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Letzte TV-Debatte: Macron bleibt Favorit (© Getty Images)
Rentenmärkte
05.05.2017

„Die voraussichtliche Wahl Macrons zum neuen Präsidenten wird den Bund-Renditen einen moderaten Schub geben“, so HSH-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia.

Trotz Zuversicht vor dem zweiten Wahlgang in Frankreich und freundlicher Aktienmärkte bleiben die Renditeanstiege bei Staatsanleihen verhalten. Fed hält sich alle Türen offen.

Die Euphorie nach dem ersten Wahlgang der französischen Präsidentschaftswahlen, die zu einem Sprung bei den Bund-Renditen geführt hatte, legte sich rasch wieder. Die zehnjährigen Renditen sind nur noch 7 Basispunkte über dem Niveau von vor der Wahl. Dahinter verbirgt sich teilweise eine gewisse Skepsis, ob denn der Sieg des wirtschaftsfreundlichen Kandidaten Manuel Macron am kommenden Sonntag (7.5.) tatsächlich so sicher ist, wie die Umfragen es suggerieren. Wir sind in dieser Hinsicht zuversichtlich, da der Vorsprung Macrons gegenüber der Front National-Kandidatin Marine Le Pen von rund 20 Prozentpunkten uns kaum aufholbar erscheint, zumal die letzte Fernsehdebatte eher Macron geholfen haben dürfte. Die Reaktion auf die Fed-Sitzung vom 3.5. war nur ein leichter Renditeanstieg, obwohl das Fed-Statement dazu geführt hat, dass die Erwartungen für drei weitere Zinsschritte in diesem Jahr von 35% auf 45% gestiegen ist. Angesichts eines schwachen Wirtschaftswachstums im ersten Quartal von nur 0,7% (QoQ, annualisiert), eines rückläufigen ISM-Index im Verarbeitenden Gewerbe und schwache Autoverkäufe erwarten wir nur zwei weitere Zinsschritte. Die schlechtere Ratingeinstufung Italiens durch Fitch (Herabstufung von BBB+ auf BBB) hat bei einigen Investoren in Erinnerung gerufen, dass der politische Sturm in Europa noch nicht vorbei ist: Möglicherweise wird noch in diesem Jahr in Italien gewählt und das Bankenproblem des Landes bleibt in der Schwebe. Die Risikoaufschläge Italiens haben sich vor diesem Hintergrund – anders als die französischen – ausgeweitet. Auch der neue Raketentest in Nordkorea dürfte die Kurse der Staatsanleihen gestützt haben. Die guten Konjunkturindikatoren aus der Eurozone (ein erneutes Plus bei den PMI-Geschäftsklimaindizes und ein robustes Wirtschaftswachstum von 0,5% (QoQ) im ersten Quartal) haben hingegen wenig an dem vorsichtigen Verhalten der Anleger geändert. In der kommenden Woche sollte die voraussichtliche Wahl Macrons zum neuen französischen Präsidenten den Bund-Renditen einen moderaten Aufwärtsschub geben. Am Freitag (5.5.) schon wird es auf die US-Arbeitsmarktdaten ankommen. Die zentrale Frage ist in diesem Zusammenhang, ob die Lage am Arbeitsmarkt sich ähnlich wie die oben genannten Konjunkturdaten verschlechtert hat. Die Konsensprognosen der Bloomberg-Umfragen gehen von einem Beschäftigungszuwachs von 190.000 Personen aus, was uns etwas zu hoch gegriffen erscheint. Weiter sind die Industrieproduktionszahlen sowie die BIP-Zahlen für das erste Quartal (beides Deutschland) zusammen mit der US-Inflation Daten mit Marktbewegungspotenzial. Heute (4.4.) ist auf die Abstimmung im US-Kongress über Änderungen der Gesundheitsreform (Obamacare) zu achten, was Rückschlüsse auf die Regierungsfähigkeit der Trump-Administration zulässt. Insgesamt rechnen wir mit einer etwas erleichterten Stimmung nach der Frankreich-Wahl und freundlichen Konjunkturdaten aus der Eurozone, wodurch die Bund-Renditen erneut leicht steigen sollten.