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Jonathan Herrle ist Chief Experience Officer bei Loewe (© Tinka und Frank Dietz)
brand eins Konferenz
30.05.2017

Die übermächtige Konkurrenz aus Asien setzt den verbliebenen deutschen TV-Herstellern zu. Eine Herausforderung für Jonathan Herrle, dem jungen Chief Experience Officer bei Loewe.

Loewe ist einer der wenigen verbliebenen deutschen TV-Hersteller. Die Firma aus dem fränkischen Kronach musste 2013 nach einer fast 90-jährigen Unternehmensgeschichte Insolvenz anmelden, über 100 Arbeitsplätze gingen verloren. Seit dem Einstieg eines Finanzinvestors im Jahr darauf firmiert Loewe unter dem Namen Loewe Technologies –der Auftakt eines beeindruckenden Comebacks. Als Jonathan Herrle als Chief Experience Officer in Kronach anfing, war der TV-Bauer schon aus dem Gröbsten heraus. „Wem man eine solche Geschichte als Marke hat, ist das durch eine Insolvenz nicht kaputt zu kriegen“, sagte Herrle auf der brand eins Konferenz „So geht Zukunft“ in Hamburg, die unter anderem Wandlungsfähigkeit von Unternehmen zum Thema gewählt hatte. Eher von gestern war ein Anblick, der sich Herrle bei einem seiner ersten Besuche in Kronach bot. „In der Kantine gab es Separées für den Vorstand, das fand ich sehr befremdlich. Als ich sagte, ich wolle die Separées loswerden, war das okay für Loewe.“ Herrle wertete das als gutes Zeichen. „Wenn das so schnell geht, kann ich hier auch anderes bewirken.“ Herrle, der zuvor für eine Design-Agentur tätig war, die auch für Loewe arbeitete, sieht sich heute am rechten Platz. „Ich hatte am Anfang wahnsinnig viele Idee und wurde natürlich auf den Boden der Tatsachen geholt“, sagt er. „Das wichtige war aber, dass beim Änderungsprozess die ganze Organisation mitgezogen hat, inklusive der Produktion.“

Die Krise sei ein guter Motor, wenn man etwas verändern wolle. „Wenn es um die Existenz geht, dann stellt sich die Frage nach dem Warum einer Veränderung nicht mehr, oder ob man neue Produkte entwickeln oder näher am Kunden sein soll. Man ist quasi zur Innovation gezwungen“, sagt Herrle, der im 560 Mitarbeiter zählenden Unternehmen neue Projekträume auch gegen Widerstände konsequent durchsetzte.

Turnaround mit Premium-Geräten

Regelmäßig lädt er Mitarbeiter zu offenen Runden ein. Die Zeit des einen Helden, der alle entscheidet, sei ohnehin vorbei. Herrle setzt auf die zielgerichtete Diskussion in der Gruppe. „Die Belegschaft hat eine unglaubliche Loyalität und Leidenschaft gegenüber der Marke. Sie haben mehrere Managementwechsel erlebt, aber nach drei Jahren sind die meisten davon überzeugt, dass wir es ernst meinen.“

Mit „Wir“ meint Herne auch Vorstand Mark Hüsges, der in Loewe die Vorteile eines agilen Start-ups und einer Traditionsfirma mit über 90jähriger Erfahrung vereint sieht. Das „Modell Apple“, nach dem die Produktion nach Fernost ausgelagert wird und nur noch das Design am Heimatstandort entwickelt wird, lehnt er ab – alle Produkte werden in Deutschland konzipiert, entwickelt und in Kronach produziert. Vielleicht ist es diese Konsequenz, die Loewe das Schicksal von Grundig, Nordmende, Saba und Telefunken erspart hat. Heute halten die türkische Koç-Gruppe und der französische Thomson-Konzern die Markenrechte. Fernseher mit Nordmende-Logos kommen aus Italien, Telefunken und Grundig stehen auf Geräten aus der Türkei, Saba ist vom Markt verschwunden. Wer heute einen Fernseher „Made in Germany“ besitzen will, hat heute nur die Auswahl zwischen Loewe, Metz und Technisat. Wie Loewe in Kronach schlitterte auch Metz aus dem fränkischen Zirndorf in die Insolvenz. Aber auch hier gelang der Turnaround mit Premium-Geräten, welche die neue OLED-Technologie einsetzen. Dennoch bleibt der Wettbewerb in einem Markt, der von den südkoranischen Giganten Samsung und LG beherrscht wird, hart.

Abschied vom „Loewe-Auge“

Bei Loewe, das einst den ersten Schrankwand-Fernseher erfand, will Herrle das Thema „Fernsehen“ weiterdenken. „Wir schauen heute Inhalte ganz unterschiedlicher Art auf diesen Geräten an, sogar Fotos. Ich glaube, es gibt noch eine Menge mehr, was man sich auf einem großen Bildschirm ansehen kann. Ein Fernseher ist für eine Vielzahl von Medien das richtige Wiedergabegerät.“

An Innovationen wird es dem Kronacher nicht mangeln, denn diese haben geholfen, das Unternehmen aus der Krise zu führen. Für ein Modell hat man sich sogar vom Designelement des „Loewe“-Auges getrennt, an dem man bislang jeden Loewe-Fernseher erkannte. Die Separées für den Vorstand gibt es allerdings immer noch. „Sie werden aber nicht mehr genutzt“, sagt Herrle und schmunzelt. Veränderungen brauchen eben manchmal Zeit.