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Pulse of Europe mobilisierte europaweit Tausende Demonstranten (© dpa)
Pulse of Europe
05.05.2017

Es erfordert Mut, auf Missstände hinzuweisen und sich für seine Werte gerade zu machen. Die jüngsten Entwicklungen in der Welt stellen diese Werte auf den Prüfstand. Werte, die auch für den Erfolg von Unternehmen eine wichtige Bedeutung haben werden. Zugleich haben Menschen mehr Möglichkeiten als je zuvor, um ihrer Stimme Gehör zu verschaffen. Die Frage, wie wir uns verhalten sollen in den Zeiten, die gekennzeichnet sind durch unvorhersehbare politische Entscheidungen, hat die Bewegung „Pulse of Europe“ eindrucksvoll beantwortet. Wenige Wochen nach dem Auftakt in Frankfurt organisierte Monika Meyer im Februar die erste Demonstration von „Pulse of Europe“ in Hamburg. Zunächst versammelten sich einige hundert Menschen auf dem Rathausmarkt. In den Wochen darauf wurden es Sonntag für Sonntag mehr: Inzwischen ist aus „Pulse of Europe“ eine europaweite Bewegung geworden, die Pro-Europa-Demonstranten versammeln sich in 120 Städten in 16 Ländern. Mit prominenter Unterstützung: Beispielsweise hielt der Schauspieler Michael „Bully“ Herbig bei einer Pulse-of-Europe-Veranstaltung in München eine flammende Rede auf die Freiheit, in Köln traten Bernd Stelter oder die „Höhner“ an die Mikrofone. UP Nord sprach mit der 37-Jährigen Meyer, die im Marketing eines internationalen Unternehmens in Hamburg arbeitet, über die Auswirkungen der Frankreich-Wahl, ihr Engagement und die Perspektiven der Bürgerbewegung.

Die Wahl zwischen der Europagegnerin Marine Le Pen und dem Befürworter der Union Emmanuel Macron war eine Schicksalswahl für ganz Europa. Was kann eine Bewegung wie „Pulse of Europe“ im Kampf gegen Populismus und Nationalismus bewirken?
Monika Meyer:
Wir kämpfen nicht gegen etwas – das überlassen wir anderen. Wir wollen ein Zeichen setzen für Europa. Wir möchten, dass unsere Stimmen für Europa wahrgenommen werden und lauter sind als die der EU-Gegner. Die Europäische Union zu zerschlagen und die Grenzen wieder hochzuziehen löst keine Probleme. Und unser Erfolg, die Unterstützung, die wir aus ganz Europa bekommen, ist doch phänomenal!

Kritiker halten Ihrer Bewegung vor, es fehle ein Programm. Was erwidern Sie denen?
Monika Meyer:
„Pulse of Europe“ ist entstanden, weil viele Leute nach dem Volksentscheid für den Brexit und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gedacht haben: Ich muss etwas tun –  aber es gab dafür keine geeignete Plattform. Die bieten wir jetzt an. Anfangs hatten wir vor allem die anstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden im Blick. Dabei war unsere Haltung zu Europa klar, aber wir haben immer betont, dass wir keine politische Partei sind – und auch keine werden wollen. Wir sind eine Bürgerbewegung, die das Ziel hat, möglichst viele Bürger auf die Straße zu bringen – um die Politiker aufzufordern, Europa auf ihrer Agenda wieder ganz nach oben zu setzen. Denn dieses Thema ist bei vielen Politikern in den vergangenen Jahren zu weit nach unten gerutscht.

