsweisenden zehnjährigen US-Treasuries zogen zur Vorwoche leicht um 5 Basispunkte an und belaufen sich aktuell auf 2,39 %.

Die Zweifel an der Durchsetzbarkeit einer unternehmerfreundlichen US-Wirtschaftspolitik und Gesetzgebung haben durch die jüngsten innenpolitischen Entwicklungen neue Nahrung erhalten. Die plötzliche Entlassung des FBI-Direktors Comey zu Beginn der Woche könnte die Fronten zwischen den zwei dominierenden Parteien im US-Kongress verhärten und zu signifikanten Verzögerungen bei der Verabschiedung der Unternehmenssteuerreform führen. Der Aufwärtstrend der Treasury-Renditen, die zwischenzeitlich bei 2,42 % notierten, hat hierdurch einen Dämpfer erhalten. Neu emittierte US-Staatspapiere bekamen in einer unter der Woche abgehaltenen Auktion keine zusätzlichen Impulse und gaben eine Rendite von 2,40 % wieder. Der Trend der mittelfristen Zinsentwicklung bleibt davon jedoch ungebrochen. Der Präsident der Bostoner Fed, Eric Rosengren, stellte bei einer Rede an einer New Yorker Universität drei Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht. Angesichts der stabilen Arbeitsmarktdaten macht sich Rosengren für eine deutlich schnellere Erhöhung der Zinsen stark. Zudem regt das FOMC-Mitglied auch eine Reduktion der 4,5 Billionen US-Dollar schweren Bilanz der Fed noch in diesem Jahr an. Da sich auch die US-Importpreise im April deutlich erhöhten (0,5 % MoM), bleibt die Inflationsentwicklung vermutlich im Bereich des Fed-Ziels. Zusätzlich kann sich der Druck auf die US-Notenbank für einen Zinsschritt beim nächsten FOMC-Meeting (13./14.06.) durch die am Freitag (12.05.) veröffentlichte CPI-Inflation erhöhen. Die US-Zinsfutures rechnen bereits fest mit einer Zinserhöhung im Juni und messen auch dem Septembertermin eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt bei. Die Anleihen aus der Euro-Peripherie festigten sich nach der Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten weiter. Die Renditen für französische zehnjährige OATs erhielten dabei wenig zusätzlichen Impulse und notieren aktuell bei 0,86 % und 43 Basispunkte Spread zu Bundesanleihen. Deren Rendite hat sich um 7 Basispunkte auf 0,42 % leicht erhöht, was nach Abnahme wesentlicher politscher Risiken die Neigung vieler Investoren zu risikoreicheren Assets unterstreicht. Die Spreads griechischer (517 bp), spanischer (119 bp) und portugiesischer zehnjähriger Anleihen (298 bp) entwickelten sich rückläufig und drücken nach der Wahl Macrons eine gewisse Entspannung aus. Indes hat sich der neue französische Präsident für die Emission von Gemeinschaftsanleihen der Eurozone stark gemacht. Angesichts des Reformstaus in vielen Peripherie-Ländern und ihrer bereits hohen Schuldenquote wird der Vorstoß vor allem in den nördlichen Euroländern auf wenig Gegenliebe stoßen.