Will Pulse of Europe nicht zu einer politischen Partei formen: Monika Meyer (© Pulse of Europe)

Nach den Niederländern haben auch die Franzosen mit der Wahl von Macron mehrheitlich ein Bekenntnis zu Europa abgelegt. Hat die Bewegung „Pulse of Europe damit ihr Ziel erreicht?
Monika Meyer:
Erreicht haben wir schon jetzt, dass das Thema EU eine höhere Aufmerksamkeit bekommen hat. Alle Medien haben über „Pulse of Europe“ berichtet – und das, obwohl wir noch keine Millionen, sondern bislang nur zehntausende Menschen in Europa dazu bewegt haben, auf die Straße zu gehen. Doch diese Bewegung ist von den Politikern wahrgenommen worden – vom Grünen-Chef Cem Özdemir im Bundestag ebenso wie von der Bundeskanzlerin in einem Zeitungsinterview und sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat „Pulse of Europe“ in seiner Antrittsrede erwähnt. Wir wollen aber weitere Menschen wachrütteln. Vor allem die jüngere Generation ist bei „Pulse of Europe” weniger stark vertreten als wir uns das wünschen würden. Das mag daran liegen, dass für viele Jüngere das Europa der offenen Grenzen, in dem sie aufgewachsen sind, so selbstverständlich ist, dass sie sich kaum vorstellen können, was es bedeutet, diese Vorzüge zu verlieren. Wir machen uns derzeit Gedanken, wie wir die besser erreichen können.

Trotzdem scheint der Bewegung insgesamt etwas die Puste auszugehen. Wie schwer ist es, die Menschen über Wochen zu mobilisieren?
Monika Meyer:
Das ist für uns als Organisatoren nicht unbegrenzt zu leisten. Wir sind alle berufstätig und machen das ehrenamtlich in unserer Freizeit. Und es ist vielleicht auch von den Demonstranten etwas viel verlangt, jeden Sonntag zur Versammlung zu erscheinen. Wir werden unser Engagement in den kommenden Wochen deshalb konzentrieren und uns nur einmal im Monat versammeln – in Hamburg ebenso wie in den anderen Städten: Künftig ist jeder erste Sonntag im Monat der Pulse-of-Europe-Sonntag.

Und wie geht es nach der Bundestagswahl weiter?
Monika Meyer:
Das werden wir danach entscheiden. Klar ist, dass wir keine Partei gründen werden. Und es kann auch sein, dass diese Bürgerbewegung ein Enddatum hat. Andererseits gibt es noch einiges in Europa, für das wir uns engagieren wollen. Wir haben dazu bereits einige Arbeitsgruppen gegründet, um die Politiker weiter zum Handeln aufzufordern.

Es gibt jenseits des Populismus viel berechtigte Kritik an Europa, der Schwerfälligkeit der Institutionen, dem Mangel an Demokratie und Transparenz. Wie lassen sich die Begeisterung für die EU und konstruktive Kritik zusammenbringen?
Monika Meyer:
Dass es keine Grenzkontrollen mehr und seit Jahrzehnten Frieden in Europa gibt, ist eine großartige Errungenschaft. Dennoch muss das Misstrauen und Kritik an den EU-Institutionen unbedingt ernst genommen werden – und Reformen sind in vielen Bereichen notwendig. Brüssel muss es schaffen, bürgernäher zu werden. Die Begeisterung für Europa kann man wieder entfachen, wenn die Bürger mit ihren Sorgen und Nöten abgeholt werden und Politik nicht aus dem Elfenbeinturm gemacht wird. Die Politiker müssen zuhören, um die besten Lösungen ringen und echte Alternativen anbieten, über die dann der Wähler entscheiden kann.

„Pulse of Europe“

Wenige Wochen nach dem Auftakt in Frankfurt organisierte Monika Meyer im Februar die erste Demonstration von „Pulse of Europe“ in Hamburg.  Zunächst versammelten sich einige hundert Menschen auf dem Rathausmarkt. In den Wochen darauf wurden es Sonntag für Sonntag mehr: Bürger, die vor den wichtigen Wahlen in den Niederlanden und Frankreich ihre Unterstützung für ein vereinigtes Europa zeigen. Inzwischen ist aus „Pulse of Europe“ eine europaweite Bewegung geworden, die Pro-Europa-Demonstranten versammeln sich in 120 Städten in 16 Ländern. UP Nord sprach mit der 37-Jährigen, die im Marketing eines internationalen Unternehmens in Hamburg arbeitet, über die Auswirkungen der Frankreich-Wahl, ihr Engagement und die Perspektiven der Bürgerbewegung.

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